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München - Ausgerechnet Javi Martínez köpft die Bayern in Budapest zum Supercup-Sieg. Nach dem Spiel äußert er sich erstmals selbst über seine Zukunft.

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Solche Geschichten schreibt wirklich nur der Fußball!  

Es läuft die 103. Spielminute in Budapest. Javi Martínez steigt im gegnerischen Strafraum hoch und köpft. Nicht überhastet, sondern überlegt. So, wie er es in seinen acht Jahren beim FC Bayern etliche Male gemacht hat. Sekunden später jubelt er über seinen 2:1-Siegtreffer gegen den FC Sevilla. 

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Supercup-Held Martínez!  

Dass sich der unmittelbar vor einem Abschied stehende 32-Jährige mit dem FC Bayern überhaupt noch auf den Weg nach Budapest gemacht hatte, überraschte selbst einige Angestellte des Vereins. Doch Cheftrainer Hansi Flick nahm Martínez keinesfalls nur als Glücksbringer mit in die ungarische Hauptstadt. Er traute ihm im Falle seines Einsatzes Entscheidendes zu.  

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Flick wechselte ihn in der 99. Minute für Leon Goretzka ein. "Er hat nicht nicht nur in der Defensive seine Qualitäten. Auch in der Offensive mit seinem Kopfballspiel. Das war ausschlaggebend, warum er eingewechselt wurde. Wir wollte mit ihm eine kopfballstarke Komponente haben", erklärte Flick seinen Schachzug und lobte ihn abermals für seine Einstellung: "Ich habe zu ihm selbst schon gesagt, dass man sich immer auf ihn verlassen kann. Er ist ein Spieler, der immer zu 100 Prozent da ist, wenn er gebracht wird und auf dem Platz mit seiner Erfahrung und Mentalität Spiele gewinnt. So wie gestern."

Müller: "Man kann Javi nur Danke sagen"

"Er wird auch noch in 30 Jahren dieses Kopfballspiel haben. Er ist ein super Typ und ein verrückter Vogel”, sagte Thomas Müller bei Sky: "Dass er nicht mehr alle drei Tage ans Limit gehen kann, hat ihm auch weh getan. Er hat uns zum Titel geköpft, dafür kann man ihm nur Danke sagen. Er hat mir persönlich in den letzten acht Jahren geholfen, den ein oder anderen Titel zu holen."

Ausgelassen jubelnd sah man Martínez auf dem Rasen der Puskas Arena übrigens nicht. Erst um 23.52 Uhr nahm er den Pokal fast widerwillig in die Hände, küsste und reckte ihn anschließend in Richtung der Bayern-Fans kurz in die Höhe. Martínez klopfte sich mit der rechten Faust auf das Vereinswappen und zog sich wieder zurück.

"Ich mag den Pokal nicht haben, ich weiß nicht warum", erklärte Martínez anschließend bei Sky. Dafür sagte er: "Wenn ich mit dem Bayern-Trikot spiele, versuche ich immer 100 Prozent zu geben. Das habe ich gezeigt, ich bin zufrieden. Das war ein Traum."

Erinnerung an den Super-Cup-Sieg 2013 gegen Chelsea

Supercup-Held Martínez!  

Bereits 2013 traf der 18-fache spanische Nationalspieler für die Bayern im Supercup. Damals zum späten 2:2 (120.+1). Am Ende gewannen die Bayern 5:4 im Elfmeterschießen gegen den FC Chelsea.  

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"Es war wie 2013. Ein schöner Abend", erinnerte sich Martínez und fügte hinzu, dass er nicht viel feiern wolle: "Weil wir am Sonntag ein Spiel haben. Solange ich hier bleibe, werde ich alles geben und dieses Trikot verteidigen."

Ob Martínez (Vertrag bis 2021) am Sonntag beim Auswärtsspiel gegen die TSG Hoffenheim noch im Bayern-Kader sein wird?

Martínez schon am Wochenende weg?

"Ich weiß nicht, was in den nächsten Tagen passieren wird, aber wenn ich mich so verabschiede, wäre das ein Traum", sagte Martínez beim spanischen TV-Sender Movistar.  

Und was sagt Flick zur Zukunft des Routiniers? "Das muss er ganz alleine entscheiden. Solange er bei uns im Kader ist, ist er für uns wichtig. Man kann sich auf ihn verlassen, wenn er fit ist. Das ist er aktuell. Es freut mich daher für ihn ganz besonders, denn er hatte viele Verletzungen."

Der defensive Mittelfeldspieler mit der Nummer Acht steht nach SPORT1-Informationen vor einer Rückkehr zu Spanien-Klub Athletic Bilbao. Darauf angesprochen sagte er schlichtweg: "Ich weiß es nicht." Beim Team-Dreh mit Werbe-Partner Paulaner war er am Dienstag in München nicht zugegen und fehlte auch auf dem obligatorischen Mannschaftsfoto.

Dafür sorgte er in Budapest für das Quadruple des FC Bayern.  

Sein goldener Kopfballtreffer dürfte nach 238 Pflichtspielen im Bayern-Dress sein persönliches Abschiedsgeschenk gewesen sein.