Die Fan-Rückkehr ist Geschenk und Verantwortung zugleich, findet SPORT1-Chefredakteur Pit Gottschalk
Die Fan-Rückkehr ist Geschenk und Verantwortung zugleich, findet SPORT1-Chefredakteur Pit Gottschalk © SPORT1-Grafik: Imago/SPORT1
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Deutschland sollte die Rückkehr der Fans in die Fußballstadien als das sehen, was es ist: ein Geschenk, das wir uns selbst erarbeitet haben. Und keine Selbstverständlichkeit.

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Es ist ein guter Kompromiss, den die Politik für die Bundesliga gefunden hat.

Wenn jeder fünfte Sitzplatz im Stadion wieder besetzt werden darf, ist das Signal deutlich genug, dass in der Coronakrise eine Wende eingetreten ist. Gleichzeitig reicht ein Blick auf die vielen Sitzplätze, die leer bleiben, um ebenfalls festzustellen: Von der Normalität sind wir in Deutschland noch immer meilenweit entfernt.

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Für ein stures Festhalten an dem, was Virologen und Berufspessimisten aus Angst vor einer zweiten Welle vorschlagen, nämlich an Geisterspielen ohne Ausnahmen, fehlt die notwendige Zustimmung.

Wenn bei Erstliga-Spielen in Sachsen 8500 Zuschauer zugelassen sind, kann man die Zuschauerzahl in Bayern kaum auf Null halten. Nirgendwo Zuschauer zu erlauben, ist schwer vermittelbar. Dafür ist die Zahl der Neuinfektionen im Osten zu niedrig.

Darum tut der Profifußball jetzt, was er schon im Frühsommer erfolgreich getan hat: Er tastet sich schrittweise an die alte Realität heran und schaut, was möglich ist.

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Natürlich birgt das Vorgehen die Gefahr, dass ein Superspreader die scheinbar heile Welt in den Stadien zum Einsturz bringt. Aber eben auch das Gegenteil: die Chance, dass man mit 20 Prozent Stadionauslastung die Disziplin und die Geduld testet, irgendwann auf 40 Prozent hochzufahren.

Die Fußball-Bundesliga wird sich das Experiment leisten können. Bei den Sportarten, die abhängiger von ihren Stadioneinnahmen sind (Eishockey, Handball und Basketball zum Beispiel), ist die Situation heikler. 20 Prozent Stadionauslastung wird womöglich nicht reichen, um den Spielbetrieb finanzieren zu können. Hier wären Überlegungen für eine Querfinanzierung durch den Fußball angebracht. Ist der Gedanke zu gewagt?

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Es ist nicht damit getan, die Rückkehr der Fans in die Stadien als eine Art Stabilisierung des bekannten Geschäftsmodells anzusehen. Aus gutem Grund (Vorsicht vor Tempo) wollten Kanzlerin und Ministerpräsidentinnen sowie Ministerpräsidenten bis Ende Oktober warten, ob sie Zuschauer zulassen können.

Dass die Erlaubnis sechs Wochen früher als erwartet kam, ist ein Geschenk. Und zugleich eine Verpflichtung, nicht in die alten Egoismen zu verfallen.

Wer in der Coronakrise Gehaltserhöhungen in Millionenhöhe erwägt und für ein bisschen mehr Zuschauerzuspruch Verständnis in der Gesellschaft erwartet, darf seine Solidarität auf darbende Sportarten gerne ausweiten. Das Signal an die Gesellschaft könnte nicht besser scheinen: Profifußball ist viel, aber eben nicht alles. Fatal wäre es, wenn man den Eindruck gewinnen würde: Bei den 20 Prozent Stadionauslastung ginge es allein um Geld.