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München - Karl-Heinz Rummenigge äußert sich ausführlich zur Triple-Saison des FC Bayern. Er nennt entscheidende Faktoren und blickt auf die Zukunft.

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Der FC Bayern hat mit dem Triple eine überaus erfolgreiche Saison hinter sich. Kein Wunder, dass Karl-Heinz Rummenigge deswegen sehr glücklich ist.

"Wir haben eine Saison gespielt, da wäre der Song 'Feels like Heaven' angebracht", sagte Rummenigge im vereinseigenen Mitglieder-Magazin 51: "Es war eine Saison wie geschnitten Brot, unglaublich."

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Seit Hansi Flick den Klub von Niko Kovac übernommen hat, "ist es eine einzige Erfolgsgeschichte".

Rummenigge bremst vor zu hohen Erwartungen

Auch in der kommenden Saison haben die Münchner hohe Ambitionen, Rummenigge bremst aber vor zu hohen Erwartungen.

"Ich werde jetzt nicht den Fehler machen und sagen: Wir müssen dieses Triple sofort wiederholen", meinte der Vorstandsvorsitzende, weiß aber: "Ich bin davon überzeugt, dass wir mit dieser Mannschaft weiter Erfolg haben werden."

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Joshua Kimmich sprach nach dem CL-Sieg von einem "Gefühl der Unschlagbarkeit". Rummenigge dazu: "Wenn man 30 Mal in Folge ohne Niederlage bleibt, sind so ein Satz und so ein Gefühl sicher nicht unberechtigt."

Rummenigge: FC Bayern steht bei "Eins plus" da

Doch der 64-Jährige warnt: "Zum Saisonstart werden alle Uhren wieder auf null gestellt sein. Wir dürfen bei aller Euphorie nicht vergessen, dass wir vor einer Saison stehen, die so viel Stress wie nie zuvor für die Spieler bedeutet."

Er wolle nicht auf die Euphoriebremse treten, sondern "nur nicht den Blick vor der Realität" verschließen. Ohnehin präge der FC Bayern seiner Meinung nach bereits seit mehreren Jahren eine Ära.

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Nachdem München zuletzt im UEFA-Klub-Ranking Real Madrid von Platz eins verdrängte, stehe der Rekordmeister bei "'Eins plus' da – aber das müssen wir immer wieder aufs Neue bestätigen".

Er wolle beim FC Bayern einen Satz nie hören, unterstrich der Vorstandschef: "Ich habe alles erreicht und muss nichts mehr beweisen."

Rummenigge: Fußball wird finanzielle Schmerzen erleiden

Trotz des erneuten Triumphs in der Champions League will er offenbar nicht davon abrücken, sich den Film zum bitteren Finale dahoam, als Bayern gegen den FC Chelsea verlor, im Sommer anzuschauen.

"Diese DVD wird nicht auf dem Wertstoffhof landen. Jetzt erst recht nicht. Nicht Siege machen dich stärker, sondern Niederlagen", meinte Rummenigge: "Wenn du eine Niederlage verarbeitet hast, bist du größer. Und dieses Finale anzuschauen, macht mich immer ein Stück demütig. Gerade nach einem Triple kommt es mir nur recht."

Seinen Vertrag bis zum 30. Dezember 2021 wolle er auf alle Fälle erfüllen. "Bei aller Triple-Euphorie muss ich leider klarstellen, dass auch wir vor einer wirtschaftlich sehr herausfordernden Saison stehen. Der ganze Fußball wird finanzielle Schmerzen erleiden", sagte Rummenigge.

Er wolle den "neuen Köpfen" Oliver Kahn, Hasan Salihamidzic und Herbert Hainer dabei "helfen, durch diese stürmischen Gewässer zu steuern".

Müller "verantwortlich" für das Triple

Ein entscheidendes Puzzleteil beim Triple 2020 war Thomas Müller, der sich nach einer schwierigen Zeit unter Niko Kovac eindrucksvoll zurückmeldete und erklärte, er sei "noch kein Fall für den Altglas-Container".

