Jan Aage Fjörtoft schoss insgesamt 17 Tore für Eintracht Frankfurt
Jan Aage Fjörtoft schoss insgesamt 17 Tore für Eintracht Frankfurt © Imago
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Frankfurt am Main - Nach dem letzten Sieg bei Bayern stürzte Frankfurt stürzte von Rang fünf auf 17 und stieg ab. Jan Aage Fjörtoft, Schütze des entscheidenden 2:1, blickt bei SPORT1 zurück.

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Es war ein schmuddeliger Herbsttag, als am 18. November 2000 nach 13 Minuten im Münchner Olympiastadion alles seinen gewohnten Gang zu nehmen schien. Paolo Sergio netzte zum 1:0 ein, der favorisierte FC Bayern führte früh gegen Eintracht Frankfurt.

Doch es kam anders als gedacht: Der Ur-Frankfurter Alexander Schur köpfte den Ausgleich ein und Kultfigur Jan Aage Fjörtoft sorgte nach 63 Minuten per Heber über den heutigen Bayern-Vorstand Oliver Kahn für den Siegtreffer.

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"Kahn hat seine Trophäen und ich habe meine Erinnerungen", sagt der Siegtorschütze heute bei SPORT1 und freut sich auch 20 Jahre nach dem letzten Frankfurter Sieg in München noch: "Als Stürmer denkt man immer daran zurück, wenn man gegen gute Torleute und Topmannschaften Tore schießt. Das war ein geiler Lupfer."

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Fjörtoft nennt die Gründe für den Absturz

Am Main sollen damals bereits die Sektkorken geknallt haben, schließlich rückten die Hessen auf Rang fünf vor und lagen nur noch zwei Zähler hinter dem Viertplatzierten FC Bayern. Königsklasse statt Klassenkampf – so lautete die Marschrichtung.

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Doch der Schwung war danach völlig weg, nach sechs Niederlagen in Serie wurde der damalige Coach Felix Magath entlassen. Während die Eintracht am Saisonende über den zweiten Abstieg der Vereinsgeschichte rätselte, feierte der FC Bayern die Deutsche Meisterschaft und den Champions-League-Sieg.

Fjörtoft, heute Markenbotschafter der Eintracht, sagt heute über die Gründe für den Absturz: "In der Mannschaft hat es nicht gepasst, der nötige Biss hat gefehlt und wir haben gedacht, dass nach den spektakulären Klassenerhalten 1999 und 2000 das dritte Wunder folgt."

Zur Erinnerung: Die Eintracht rettete sich zwei Jahre hintereinander erst am letzten Spieltag vor dem Abgang in die Zweite Liga. Als die Frankfurter nach 29 Partien auf Platz 17 angekommen waren, stand Fjörtoft schon nicht mehr auf der Spielerliste, der Norweger hatte den Klub im März verlassen

"Ich habe nicht so viel gespielt und schon frühzeitig für einen norwegischen Verein unterschrieben", erinnert er sich: "Wir waren zu diesem Zeitpunkt oben dabei und ich habe noch im Spaß gesagt: ‘Wenn wir absteigen, dann werden die Leute später sagen, dass das mit Fjörtoft nicht passiert wäre.’ Doch so kam es dann auch."

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Schaden Siege gegen den FC Bayern?

Bei der Eintracht gab es damals noch "viele Turbulenzen im Verein" und so kamen "viele Details" zusammen – so auch die Geschichte, dass Magath den Verein in Richtung Stuttgart verließ und die Schwaben rettete.

Ist ein Sieg gegen den FC Bayern tatsächlich so erstrebenswert? Die Frankfurter erlebten in der Vorsaison nach ihrem grandiosen 5:1-Erfolg ebenfalls eine Talfahrt, aus sieben Bundesligaspielen sammelte die Mannschaft von Trainer Adi Hütter nur noch einen Zähler. Kurios: Bei Bayern komplett umgekehrt: Trainer Niko Kovac musste gehen, Nachfolger Hansi Flick holte das Triple.

Auch der aktuelle Blick zu anderen Teams zeigt ähnliche Tendenzen auf: Die TSG Hoffenheim siegte am 2. Spieltag überraschend hoch mit 4:1, verlor in den darauffolgenden Wochen aber gegen die Eintracht (1:2) und Borussia Dortmund (0:1).

Borussia Mönchengladbach war in der Vorsaison nach einem 2:1-Sieg gegen München Tabellenführer, rutschte anschließend aber nach nur acht von 18 möglichen Zählern vom Platz der Sonne ab. Oder Hertha BSC: Der Hauptstadtklub gewann am 6. Spieltag der Saison 2018/19 mit 2:0 und musste anschließend sechs Partien auf den nächsten Dreier warten.

"Man braucht eine Sternstunde, um zu punkten. Das sind aber nicht die Spiele, die über den Ausgang in der der Meisterschaft entscheiden. Es ist mir lieber, wenn man einen Punkt holt und es danach positiv weitergeht", sagte Hütter vor dem Duell mit Bayern auf SPORT1-Nachfrage. (Bundesliga: FC Bayern - Eintracht Frankfurt ab 15.30 Uhr im LIVETICKER)

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"Spieler denken, dass sie gegen jeden Gegner gewinnen können"

"Das ist eben kein Spiel wie jedes andere", analysierte Fjörtoft. Er sieht gerade im nicht alltäglichen Sieg gegen das Überteam auch einen Grund für die folgende Negativserie.

"Es ist sehr selten, dass man gegen den FC Bayern gewinnt. Dann gibt es eine Euphorie und die Spieler denken auf einmal, dass sie gegen jeden Gegner gewinnen können", meint der Norweger: "Die Einstellung ist wichtig, man muss sofort umdenken nach einem Erfolg. Du spielst gegen die beste Mannschaft der Welt, danach geht es dann wieder gegen 'normale' Fußballer."

Trotzdem will Fjörtoft den Sieg gegen die Münchner nicht missen: "Obwohl ich 2000 getroffen habe, sprechen auch 2020 noch alle über dieses Tor. Es ist immer schön, gegen Bayern zu gewinnen. Die ganze Medienlandschaft berichtet über dich und man kann auch 20 Jahre später noch Geschichten erzählen."

Der 53-Jährige würde seinen persönlichen Titel, der letzte Eintracht-Siegtorschütze in München gewesen zu sein, aber klaglos abgeben: "Die Eintracht kann nur gewinnen und ich bin der Erste, der dann gratulieren wird."