Tuta (hinten rechts) wurde gegen Bayern ins kalte Wasser geschmissen
Tuta (hinten rechts) wurde gegen Bayern ins kalte Wasser geschmissen © Imago
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Frankfurt am Main - Armin Veh schenkt vor einigen Jahren eine Partie gegen den FC Bayern bewusst ab. Adi Hütter wählt, wenn auch über Umwege, eine ähnliche Strategie.

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Als Armin Veh im Februar 2014 mit Eintracht Frankfurt im Abstiegskampf steckte und zum FC Bayern reisen musste, verzichtete der Coach bewusst auf zwei Korsettstangen, denen eine Gelbsperre drohte:

"Sehen Sie: Carlos Zambrano ist ein wichtiger Spieler bei uns, Sebastian Rode ist ein wichtiger Spieler bei uns - dass ich das abwäge."

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Er wolle zwar "nichts herschenken", doch die Strategie war eindeutig: Gegen einen übermächtigen Gegner werden Leistungsträger geschont, da drei Punkte auch in Bestbesetzung unwahrscheinlich sind. Die Rechnung ging übrigens auf, einem 0:5 in München folgte ein ganz wichtiger 3:0-Erfolg gegen Braunschweig.

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Hütter setzt gegen Bayern auf Debütant

Sechs Jahre später ist die Lage bei der Eintracht freilich nicht prekär, die Mannschaft von Adi Hütter startete mit acht Punkten aus den ersten vier Partien sehr ordentlich in die neue Spielzeit.

Der Österreicher veränderte seine erste Mannschaft zum Anpfiff nur auf einer Position, der angeschlagene David Abraham blieb daheim und wurde durch Youngster Tuta ersetzt.

Doch Hütter hätte im Spitzenspiel zwischen dem Zweit- und dem Viertplatzierten auch auf geübtere Innenverteidiger wie Evan N'Dicka oder Stefan Ilsanker setzen können. Er entschied sich aber bewusst für den Debütanten, der Lehrgeld gegen die Weltklasseprofis bezahlen musste.

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Große Rotation nach der Pause

Spätestens zur Pause, als es 0:2 für die Münchner stand, fing die größer angelegte Rotation an. Timothy Chandler und Amin Younes ersetzten Steven Zuber und Schlüsselspieler Daichi Kamada. Eigentlich zieht Hütter diese Karte nur, wenn Akteure in den ersten 45 Minuten "grottenschlecht" agieren.

Insgesamt aber war der Auftritt im ersten Durchgang, auch wenn die Gesamtperformance nur mäßig war, nicht als katastrophal zu bewerten. Der Österreicher wollte aber Younes "sehen", die Auswechslung von Kamada habe "nicht mit Leistungsgründen" zu tun gehabt.

Hütter wechselt Leistungsträger aus

Nach dem dritten Treffer von Robert Lewandowski ging es zügig weiter, erstmals in dieser Saison wechselte Hütter fünfmal. So kamen in den letzten 20 Minuten Danny da Costa (bis dahin 60 Bundesligaminuten), Aymen Barkok (bis dahin 57 Minuten) und Djibril Sow (bis dahin 5 Minuten) noch für die Stützen André Silva, Almamy Touré und den oben genannten Ilsanker, der auf der Sechs begonnen hatte.

Die Taktik von Veh also als "Role Model" für zukünftige Reisen nach München? Die Schlussphase verfolgten Leistungsträger der Eintracht jedenfalls nur noch von der Bank aus. Es ist aus zweierlei Hinsicht eine riskante Strategie, Partien gegen die aktuell beste Mannschaft der Welt abzuschenken.

Deshalb ist die Strategie riskant

Fühlen sich die eingewechselten Spieler wirklich mitgenommen, wenn sie aus dem Nichts in einer Partie benötigt werden, die sowieso schon verloren ist? Es drohen Auflösungserscheinungen, schlechte Stimmung ist eine Folge.

Und wie ist der nationale Wettbewerb noch einzuschätzen, wenn die Kapitulation vor Spielen gegen die Münchner zur neuen Normalität wird?

Der Druck wird steigen, die nächste Partie genauer beobachtet. Hohe Niederlagen können nagen, dem Selbstvertrauen und Teamgefüge schaden.

Gegen Werder Bremen wird die Eintracht zeigen müssen, ob eine Antwort wie unter Veh vor rund sechs Jahren gelingt.