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Leipzig - Lukas Klostermann gab in der letzten Saison sein Länderspieldebüt. Vor der neuen Spielzeit spricht er über Julian Nagelsmann, den Kader und die Fan-Rückkehr.

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Hinter Lukas Klostermann liegt die erfolgreichste Saison seiner Karriere. Mit RB Leipzig erreichte der Nationalspieler das Champions-League-Halbfinale, bei Joachim Löw ist er eine feste Kadergröße. 

Im SPORT1-Interview vor dem Pokalauftakt in Nürnberg (DFB-Pokal: 1.FC Nürnberg - RB Leipzig, Sa., ab 15.30 Uhr im LIVETICKER) spricht Klostermann über seinen Trainer Julian Nagelsmann, die Qualität im Kader von RB, die Fan-Rückkehr und seine persönliche Entwicklung.

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SPORT1: Herr Klostermann, welches Gefühl haben Sie nach der Vorbereitung?

Lukas Klostermann: Es war eine sehr kurze Vorbereitung. Die ganze Situation ist immer noch etwas ungewohnt. Aber ich fühle mich gut und habe auch einen guten Eindruck von der Mannschaft. Wir haben sehr ordentlich trainiert. Wir sind gut gewappnet fürs Wochenende.

SPORT1: Welche Stärken und welche Schwächen haben Sie ausgemacht?

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Klostermann: Dadurch dass die Vorbereitungszeit kurz war, hat sich nicht so viel verändert im Vergleich zur sehr guten letzten Saison. Daran wollen wir wieder anknüpfen. Wir wollen in der Bundesliga möglichst weit oben stehen und wünschen uns, auch in der Champions League wieder in die K.o.-Runde zu kommen. Wir wollen auch im DFB-Pokal möglichst weit kommen und jetzt am Wochenende den ersten Schritt machen. Schwächen finde ich schwierig zu sagen. Es wird einfach eine besonders große Herausforderung sein, mit den Umständen klar zukommen. Es wird nochmal härter in dieser Saison. Es wird wichtig sein, dass wir es schaffen, Spiele zu kontrollieren, wo wir vielleicht zwei, drei null führen, sodass wir da nicht noch unnötige Meter machen müssen. Denn es werden sehr viele englische Wochen werden. Das wird die größte Herausforderung sein. Wir wollen zeigen, dass wir das auch können.

"Bei Nagelsmann hat alles Hand und Fuß"

SPORT1: Welchen Eindruck haben Sie von Trainer Julian Nagelsmann?

Klostermann: Er hat uns ein Stück weit verbessert, gerade im Spiel mit Ball hat er seine eigenen Ideen mit eingebracht. Wir haben es hinbekommen, die alten Stärken in Sachen Gegenpressing beizubehalten und trotzdem die neuen Ideen von ihm mit umzusetzen. 

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SPORT1: Ist Nagelsmann wirklich so besonders?  

Klostermann: Ja, definitiv! Man merkt an seinen Videoanalysen in den Sitzungen, dass das alles Hand und Fuß hat, was er sich vorstellt und wie er sich es vorstellt. Er kann uns Spielern das vermitteln, sodass du als Spieler auch das Gefühl hast 'ja das macht Sinn, das genauso umzusetzen', dass du auch den Gedanken dahinter verstehst. Es ist wichtig, dass du als Spieler nicht das Gefühl hast, 'jetzt muss ich hier anlaufen, in der Situation muss ich das und das machen', aber gar nicht so wirklich verstehst, warum du das jetzt im Gesamtkontext machen sollst. Das bekommt er sehr gut hin. Als Spieler weiß man genau, wann man was machen muss und auch warum. Deswegen sind wir in den meisten Spielen sehr gut vorbereitet gewesen.

SPORT1: Was trauen Sie ihm noch zu?

Klostermann: Schwierig zu sagen. Ich hoffe, dass wir diese Saison noch erfolgreicher gestalten können als die letzte. Alles in allem ist er noch ein sehr junger Trainer, von daher wird er noch einige sehr gute Jahre vor sich haben.

Klostermann: "Hwang kann eine Lücke füllen"

SPORT1: Timo Werner hat den Verein verlassen. Wie sehen Sie den RB-Kader aufgestellt?

