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Mainz - Mainz steckt nach dem Null-Punkte-Start im Keller fest. Trainer Jan-Moritz Lichte gelingt auch gegen Leverkusen nicht die Wende. SPORT1 nennt drei Gründe.

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Am Ende gab es noch heiße Diskussionen mit Trainer Jan-Moritz Lichte und den Profis des FSV Mainz 05. Rund 200 Besucher waren zugelassen im Stadion, der Frust nach dem Null-Punkte-Start musste raus.

Das von Sportvorstand Rouven Schröder erhoffte "gute Gefühl" gab es nicht, nach insgesamt schwachen 90 Minuten nahm der Gast aus Leverkusen mit einem 1:0-Sieg verdientermaßen drei Punkte mit. Der Turnaround bei Mainz blieb somit aus, Lichte konnte nach dem Aus von Achim Beierlorzer in der Länderspielpause keine Wende herbeiführen.

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SPORT1 nennt drei Gründe für den Katastrophenstart.

1. Das "Quäntchen" fehlt - typische Merkmale eines Kellerteams

Das Bemühen kann dem FSV Mainz nicht abgesprochen werden. "Wir haben alles reingeworfen und den Fans gezeigt, dass wir alles geben", fasste Jean-Paul Boetius das Geschehen aus seiner Sicht zusammen. Schröder lobte die Mannschaft: "Sie haben den Willen gezeigt, dieses Spiel gewinnen und sich zerreißen zu wollen. Doch aktuell fehlt uns das nötige Quäntchen."

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122,57 Kilometer Laufleistung (Bayer: 121,82 Kilometer) sprechen dafür, das Team stand deutlich kompakter und zeigte sich defensiv nach elf Gegentoren in den ersten drei Partien wesentlich verbessert. Doch bei allem Kampf und Bemühen fehlte in 90 Minuten samt Nachspielzeit eine klare Möglichkeit, sechs harmlose Torschüsse (Bayer: 9) dokumentieren das große Problem der 05er.

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Das Gegentor fiel dann auch typischerweise nach einer von nur zwei Leverkusener Ecken, der Ball rutschte zu Lucas Alario durch. Die eigenen Freistöße und Eckbälle - immerhin sechs Stück - blieben komplett ungefährlich und waren leicht zu verteidigen.

Und dann war da noch die 78. Minute, als Karim Onisiwo nur noch per Foul vom letzten Mann Edmond Tapsoba gestoppt werden konnte. Doch die Rote Karte wurde nach Eingriff des Videoschiedsrichters zurückgenommen, Onisiwo war aus dem Abseits gestartet.

Statt Um- und Aufschwung für die Schlussminuten trudelte die Partie ereignislos aus. Bayer sparte Kräfte mit Blick auf die vielen anstehenden Englischen Wochen, den 05ern fehlte der Punch. Es sind bedenkliche Merkmale für ein Kellerteam, das in dieser Saison nur den Ligaverbleib als Ziel haben darf.

2.) Topstürmer Mateta außer Form

Irgendwann war es Daniel Brosinski im zweiten Durchgang zu viel, da wetterte er in Richtung Jean-Philippe Mateta, nachdem dieser erneut abgewunken hatte: "Was denn? Jetzt mach doch mal was da vorne!" Wenn der Franzose an den Ball kam, dann stand er in den meisten Fällen im Abseits, die gefährlichen Ansätze verpufften.

Mateta gab keinen Torschuss ab, er konnte auch die Bälle für die nachrückenden Mitspieler nicht festmachen. Das Bemühen war ihm zwar nicht abzusprechen, doch von seiner Topform ist der 23-Jährige zu weit entfernt. Sechs Torschüsse in vier Partien, jeweils ein Treffer und Assist sind zu wenig für die Ansprüche der Mainzer - und dokumentieren auch die eigenen Erwartungen nicht ausreichend.

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Lichte nahm Mateta auf SPORT1-Nachfrage zwar in Schutz: "Ich war mit JP zufrieden. Er hat, wie die anderen auch, alles auf dem Platz gelassen." Der Coach kündigte aber zugleich an: “Wir werden genauer analysieren, warum wir es nicht geschafft haben, ihn besser zu bedienen. Lag es an den Pässen? Oder hat er sich nicht gut genug freigelaufen?"

3.) Noch keine Offensiv-Idee erkennbar

Keine richtige Torchance in Berlin - und nun fehlte auch jegliche Gefahr gegen Bayer. Selbst der noch spät eingewechselte Robin Quaison konnte keine Wende mehr erzwingen, der 13-Tore-Stürmer wirkte nach der Länderspielreise müde. Lichte verwies korrekterweise auf einen sehr gut organisierten Abwehrverbund der Rheinländer, Leverkusen ist nur schwer zu knacken.

Doch ohne Mut zum Risiko und nur mit Sicherheitsdenken werden die 05er auch in den kommenden Wochen Probleme bekommen. Leverkusen trat mitnichten in Topverfassung auf, die Werkself sucht nach den Abgängen von Kai Havertz und Kevin Volland in der Offensive noch ihre neue Linie.

Doch Mainz konnte keine längere Druckphase aufbauen oder Bälle tief in der gegnerischen Hälfte gewinnen. "Wir haben alles investiert, was wir haben. Es war klar, dass wir keine zehn Topchancen bekommen werden", mahnte Lichte. Sich allerdings keine Möglichkeit zu erarbeiten, ist das andere Extrem.

Und das Programm wird nicht leichter: Am kommenden Wochenende kommt der Champions-League-Teilnehmer aus Gladbach nach Mainz.

Ohne geeignetes Offensivkonzept wird es auch da schwierig, die ersten Saisonpunkte mitzunehmen. Es braucht zwingend neue Ideen und Impulse - mit Blick auf seine unklare Zukunft auch für Lichte ganz persönlich.

Null Zähler und 0:5 Tore sind zumindest bislang noch kein erfolgreiches Bewerbungsschreiben für eine längere Verweildauer als Chefcoach.