"Thomas ist nicht nur wegen seiner Spielweise enorm wichtig, sondern auch, weil er die Kollegen mitnimmt und steuert", sagte Rummenigge: "Man hat in diesen Spielen ohne Zuschauer gesehen und gehört, dass er ganz klar einer der Häuptlinge da unten ist, der anschiebt und der verantwortlich dafür ist, dass am Ende alle eine Medaille um den Hals hängen haben."

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Der 30-Jährige, der im Nationalteam trotz seiner starken Leistungen keine Chancen mehr hat, sei deswegen eher "ein edler Tropfen".

Auch Robert Lewandowski, "der beste Lewandowski aller Zeiten ist", stellte einmal mehr seine Klasse unter Beweis.

Was Rummenigge Flick sagte

Nach dem Finale umarmte Rummenigge lange Trainer Hansi Flick, der aus einer wankenden Mannschaft eine Einheit geformt hat. Er habe Flick nur ein Wort gesagt: "Danke".

Denn alle wüssten, "wer der Baumeister ist. Dieser Trainer spielt eine absolute Schlüsselrolle – dabei tritt er immer so bescheiden auf."

Über mögliches Interesse an Flick könne er nur schmunzeln.

"Solange der entsprechende Vertrag nicht ausläuft, liegt das Heft des Handelns bei uns. Und wer verlässt schon so einfach einen amtierenden Champions League-Sieger?", meinte Rummenigge: "Der FC Bayern ist eine sehr gute Adresse. Das wissen die Spieler auf der ganzen Welt."

Rummenigge: "FC Bayern von der Muse geküsst"

Nach den Triple-Gewinn war der Respekt vor dem FC Bayern in aller Welt groß - das war nicht immer so.

"Wir hatten ein polarisierendes Image. Aber momentan strahlt der ganze Klub vor Glück – und unsere Sympathiewerte sind so hoch wie noch nie", schilderte Rummenigge: "Diese Mannschaft repräsentiert den FC Bayern auf eine Weise wie im Grunde keine ihrer Vorgänger-Mannschaften zuvor – und die haben ihrerseits ja auch alle Geschichte geschrieben."

Er glaubt, "dass heute Blicke, wie wir sie früher nach Madrid oder Barcelona geworfen haben, auch umgekehrt nach München gehen."

Auch zukünftig soll der Klub die Massen begeistern. "Das muss das Ziel sein. Der FC Bayern ist von der Muse geküsst und in einem kontinuierlichen Erfolgslauf – seit über 50 Jahren schon", findet der Bayern-Boss.

Rummenigge äußert einen Wunsch

Anlässlich seines anstehenden 65. Geburtstags äußert Rummenigge einen Wunsch.

"Dass wir bald wieder im Stadion vor Zuschauern spielen dürfen. Es gibt Menschen, die sagen, das sei nötig, damit die Finanzen passen", sagte er: "Meine Sicht ist eine andere: Wir brauchen Emotionen und Atmosphäre. Darum geht es im Fußball, das ist Fußballkultur. Wir müssen jetzt den Be- und den Nachweis liefern, dass das möglich ist."

Bei der Champions League kann er sich vorstellen, dass das Turnierformat aus dieser Saison beibehalten wird.

"Der UEFA und uns allen hat dieses Turnierformat ausgesprochen gut gefallen; dieser Thrill war elektrisierend. Ich glaube, bei der UEFA hat es 'klick' gemacht", sagte Rummenigge.

Rummenigge gegen CL-Aufblähung

Bisher habe der Fußballverband nach dem Motto "Mehr Spiele bringen mehr Geld" agiert, doch "Jetzt wurde registriert: Wenn das Produkt top ist, kommt das Geld automatisch".

Das Final-Turnier sei dafür der Bewis gewesen: "Und da die TV-Quoten auch ausgezeichnet waren, haben wir zudem den Beleg, dass der Fußball in diesen schweren Zeiten entgegen mancher Unkenrufe weiterhin sehr lebendig ist."

Er warnte auch eindringlich vor einer Aufblähung der Champions League: "Ich war schon immer ein Freund der Qualität und nicht der Quantität. Mein Ansatz war immer: Das Produkt muss gut sein. Wenn es gut ist, wird es angenommen."

Reformen der Champions League seien ab "2024 möglich, weil dann neue Rechte verhandelt werden"