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München - Hertha BSC wollte einen neuen Angriff starten. Doch nach fünf Spielen herrscht Tristesse. Bei SPORT1 spricht eine Hertha-Ikone über die aktuelle Lage.

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Hertha BSC wollte mal wieder den entscheidenden Schritt nach vorne machen. Doch beim Blick auf die aktuelle Tabelle fällt es als Fan der Berliner schwer, daran zu glauben. Platz 15. Nur ein Sieg aus den ersten fünf Spielen. Und auch wenn die Saison noch jung ist: Der Wind weht der Alten Dame schon jetzt schärfer ins Gesicht.

Am Sonntag kommt auch noch der Ex-Klub von Bruno Labbadia, der VfL Wolfsburg ins Olympiastadion (Bundesliga: Hertha BSC - VfL Wolfsburg, So. ab 18 Uhr im LIVETICKER). Für den Fußballlehrer sicher kein normales Spiel, schaffte er doch 2018 mit den Wölfen den Klassenerhalt und 2019 den Sprung in die Europa League.  
 
Seit dem 13. April dieses Jahres ist Labbadia Cheftrainer bei der Hertha. Der 54-Jährige kam in der Saisonunterbrechung, die rund einen Monat zuvor durch die Corona-Pandemie ausgelöst worden war. Labbadia verzichtete damals im April auf die Hälfte seines Gehalts, das waren immerhin 125.000 Euro monatlich.
 
Die Hertha belegte nach dem 25. Spieltag den 13. Platz, wobei der Vorsprung auf den Relegationsplatz sechs Punkte betrug. Am Saisonende konnten sich die Berliner retten.
 
Da war Salomon Kalou schon nicht mehr mit an Bord. Am 4. Mai dieses Jahres hatte der Angreifer bei Facebook während der Saisonunterbrechung ein Live-Video aus der Hertha-Kabine gepostet. Dabei begrüßte Kalou Mitspieler und Betreuer, die von dieser Live-Übertragung nichts wussten, per Handschlag, missachtete dabei Abstandsregelungen und filmte ein Gespräch über den Gehaltsverzicht der Hertha-Profis. Kurz danach wurde Kalou nach sechs Jahren in Berlin vom Trainings- und Spielbetrieb freigestellt - und wechselte im Sommer zum brasilianischen Klub Botafogo.

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Kalou: "Im Fußball läuft nicht alles nach Plan"

"Ich beobachte natürlich die Situation bei der Hertha. Es ist eine andere Mannschaft mit vielen neuen Spielern", sagt Kalou zu SPORT1. "Der Start in die Saison war nicht gut, aber im Fußball läuft nicht immer alles nach Plan. Sie haben gute junge Spieler in der Truppe, die Zeit brauchen, um sich in die Mannschaft einzufügen."

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In der Vorbereitung auf die aktuelle Spielzeit wurde viel investiert, doch die Performance auf dem Platz bringt bisher nicht den gewünschten Erfolg. Die drei Tore von Jhon Cordoba, der für rund 15 Millionen vom 1. FC Köln geholt wurde, waren da noch recht ordentlich. Labbadia ist aber nicht zu beneiden. Bisher konnte er nicht mit seinem Wunsch-Kader arbeiten.
 
Einer der Hoffnungsträger: Mattéo Guendouzi, die Leihgabe vom FC Arsenal (ohne Kaufoption). Für Labbadia ist er der Box-to-Box Spieler, den die Hertha den ganzen Sommer gesucht hat.
 
Der 21-Jährige kam erst am letzten tag des Transferfensters nach Berlin, war dann mit der französischen Nationalmannschaft auf Länderspiel-Reise und infizierte sich da mit COVID19. Danach war Guendouzi zwei Wochen in Quarantäne. Erst seit dieser Woche trainiert er mit dem Team.

Cyber-Training mit Guendouzi

Auf ihm ruhen viele Hoffnungen bei der Hertha, er ist ein Riesentalent, hat in seinem Alter schon 82 Pflichtspiele für Arsenal absolviert, 30 für den französischen Fußballklub FC Lorient in der Ligue 1. "Wir haben die Zeit während der Quarantäne versucht zu nutzen, haben zwei Mal am Tag mit ihm Cyber-Training gemacht, waren täglich in Kontakt. Aber natürlich hat er fast 14 Tage keinen Ball berührt. Wir werden weitersehen, wie schnell er uns helfen kann", sagte Labbadia.
 
Kalou stärkt Labbadia den Rücken. "Bruno hat sich in den letzten Spielen am Ende der Saison gut geschlagen. Für die neue Saison baut er eine neue Mannschaft auf. Er hat Spieler wie Vedo (Vedad Ibisevic, jetzt Schalke 04, d. Red.) und Per (Per Skjelbred, aktuell Rosenborg Trondheim, d. Red.) verloren. Sie waren sehr wichtige Spieler auf dem Platz und in der Kabine."
 
Das ist in seinen Augen das Hauptproblem: "Bruno wird in zwei Monaten nicht die Führungsspieler und die Kapitäne ersetzen können. Gebt ihm Zeit!"

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Friedrich und Windhorst äußern sich nicht

Neben Guendouzi wurden noch Omar Alderete (vom FC Basel) und Eduard Löwen (FC Augsburg) erst am letzten Tag der diesjährigen Sommer-Transferperiode nach Berlin geholt. Dementsprechend hat sich das neue Gebilde bislang noch nicht finden können. Die Unzufriedenheit über den verpatzten Saisonstart ist allgegenwärtig. Sportdirektor Arne Friedrich und Investor Lars Windhorst wollten sich auf SPORT1-Nachfrage nicht äußern.
 
Was macht Hoffnung? Mit Guendouzi hat die Hertha nun einen anderen, deutlich offensiveren zentralen Mittelfeldspieler als Lucas Tousart an Bord. Auch wenn Labbadia weiß, dass Guendouzi sicher noch etwas Eingewöhnungszeit benötigen wird, ist der Mann mit der auffälligen Haarpracht ein Mutmacher.
 
"Wir können nur weiter an den Details arbeiten. In Leipzig haben wir ein gutes Spiel abgeliefert", sagt Trainer Labbadia. "Aber die Partie war ein Gradmesser, was wir von den Jungs erwarten." Bringen die Berliner gegen Wolfsburg eine ähnliche Leistung auf den Platz, ist der ersehnte zweite Sieg gut möglich.