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Luka Jovic zieht es zu Eintracht Frankfurt zurück. Trainer-Legende Dragoslav Stepanovic zeigt sich zwar skeptisch – doch vor allem Adi Hütter könnte zum wichtigen Faktor werden.

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Es war ein Schlag ins Gesicht für Luka Jovic – und wohl die endgültige Erkenntnis, dass er bei Real Madrid aktuell keine Perspektive hat.

Trainer Zinedine Zidane brachte am Sonntagabend in San Sebastian für die letzten Minuten mit Sergio Arribas und Marvin Park zwei Flügelspieler aus der Jugend statt eines zweiten Mittelstürmers neben Karim Benzema. Zidane begründete dies anschließend damit, er habe die Grundausrichtung beim Stand von 0:0 nicht ändern wollen. Er habe persönlich aber nichts gegen Jovic. Später berichteten spanische Medien über ein mögliches Leihgeschäft.

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Stepanovic rät Jovic zur neuen Herausforderung

Deutlicher kann eine Ansage des Trainers nicht sein. Eigengewächse haben den 22-Jährigen in der Hierarchie überholt.

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"Ich würde ihm eine neue Herausforderung empfehlen. Er muss richtig Gas geben, um es wieder nach oben zu schaffen", sagt Dragoslav Stepanovic im Gespräch mit SPORT1. Die Trainerlegende der Eintracht pflegte früher einen engen Kontakt zu Jovic und trat in dessen zwei Jahren bei Eintracht Frankfurt häufiger als Dolmetscher auf. Er erwähnte auch die "Dummheiten", seine Quarantäneverstöße inmitten der Coronavirus-Pandemie.

Könnte eine Rückkehr in die Mainmetropole Jovics ins Stocken geratene Karriere wieder ankurbeln? SPORT1 hatte bereits über ein mögliches Leihgeschäft berichtet, nach Informationen der spanischen Nachrichtenagentur EFE soll der Angreifer nach 806 Pflichtspielminuten und zwei Toren im ersten Jahr in Madrid nun mit seinem Wechselwunsch an Real herangetreten sein.

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Er will offenbar wieder zurück nach Frankfurt, auch sein Kumpel Filip Kostic könnte dabei eine wichtige Rolle spielen. "Natürlich fehlt er mir. Er hat ja beinahe jede meiner Flanken in ein Tor verwandelt", sagte Kostic im Sommer.

Wird der "Hütter-Faktor" entscheidend?

Doch passt die Verbindung Jovic und Frankfurt auch diesmal? Auf den ersten Blick äußert sich Stepanovic dazu noch skeptisch: "Man weiß nicht, in welcher Verfassung Jovic ist. Wenn so ein Spieler zur Eintracht zurückkommt, dann zählt die Vergangenheit nicht mehr. Er muss viel mehr machen, um alle zu überzeugen."

Verlassen hatte der Nationalstürmer die Hessen mit 27 Pflichtspieltoren, vor allem seine zehn Treffer in der Europa League waren herausragend und hätten fast den Titel beschert.

Stepanovic fiel aber zugleich auf: "Luka hat bei Lissabon nicht viel gespielt, auch bei Niko Kovac kam er nicht häufig zum Einsatz. Erst bei Adi Hütter hat Jovic wunderbar gezeigt, was er kann." Der "Hütter-Faktor" könnte also überwiegen. Die Gerüchte, dass Kovac bei der AS Monaco der Trumpf sein könnte, sind daher mit Vorsicht zu genießen.

Jovic stand in der Saison 2017/18 trotz starker Leistungen nur neunmal in der Frankfurter Startelf, und das Pokal-Endspiel gegen den FC Bayern München verpasste er komplett – obwohl er die Hessen mit seinem Traumtor auf Schalke überhaupt erst nach Berlin gebracht hatte.

Eintracht muss finanzielle Hürden überwinden

Bei Hütter wurde Jovic zu einem entscheidenden Baustein der Büffelherde mit Sébastien Haller und Ante Rebic. Nach seinem Fünferpack gegen Fortuna Düsseldorf schwärmte sein Trainer: "Man muss mit Superlativen immer aufpassen. Aber für mich hat er das Zeug zu einem Weltklasse-Stürmer."

Spätestens zu diesem Zeitpunkt war schon klar, dass Jovic für die Eintracht nicht mehr zu halten war. Doch trotz dieser ruhmreichen Vergangenheit: Bei einem Neustart stünde die Null auf dem persönlichen Konto. 

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Damit sich der Wunsch des Angreifers überhaupt realisieren lässt, hat die Eintracht aber viele Hürden zu überwinden. Real müsste von dem geschätzten 10-Millionen-Gehalt einen großen Teil übernehmen, zudem dürfte die Leihgebühr nicht zu hoch ausfallen. Die wegen der Coronakrise ebenfalls finanziell angeschlagenen Frankfurter haben ihren Umsatz halbieren müssen und könnten einen solchen Toptransfer nur mit Hilfe der Madrilenen stemmen.

Fähigkeiten können Eintracht helfen

Aus Sicht von Real könnte dieser Deal dennoch Sinn ergeben. Hütter hat Jovic schon einmal ganz weit nach vorne gebracht. Mit André Silva und Bas Dost hätte Jovic zwei formstarke Kollegen, die ihm die Last des Toreschießens bei Weitem nicht allein überließen. Er würde die Elemente Technik, Spielintelligenz und Antrittsschnelligkeit einbringen, Frankfurt im Gegenzug die Wohlfühlatmosphäre, die Jovic benötigt.

"Wenn ein Spieler wie Luka Jovic gehandelt wird, dann würde man sich natürlich freuen, wenn er zurückkäme", sagte Eintrachts Mittelfeldmann Stefan Ilsanker am Dienstag.

"Ich weiß nicht, ob Luka die Rückstände so schnell aufholen kann", ist Stepanovic grundsätzlich skeptisch. "Wenn er das nicht schafft, dann kommen die ersten Pfiffe und das Leihgeschäft wäre gescheitert." Doch die Chance erscheint bei dem Gesamtpaket, das Jovic zweifelsfrei mitbringt, schon sehr verlockend.