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München - Der Vertragspoker um David Alaba entwickelt sich mehr und mehr zu einer Schlammschlacht. Auch das Image des Bayern-Abwehrchefs leidet darunter.

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Der FC Bayern bezeichnet sich gerne als große Familie. Doch der Familienfrieden an der Säbener Straße ist empfindlich gestört. Das liegt vor allem an den Aussagen des langjährigen Patriarchen.

Die verbalen Giftpfeile, die Ehrenpräsident Uli Hoeneß im CHECK24 Doppelpass in Richtung Berater Pini Zahavi und George Alaba geschossen hat, haben auch David Alaba getroffen.

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"Ich wünsche mir, dass meine vertragliche Situation nicht in der Öffentlichkeit geklärt wird. Daher haben mich ein paar Aussagen und Berichte der letzten Wochen verwundert und durchaus auch verletzt", sagte Alaba der Bild. "Viele Dinge, die im Moment geschrieben und gesagt werden, stimmen einfach nicht und entsprechen nicht der Wahrheit."

Seit Monaten ziehen sich die Vertragsgespräche zwischen den Bayern und Alaba, eine Einigung ist aktuell nicht in Sicht. Und jetzt hängt auch noch der Haussegen schief.

Alabas Image als Fanliebling bekommt Kratzer

"In einer Familie ist man durchaus mal anderer Meinung, man streitet sich vielleicht auch, aber es bleibt immer innerhalb der Familie", erklärte Alaba nun. "Das werde ich auch weiter beherzigen."

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Lange hatte sich der 28-Jährige in der Debatte um seine Zukunft zurückgehalten. Auf Instagram postete Alaba zuletzt nur ein Bild, wie er ganz entspannt, auf einem Klappstuhl sitzend, den Sonntag genießt. Unverfänglicher Social-Media-Content. Doch die Kommentare seiner Follower wiesen mehrheitlich eine klare Tendenz auf.

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Viele User werfen dem Österreicher Geldgier vor. Auch ein Abgang des langjährigen Leistungsträgers scheint für viele Bayern-Anhänger mittlerweile verkraftbar.

Dabei hat sich Alaba gerade in der abgelaufenen Triple-Saison zum absoluten Leader entwickelt. Trainer Hansi Flick beförderte den langjährigen Linksverteidiger zum Abwehrchef. "Er hat in den letzten Monaten richtig starke Leistungen gebracht und ist zu einem Führungsspieler geworden. Es ist wichtig, dass wir Spieler haben, die die Mannschaft prägen und auf dem Platz lautstarke Kommandos geben. Da ist er mit dabei", betonte Flick im SPORT1-Interview im August.

Seit zwölf Jahren trägt Alaba - mit Ausnahme einer einjährigen Leihe zur TSG Hoffenheim - das Bayern-Trikot, "und das habe ich jeden einzelnen Tag mit Hingabe, Stolz und Leidenschaft getan und tue das auch immer noch", bekräftigte Alaba. "Dieser Klub ist für mich nicht irgendein Verein, er ist Zuhause, Familie und Heimat."

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Doch das Image des Fanlieblings hat spätestens nach der von Hoeneß neu entfachten Schlammschlacht offenbar Kratzer bekommen.

Zahavi und Alaba schießen gegen Hoeneß zurück

Nachdem Hoeneß Alabas Berater Pini Zahavi am Sonntag auf SPORT1 als "geldgierigen Piranha" bezeichnet hatte, konterten nun der Israeli und Alabas Vater George.

"Ich habe nicht damit gerechnet, dass der FC Bayern jetzt in der Öffentlichkeit schmutzige Lügen über Gehalts- und Provisionsforderungen streut", sagte George Alaba bei Sky. "Zu behaupten, dass wir wegen einer solchen Zahlung bei Vertragsunterschrift nicht zu einer Einigung kommen, ist eine von diesen dreckigen Anschuldigungen."

