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Frankfurt am Main - Martin Hinteregger zählt zu der Sorte Spieler, die weder den Gegner noch sich selber schonen. Trainer Adi Hütter wird den Österreicher auch in Zukunft nicht stoppen.

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Was bei Eintracht Frankfurt am vergangenen Mittwochabend für einen Schockmoment sorgte, schüttelte Martin Hinteregger locker ab.

Es lief die 34. Minute im Nations-League-Duell zwischen Rumänien und Österreich, als der Abwehrmann böse von Ciprian Deac gefoult wurde und wegknickte. Nach kurzer Behandlungspause ging es auch schon weiter für ihn und nach 53 Minuten schaute der Abwehrmann verwundert auf die Tafel des vierten Offiziellen. Rausgehen? Ich? Nationalcoach Franco Foda musste sich erklären.

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Es war nur ein weiteres Beispiel für "Hinti Beinhart".

Ein Hinteregger kennt keinen Schmerz

Und wie lautete die Begründung für die Auswechslung? Auch diese kann nur "typisch Hinti" lauten: "Zuerst habe ich gedacht, es war wegen meines Fußes. Ich habe nicht gewusst, dass mir der Schiedsrichter die Rote Karte angedroht hat. Beim Tritt gegen meinen Fuß habe ich erst noch gedacht, dass es schlimmer ist. Aber dafür, wie es aussah, geht es dem Fuß gut."

Trainer Adi Hütter gab auf Nachfrage von SPORT1 endgültige Entwarnung: "Martin hat einen Schlag abbekommen. Er hat regenerativ trainiert, weil er spät nach Hause gekommen ist. Dem Spieler geht es aber gut." Sein Einsatz im Duell zwischen der Eintracht und dem 1. FC Köln (Bundesliga: 1. FC Köln gegen Eintracht Frankfurt am So. ab 15.30 Uhr im LIVETICKER) sollte somit nicht gefährdet sein.

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Ein Hinteregger kennt eben keinen Schmerz. In seinen insgesamt fünf Jahren als Bundesligaspieler mussten die Trainer nur neunmal verletzungsbedingt auf ihn verzichten. Der 28-Jährige wirkt von außen betrachtet manchmal zwar etwas lethargisch, beinahe teilnahmslos.

Doch dieser Eindruck täuscht, mit Anpfiff ist der Linksfuß voll da. Hinteregger sucht permanent die direkten Duelle, wovon er an den erste drei Spieltagen 57,4 Prozent gewonnen hat. Er geht dabei hart, aber zugleich sehr fair, zur Sache. Platzverweise stehen in seiner Zeit in Deutschland nicht auf dem Zettel, zweimal nur musste Hütter wegen Gelbsperre auf ihn verzichten.

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"Habe mir auf den Kopf geschlagen"

Was ist das Erfolgsgeheimnis dieses etwas anderen Profis, der in seiner Freizeit Ziehharmonika spielt, gerne auf die Jagd geht, Hubschrauber fliegt und als unangefochtener Publikumsliebling vom Video-Podcast Fußball2000 den Song "Hinty Army" gewidmet bekommen hat?

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Im Podcast von Eintracht Frankfurt verriet Hinteregger: "Interessanterweise sind Schmerzen gut für mich." Wie bitte? Er öffnete sich weiter: "Die besten Spiele waren die, in denen ich gleich in der dritten Minute mit einem anderen Schädel zusammengerasselt bin. Ich habe keine Ahnung, welche Hormone bei mir ausgestoßen werden, aber ich bin dann voll da. Mein Körper und mein Kopf spielen dann voll mit."

Im Zweifel bringt sich der Abwehrmann sogar selbst in Hochform: "Ich habe mir auch mal auf den Kopf geschlagen oder den Physio darum gebeten, mir ins Gesicht zu schlagen." Wobei Hinteregger schmunzelnd anfügte: "Aber natürlich nur ein bisschen mit der Hand, nicht mit der Faust."

Hütter wird Hinteregger nicht bremsen

Zurückziehen steht somit nicht auf der Agenda des gebürtigen Kärntners, er sucht förmlich dieses Gefühl, diesen Kick: "Wenn ich Schmerzen habe, dann ist das gut für mein Spiel." Zur Nachahmung ist diese Heransgehensweise freilich nicht empfohlen - gerade auch im Zeitalter der Erforschung von Gehirnerschütterungen und deren Spätfolgen.

Hütter jedenfalls wird seinen Landsmann auch in Zukunft nicht hindern: "Es gibt Spieler, die wollen immer jedes Spiel. Bremsen tue ich sie nur, wenn ich sehe, dass die Verletzungsgefahr zu groß ist."

Bei "Hinti Beinhart" muss sich der Trainer darüber aber keine Sorgen machen.