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München - Leipzig-Coach Julian Nagelsmann hat seine Berateragentur gewechselt. SPORT1-Chefkolumnist Tobias Holtkamp sieht darin den nächsten Schritt in der Karriere.

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Einer der spannendsten Sommer-Wechsel im deutschen Fußball fand weitgehend unbemerkt statt. Julian Nagelsmann, die vielleicht heißeste Aktie auf dem europäischen Trainer-Markt, hat sich nach mehreren Jahren im Team von Jürgen Klopps Manager Marc Kosicke für eine Veränderung entschieden und der größten und einflussreichsten deutschen Berateragentur Sportstotal angeschlossen.

Das Unternehmen mit Sitz in Köln zählt u.a. Stars wie Toni Kroos (Real Madrid), BVB-Kapitän Marco Reus oder die Top-Innenverteidiger Niklas Süle (Bayern) und Dayot Upamecano (Leipzig) zu seinen Klienten.

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Jetzt haben sie auch Deutschlands größtes Trainer-Talent unter Vertrag - wobei Nagelsmann, zwar immer noch erst 33, den reinen Talente-Status spätestens im August abgelegt hat, als er mit seiner Leipziger Mannschaft völlig überraschend bis ins Halbfinale der Champions League marschierte.

Wenig verwunderlich, dass die Personalie Nagelsmann, der Wechsel von der Klopp- zur Kroos-Agentur, direkt zu einem der liebsten Tuschel-Themen innerhalb der Fußball-Branche wurde. Warum macht er diesen Schritt? Was sind die Hintergründe?

Freundschaften pflegt Nagelsmann jenseits von RB

Im Grunde ist es relativ einfach: Julian Nagelsmann hat eine sehr klare Idee von seiner Karriereplanung. Wer sich vor allem in Leipzig umhört, der bekommt oft die gleiche Prognose. Der Trainer Nagelsmann möchte (und wird) in der größten Stadt Sachsens nicht sein Leben verbringen.

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Er "lebt" die Aufgabe bei RB klar als beruflichen Schritt, maximal professionell. An einer übermäßig emotionalen Bindung zu seinem Arbeitgeber ist ihm nicht sonderlich gelegen, Freundschaften pflegt er lieber außerhalb des RB-Kosmos.

Ihm geht es, aber das ist in einem Unternehmen wie RB Leipzig, wo viele Experten aus verschiedenen Bereichen und Regionen zusammen arbeiten, auch genau so gewollt, rein um den Erfolg. Dem des Klubs bzw. der Marke - und damit dann auch seinem persönlichen.

Wenn Nagelsmanns Vertrag in Leipzig 2023 endet, dann, spätestens dann, möchte er auch den nächsten Schritt machen. Nach ganz oben, zu einem der internationalen Top-Player. Und wer weiß, ob das Ende der Leipziger Fahnenstange für Nagelsmann, wenn es weiter so gut läuft, nicht sogar schon früher erreicht ist.

Der Traum von Barca und Real 

Dann würde, wie bei seinem Wechsel von Hoffenheim zu RB, eine Ablöse fällig - die allerdings für keinen der europäischen Großklubs eine Hürde darstellt. Eine Ausstiegsklausel gibt es nicht im laufenden Vertrag.

Vor allem die beiden spanischen Großklubs haben es Nagelsmann angetan. Der Traum, einmal den FC Barcelona oder Real Madrid zu trainieren, treibt ihn an.

2018 gab es bereits Gespräche, Real war interessiert an dem jungen Deutschen, doch Nagelsmann erschien der Schritt zu früh. Sie verständigten sich darauf, in Kontakt zu bleiben und dann zu sprechen, wenn es zukünftig für beide Seiten passen sollte. Zinedine Zidanes aktueller Trainer-Vertrag bei Real läuft bis 2022.

So stark Nagelsmanns Ex-Berater Marc Kosicke nach England und in die Premier League verknüpft ist, nicht zuletzt dank der Klopp-Liverpool-Connection, so hervorragend sind die Drähte seiner neuen Agentur eben u.a. nach Spanien. Sascha Breese, einer der Geschäftsführer von Sportstotal, der jetzt Nagelsmann vertritt, genießt bei vielen Vorständen und sportlich Verantwortlichen der Champions League-Klubs hohes Ansehen - eben auch bei Real.

Die Wege sind kurz, das Vertrauen zu den deutschen Vermittlern groß. Und davon möchte auch Julian Nagelsmann mittelfristig profitieren. Er erachtet Netzwerk und Qualitäten seines neuen Partners als passender für sich und seine Ziele.

Bis es so weit ist, kümmert er sich darum, dass die sportliche Nagelsmann-Aktie weiter steigt - mit vollem Einsatz, in Leipzig. Das Gute daran: Es haben ja alle etwas davon...

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp als Chef-Kolumnist die wöchentliche "Bundesliga-Kolumne".