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Dortmund - Lucien Favre eröffnet beim BVB eine neue Baustelle. Obwohl Bürki fit ist, möchte der Schweizer die Torwartfrage nicht endgültig beantworten.

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Der Torwart-Wirbel beim BVB hält auch nach dem 3:0-Sieg im Revierderby gegen Schalke 04 an! (Spielbericht: Borussia Dortmund - Schalke 04)

Auf die Frage von ZDF-Reporterin Claudia Neumann, ob Roman Bürki jetzt wieder die Nummer 1 im BVB-Tor ist, reagierte Lucien Favre nach dem Spiel ziemlich schräg. "Ihre Frage gefällt mir nicht", sagte der Trainer leicht angesäuert.

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Eine Frage, die allerdings völlig legitim ist. Und die sich auch viele Personen intern beim BVB stellen. Zuletzt nahm Favre Stammtorwart Bürki für vier Pflichtspiele überraschend aus dem Tor und gab Stellvertreter Marwin Hitz den Vorzug. Bürki war zwischenzeitlich an der Hüfte angeschlagen und hatte einen Infekt. In den vergangenen drei Wochen war der 29-Jährige aber eigentlich wieder voll fit.

Was hat Favre gegen Bürki? Der 62-Jährige lässt die Torwart-Frage offen, indem er ein Bürki-Bekenntnis ausließ und obendrauf auch noch sagte: "Alle haben Konkurrenz."

Zorc und Kehl anderer Meinung als Favre?

Offenbar gibt es auch klubintern unterschiedliche Auffassungen. Michael Zorc sagte zu Sky: "Jetzt ist Roman wieder im Tor und ist die Nummer 1. Für mich ist die Sache klar. Roman war die letzten Jahre die Nummer 1, es gibt aus meiner Sicht keinen Anlass, daran etwas zu ändern." Der Sportchef fügte aber auch an: "Aber am Ende stellt immer der Trainer auf."

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Und Sebastian Kehl sagte im ZDF: "Roman hatte eine Verletzung und Marwin hat es ganz gut gemacht. Trotzdem ist Roman als unsere Nummer 1 in die Saison gegangen und hat es in der Vergangenheit auch gut gemacht. Er bleibt unsere Nummer 1 in der Form." Auch der Lizenzspielerchef schob nach: "Eines steht aber auch fest: Am Ende entscheidet der Trainer."

Für Trainer-Legende Ewald Lienen gibt es ebenfalls eine klare Nummer 1. "Bürki ist der stärkere Torhüter", sagte er im CHECK24 Doppelpass. "Aber wir kennen Favre doch. Vor einem Millionenpublikum sagt der in der Regel gar nichts. Das ist ein Grundprinzip von ihm, nach dem Motto: 'Ich werde nicht öffentlich sagen, was ich tue und lasse.'"

Nach SPORT1-Informationen gefällt den BVB-Bossen Favres Umgang in der Torwart-Frage nicht. Dass der Übungsleiter aus dem Nichts eine unnötige Baustelle eröffnet und damit ein brisantes Medienthema geschaffen hat, sehen auch die handelnden Personen der Borussia kritisch. Vor dem Schalke-Spiel soll es deshalb auch ein Gespräch zwischen der sportlichen Führung und Favre gegeben haben.

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Favre bleibt den Torhütern eine Begründung schuldig

Im CHECK24 Doppelpass äußerte sich SPORT1-Experte Marcel Reif zu dem Thema. "Die Vereinsführung will es offensichtlich anders als Favre, das sehe ich als Problem", sagte Reif und fügte an: "Das, was Favre sagt, klingt wie: 'Ich habe mich nicht entschieden, ich will den Konkurrenzkampf.' Das Konfliktpotenzial, das er sich mit dieser Baustelle nach innen schafft, ist groß."

Beide Torhüter sollen im Übrigen auch keine richtige Begründung von Favre erhalten haben, wieso es zwischenzeitlich zum Wechsel im Tor kam.

"Da wird ein Thema aufgemacht, dass ich nicht nachvollziehen kann", meinte Reif: "Ich weiß nicht, was Favre da reitet, es kann gute Gründe geben."

Sicherlich: Hitz ist ein exzellenter Bürki-Vertreter. Der 33-Jährige machte seine Sache stets gut, wenn er gebraucht wurde. In seinen beiden Ligaspielen in dieser Saison hielt der den Kasten sauber, wehrte alle fünf Torschüsse ab. Bürki aber ist die Nummer 1 im schwarz-gelben Kasten. In seiner Anfangszeit beim BVB immer wieder mit Fehlern behaftet, kämpfte sich der Schlussmann stark zurück und gilt mittlerweile als sicherer Rückhalt.

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Vor vier Monaten verlängerten die Dortmunder den Vertrag deshalb auch mit dem Schweizer, an dem auch der FC Chelsea zwischenzeitlich dran war, bis 2023 – und das trotz schwieriger Corona-Zeiten zu besseren Konditionen. Rund 6 Mio. Euro soll Bürki seither in Dortmund verdienen. Eine Form der Wertschätzung.

Zorc sagte damals: "Wir freuen uns, dass in Roman einer der konstantesten Torhüter der Bundesliga weiterhin bei uns zwischen den Pfosten steht. Damit ist eine wichtige Position langfristig und exzellent besetzt."

Das scheint Favre, der beide Torhüter auf dem gleichen Niveau sieht, aktuell ein wenig anders zu sehen. "Er (Bürki) spielt heute Abend und wir denken nur an heute, nicht ans nächste Spiel", sagte der Trainer vor dem Derby. "Wir werden sehen."