Klostermann: Sehr gut. Natürlich haben uns mit Timo und Patrik (Schick, d. R.) zwei Stürmer mit großen Qualitäten verlassen. Aber ich denke, dass zum Beispiel Hee-chan Hwang eine Lücke füllen kann. Er hat im Training einen sehr guten Eindruck gemacht. Auch bei allen anderen Neuzugängen hatte ich im Training das Gefühl, dass sie uns definitiv weiterhelfen werden. Ich persönlich bin ein Freund davon, dass wir nicht einen aufgeblähten Kader hatten. Das ist ein sehr schmaler Grat, auf dem man da wandert. Bei vielen englischen Wochen muss man die eine oder andere Verletzung kompensieren können. Bei uns herrscht ein sehr gutes Klima in der Mannschaft, die Stimmung ist immer sehr gut. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass bei uns auch jeder seine Spielminuten bekommt. Denn das ist als Spieler mit das Wichtigste, dass du das Gefühl hast, dass du der Mannschaft helfen kannst und ein wichtiger Teil der Mannschaft bist. Das funktioniert halt nur, wenn du nicht einen riesigen Kader hast. 

SPORT1: Was für eine Art von Stürmer würde RB noch gut tun?

Klostermann: Unsere Verantwortlichen arbeiten mit Hochdruck daran, dass wir noch eine Verstärkung bekommen in der Offensive. Es ist nicht ganz einfach, weil das Transferfenster sehr lang gestreckt ist und dadurch die Vereine ein bisschen hartnäckiger sein können. Viele Vereine müssen wirtschaftlich schauen, dass das bei ihnen hinhaut. Und wollen dann für die Spieler das Maximum an Ablöse herausholen. Ich bin mit unserem Kader sehr zufrieden, soviel hat sich im Vergleich zur vergangenen Saison im Kader auch nicht getan. Es ist nicht so, dass uns zehn Spieler verlassen haben. Aber wenn noch jemand kommen würde, der uns helfen würde, wäre das auch nicht verkehrt.

Klostermann hofft auf Stimmung durch 8000 Zuschauer

SPORT1: Was bedeutet es für Sie als Spieler, wenn zumindest wieder 8000 Fans zugelassen werden in die Red-Bull-Arena?

Klostermann: Das war eine sehr schöne Nachricht, weil der Fußball von den Fans lebt. Ich hoffe, dass da wieder eine tolle Stimmung ist, auch wenn es "nur" 8000 Zuschauer sind und das Stadion nicht voll ist. Das ist das, was wir als Spieler, was alle Verantwortlichen bei uns aber auch die Fans selbst im Stadion vermisst haben. Ich bin sehr froh, dass wohl ein sehr gutes Hygienekonzept erarbeitet worden ist, wo das Gesundheitsamt hier grünes Licht gegeben hat. Ich hoffe, dass das verantwortungsbewusst umgesetzt wird von allen Beteiligten. Darauf freuen wir uns schon sehr.

SPORT1: Ist es die richtige Entscheidung, wieder Fans zuzulassen?

Klostermann: Ja, weil die Sicherheitsabstände wohl eingehalten werden können. Mit das Wichtigste ist, dass das auch bei den Einlasskontrollen gewährleistet ist. Ich bin nicht zu 100 Prozent drin in der Materie. Aber dadurch, dass die Corona-Zahlen hier auch relativ niedrig sind, wird es funktionieren. 

Klostermann: Letzte Saison hat Messlatte gelegt

SPORT1: Ihre persönliche Entwicklung ist enorm. Sie sind fester Bestandteil der Nationalmannschaft, in Leipzig gesetzt. Wo soll es für Sie noch hingehen?

Klostermann: Seitdem ich hier bin, hätte es nicht viel besser laufen können. Nächstes Jahr steht ein großes Turnier an, wo man dabei sein möchte und dann möglichst weit kommen möchte. Wir haben auf europäischer Bühne gezeigt, was wir draufhaben. Da wird es wichtig sein, jede Saison den Hunger und die Gier beizubehalten, immer noch eine kleine Schippe drauflegen zu wollen, sodass es dann perspektivisch, mittelfristig vielleicht auch mal zu einem Titel reicht.

SPORT1: Wie ist Ihre Prognose für diese Saison?

Klostermann: Deswegen Ich finde es sehr schwierig, eine Prognose abzugeben. Tendenziell wollen wir uns an der Messlatte von der letzten Saison orientieren. Dafür werden wir alles reinhauen.