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Der Transferpoker von David Alaba scheint an den von Toni Kroos beim FC Bayern zu erinnern. Doch stimmt das wirklich und nehmen die Verhandlung ein ähnliches Ende?

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Als Toni Kroos München im Sommer 2014 den Rücken kehrte, war die Verwunderung bei vielen Fußball-Fans und -Experten groß.

Immerhin hatte der Nationalspieler den deutschen Rekordmeister kurz nach dem Weltmeistertitel und ein Jahr nach dem Triple-Triumph verlassen - und das auch noch freiwillig. 

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"Im Nachhinein kann man sicher sagen, dass es der ein oder andere bereut hat, mich gehen gelassen zu haben", hatte Kroos im Mai rückblickend bei Eurosport gesagt: "Auch wenn der FC Bayern das nicht gewohnt ist, dass ein Spieler ihn freiwillig verlässt, war es dann eben so." Sechs Jahre später droht den Münchnern ein ähnliches Szenario - diesmal mit David Alaba, der jüngst sein zweites Triple mit den Bayern gewonnen hat.

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Doch sind die beiden Situationen zu vergleichen und könnte es bei Alaba tatsächlich so kommen, wie damals bei Kroos?

Alaba hat ein deutliches größeres Standing

Zunächst einmal muss die Rolle bewertet werden, die Kroos damals bei den Bayern eingenommen hat. Bei seinem Abschied war der Mittelfeldspieler 24 Jahre alt. Er war bereits ein gestandener Spielmacher und Stammspieler bei der WM in Brasilien gewesen. Allerdings war sein Standing an der Säbener Straße in keiner Weise mit dem zu vergleichen, das Alaba derzeit genießt. 

Der Österreicher ist seit 12 Jahren bei den Bayern. Der 28-Jährige hat mittlerweile 386 Pflichtspiele für den Klub absolviert, ist Publikumsliebling und absoluter Leistungsträger, der dazu noch flexibel einsetzbar ist. Alaba ist auf dem Rasen ein Leader und abseits des Platzes Aushängeschild und Werbe-Ikone. 

Ein Abschied Alabas wäre für Bayern-Coach Hansi Flick schon aus sportlicher Sicht ein herber Verlust. Der Abgang von Kroos war für die Bayern damals zwar schmerzhaft, allerdings standen mit Thiago, Xabi Alonso und Bastian Schweinsteiger weitere Weltklassespieler im Mittelfeld zur Verfügung. 

Die Situation lässt sich also aus sportlicher Sicht, aber auch wegen des Standings auf und abseits des Rasens kaum miteinander vergleichen. 

Es geht ums Geld

Eine andere Parallele ist allerdings deutlich zu erkennen: Es geht um Wertschätzung und vor allem um das Gehalt. 

"Natürlich sind wir auch finanziell nicht zusammengekommen, das kann man ruhig so sagen", hatte Kroos bei Eurosport verraten. Nach seinem Abschied hatte er sich vor allem über mangelnde Wertschätzung seitens der Verantwortlichen des FC Bayern beschwert.

Kroos' Berater Volker Struth hatte vor zwei Jahren bestätigt, dass der Mittelfeld-Stratege mit dem angebotenen Vertrag nicht zufrieden war. Er hätte wohl weniger verdient als beispielsweise Mario Götze. Die Wertschätzung soll in Madrid deutlich höher gewesen sein und so wechselte Kroos für 25 Millionen Euro zu Real. In der spanischen Hauptstadt dürfte er ein deutlich besseres Angebot angenommen haben. "Das Schnäppchen des Jahrhunderts", nennt Struth den Transfer im Nachhinein. 

Eines ist bei dem Transfer auf jeden Fall offensichtlich: Wertschätzung wird im Profifußball nun mal am besten mit Geld gezeigt. 

Genau um diese Art von Wertschätzung geht es nun auch bei Alaba. Beide Seiten konnten sich noch nicht über die Zahlen einigen, die in dem neuen Vertrag stehen sollen. Einen neuen Höhepunkt erreichte der Poker am Sonntag, als Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß im CHECK24 Doppelpass mit einer Aussage über Alabas Berater in die Tierwelt abdriftete und Pini Zahavi einen "geldgierigen Piranha" nannte. 

"Ich wünsche mir, dass meine vertragliche Situation nicht in der Öffentlichkeit geklärt wird. Daher haben mich ein paar Aussagen und Berichte der letzten Wochen verwundert und durchaus auch verletzt", reagierte Alaba in der Bild

Alabas Vater George wurde um ein vielfaches deutlicher. Bei Sky ließ er einen deftigen Konter folgen: "Ich habe nicht damit gerechnet, dass der FC Bayern jetzt in der Öffentlichkeit schmutzige Lügen über Gehalts- und Provisionsforderungen streut. Zu behaupten, dass wir wegen einer solchen Zahlung bei Vertragsunterschrift nicht zu einer Einigung kommen, ist eine von diesen dreckigen Anschuldigungen. Und das alles nur, weil wir die von ihnen vorgelegten Zahlen nicht akzeptieren. Wir haben unsere eigenen Vorstellungen."

Spätestens jetzt geht es also - wie bei Kroos - um Geld und auch andere Arten von Wertschätzung. 

Der FC Bayern kämpft um Alaba

In einem entscheidenden Punkt besteht nun aber ein erheblicher Unterschied im Vergleich mit dem Vertragspoker von vor sechs Jahren. Die Bayern kämpfen mit allen Mitteln um den unentbehrlichen Alaba. Das war bei Kroos nicht so, was sicherlich auch in die Kategorie fehlende Wertschätzung eingeflossen ist. 

"Alle im Klub lieben Alaba", hatte Hoeneß im CHECK24 Doppelpass bestätigt. Mit seiner Vielseitigkeit in der Abwehr ist er zudem genau der Spielertyp, den Flick unbedingt benötigt. Einen Ersatz für Alaba zu finden erscheint nur schwer möglich, zumindest wäre es sicherlich mit deutlich höheren Kosten verbunden, als die Forderungen des Alaba-Lagers zu erfüllen. 

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Hinzukommt die sportliche Perspektive. Kroos machte mit seinem Wechsel zu Real Madrid im Nachhinein wohl alles richtig. Er entwickelte sich zu einem der besten Mittelfeldspieler der Welt, reifte persönlich und als Spieler enorm. "Wenn ich die ganze Situation im Rückblick betrachte, dann bin ich ehrlich gesagt froh darüber, dass es mit der Einigung mit dem FC Bayern nicht geklappt hat", bestätigte der Weltmeister und viermalige Champions-League-Sieger diesen Eindruck kürzlich im Interview mit der Sport Bild.

Für Alaba stellt sich allerdings die Frage, bei welchem Klub er sich aus sportlicher Sicht verbessern - oder zumindest nicht verschlechtern würde. "Ich sehe im Moment aber die Alternativen für Alaba nicht, wenn er weggehen will", zweifelte SPORT1-Experte Marcel Reif im CHECK24 Doppelpass an einem Abschied. 

Finden beide Parteien - anders als bei Kroos - am Ende also doch noch zusammen?