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Beim 1:4 in Hoffenheim entscheidet sich Hansi Flick für Sven Ulreich als Vertretung von Manuel Neuer. Alexander Nübel bleibt in München. Führt diese Entscheidung zu einer Blitz-Leihe?

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Kaum da und schon wieder weg?

Zum Bundesliga-Auftakt gegen Schalke 04 und im UEFA Super Cup gegen den FC Sevilla hatte sich Hansi Flick dazu entschieden, sowohl Sven Ulreich als auch Neuzugang Alexander Nübel auf die Bank zu setzen. Am Sonntag in Hoffenheim traf der Bayern-Cheftrainer eine andere Entscheidung: Ulreich reist mit, Nübel bleibt in München!

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"Wir sind mit Alex Nübel sehr, sehr zufrieden, wie er sich bei uns präsentiert", sagte Flick nach Abpfiff in Sinsheim. Um zu erklären, warum er sich für Ulreich entschieden habe, leitete der Erfolgstrainer seine Antwort mit den Worten ein: "Er kennt einfach unsere Philosophie." Zudem habe man aufgrund einer kurzen Vorbereitungszeit "wirklich wenige Trainingseinheiten gehabt".

Ist Nübel nur die Nummer drei?

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Nübel wechselt ablösefrei von Schalke nach München 

Bleibt Ulreich zumindest bis Winter, könnte das des Öfteren der Fall sein. Dass Flick Woche um Woche einen anderen Torwart mit auf die Bank setzt, wird nicht im Interesse des Trainers und der Torhüter sein.

Mit Nübel wurde in diesem Sommer ein Torwart-Talent ablösefrei aus Schalke verpflichtet, das in den kommenden Jahren Druck auf Neuer ausüben und ihn bestenfalls nach dessen Karriereende ersetzen soll. Um Spielpraxis zu bekommen, ließ sich der 17-malige U21-Nationaltorwart Einsätze sogar schriftlich garantieren.

Kapitän Manuel Neuer, für Flick die unangefochtene Nummer eins, ist allerdings in Weltklasse-Form und verlängerte seinen Vertrag bis 2023. Eine zeitnahe Wachablösung ist derzeit unvorstellbar.

Der neue Herausforderer weiß das, begibt sich bislang demütig in Lauerstellung. Aber dass er in Hoffenheim nicht einmal auf der Bank saß, stößt auf Seiten des Spielers und seines Managements auf Unverständnis. Ein Tribünen-Platz in München ist in der Entwicklung des 23-Jährigen nicht vorgesehen, weshalb die Nübel-Seite in den kommenden Tagen eine klärende Bayern-Antwort auf die Frage erwartet: Wie ist der wirkliche Plan mit Nübel?

Reichlich Interessenten für Nübel

Da Ulreich bleiben könnte und Nübel nur die Rolle als Nummer drei droht, ist nach SPORT1-Informationen sogar eine Blitz-Leihe noch bis zum Ende des Transferfensters am 5. Oktober möglich. Nach SPORT1-Informationen steht sie auch vereinsintern zur Diskussion. Interessenten soll es für ihn reichlich geben.

Nübel kaum da und schon wieder weg?

Eine direkte Ausleihe des Neuzugangs hatten die Bayern-Bosse öffentlich bislang ausgeschlossen. Die Nübel-Personalie ist vereinsintern aber längst zu einem Politikum geworden.

Ulreich ist nun das sprichwörtliche Zünglein an der Waage. Flick betonte in den vergangenen Monaten mehrfach seine Wertschätzung für den 32-Jährigen, lobte dessen Trainingseifer und Einstellung. Auch Neuer machte sich nach der Nübel-Verpflichtung öffentlich für den Ex-Stuttgarter stark.

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Bayern-Coach Flick stellt nach Leistung auf

Torwart-Trainer Toni Tapalovic, zugleich ein enger Freund und Vertrauter Neuers, sitzt zwischen den Stühlen. Er schätzt Ulreich, machte sich bei den Bayern aber auch für Nübels Transfer stark. Alle drei Torhüter verstehen sich untereinander und arbeiten professionell zusammen. Nübel hat bislang auch einen guten Eindruck bei vielen Bayern-Stars hinterlassen.

Flick stellte indes schon mehrfach unter Beweis, dass er nach Leistung nominiert und aufstellt und nicht nach Ablösesummen (Lucas Hernández) oder nachgesagtem Top-Talent (Michaël Cuisance). Weiterhin auf den sportlich unumstrittenen Ulreich zu setzen, statt ihm direkt Nübel vor die Nase zu setzen, stärkt ihn innerhalb der Kabine.

Was passiert jetzt mit Nübel?

Ulreichs Vereinssuche schwierig

Einsatzgarantien interessieren Flick nicht. Auch Neuer betonte mehrfach, dass am Ende immer der Trainer aufstellen werde.

Ulreich selbst hatte im Interview mit SPORT1 klar gestellt, dass er nicht die Nummer drei sein wolle, wenn Nübel kommt. Er werde sich aber dem Konkurrenzkampf stellen, sofern er kein passendes Angebot eines anderen Vereins erhält. Das tut er aktuell ohne Fehl und Tadel, weshalb ihn Flick mit nach Hoffenheim nahm.  

Ulreichs Vertrag läuft 2021 aus, eine Vertragsverlängerung steht aktuell nicht zur Debatte. Konkrete Angebote liegen für ihn derzeit aber auch nicht auf dem Tisch, wenngleich es in den vergangenen Wochen immer mal wieder Anfragen aus dem Ausland gab und sein Management auch mit Vereinen konkrete Gespräche geführt hat. Das passende Gesamtpaket war aber noch nicht dabei. Ulreich könnte den Bayern also mindestens bis zur Winterpause erhalten bleiben. Er strebt aber weiterhin einen Wechsel innerhalb der nächsten sieben Tage an.

Bliebe die Option, dass die Bayern proaktiv werden und Ulreich sogar einen Auflösungsvertrag anbieten, um in der T-Frage keine weitere Unruhe entstehen zu lassen. Ausgeschlossen ist auch diese Option nicht. Sportvorstand Hasan Salihamidzic soll sich zuletzt oft bei Ulreich-Berater Jürgen Schwab nach aktuellen Entwicklungen erkundigt haben. Ein Indiz dafür, dass seitens der Bayern ein Interesse an einem vorzeitigen Abschied des in der Mannschaft beliebten Torhüters besteht.

Beim Reservisten-Training am Montag standen Ulreich und Nübel zusammen auf dem Platz. Unwahrscheinlich, dass das in einer Woche auch der Fall sein wird.