Laut Zahavi habe er "zu keinem Zeitpunkt detailliert über eine etwaige Provisionszahlung mit den Bayern-Verantwortlichen gesprochen".

In die stockenden Vertragsgespräche war - wie SPORT1 berichtete - am Rande des Champions-League-Turniers in Lissabon Bewegung gekommen, als Zahavi einen Tag vor der 8:2-Gala gegen den FC Barcelona zu Gesprächen ins Bayern-Teamhotel gereist war.

Hoeneß: "Was der Berater für einen Schmarrn erzählt"

Dabei soll auch das Thema Provisionszahlungen erstmals auf den Tisch gekommen sein. "Dort fragte mich Hasan Salihamidzic (FCB-Sportvorstand, Anm.d.Red.), wie ich mir das vorstellen würde", erklärte Zahavi. "Ich sagte ihm, dass wir zunächst an einer Einigung mit dem Spieler arbeiten sollten, ich aber nicht mehr als das Übliche fordern werde."

Hoeneß wurde am Sonntag in Richtung des berüchtigten 77-Jährigen, der auch die Interessen von Robert Lewandowski vertritt, deutlich.

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"Was der Berater für einen Schmarrn erzählt, ist Wahnsinn", echauffierte sich Hoeneß im Doppelpass. "Wenn ihr wüsstet, was Herr Zahavi allein für die Unterschrift von David im zweistelligen Millionenbereich für sich verlangt, das ist überhaupt nicht möglich. Er hat erzählt, nach Corona wird der Fußball viel besser sein. Der wird sich noch wundern. Ich verstehe, dass Hasan bei einem Treffen völlig ausgetickt ist."

Bayern will Identifikationsfigur Alaba halten

Alaba gilt als bislang letzter Spieler, der den Sprung aus dem Bayern-Nachwuchs zu den Profis geschafft und sich dort dauerhaft etabliert hat. Auch deshalb wollen die Bayern die Identifikationsfigur gerne halten.

Das bekräftigte auch Hoeneß. "Alle wollen, dass er bei uns bleibt, er ist ein super Spieler", schwärmte der langjährige Bayern-Präsident. "Ich hoffe, dass David und sein Vater begreifen, dass ein Vier- oder Fünfjahresvertrag beim FC Bayern für sie das Beste ist und sie sich in unsere Gehaltsstruktur einordnen. Dann wären alle glücklich. Die letzten Millionen, um die es geht, machen ihn nicht glücklicher, würden bei uns aber die Gehaltsstruktur durcheinanderbringen."

Komplizierter Vertragspoker

Bis 2021 läuft Alabas aktuelles Arbeitspapier. Während die Spieler-Seite angeblich einen Fünfjahresvertrag mit einem Jahresgehalt von 25 Millionen Euro fordern soll, boten die Bayern dem Abwehrboss zunächst einen neuen Kontrakt mit vier Jahren Laufzeit und 7,5 Millionen Euro netto jährlich. Laut Bild soll der Klub etwas nachgebessert haben und nun elf Millionen Euro jährlich plus sechs Millionen Euro Bonuszahlungen offerieren.

Die Vorstellungen der beiden Parteien liegen also noch weit auseinander. Und sie liegen auf einem Niveau, das in Zeiten von Gehaltsverzicht und Kurzarbeit bei vielen Fans nur bedingt für Verständnis sorgt.

Alaba wünscht sich jedenfalls "sehr, dass wir zeitnah eine Lösung finden, damit der Klub, die Verantwortlichen, meine Mitspieler, aber auch die Fans wissen, woran sie sind".

Laut Hoeneß lasse sich Alabas Vater, der lange Zeit als Berater seines Sohnes fungierte, in dem eskalierenden Vertragspoker von Zahavi "sehr beeinflussen".

Hoeneß hofft daher, dass "David am Ende der ist, der sich durchsetzt". Doch die Frage bleibt so oder so: Zu welchem Preis?