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München - Werder Bremen startet nach dem Horrorjahr demütig in die neue Saison. Ein Neuzugang aus England und Lehren aus dem Fast-Abstieg sollen helfen.

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Eins lässt sich bereits nach den ersten Trainingswochen bei Werder Bremen erkennen: Die Mannschaft von Florian Kohfeldt lebt.

Bestes Beispiel waren die Einheiten am Dienstag: Leonardo Bittencourt und Yuya Osaka gerieten aneinander, Davie Selke und Ömer Toprak brüllten sich an.

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"Ich fand es total geil gestern, das war ein richtig gutes Training. So etwas will man haben", sagte Kohfeldt, der sich wenige Tage zuvor selbst Niclas Füllkrug vorgeknöpft hatte, daraufhin laut deichstube.

Sein generell Fazit des Trainingscamps: "Wenn wir diese Schärfe beibehalten, dann ist das die wichtigste Lehre aus der Vorsaison."

Friedl und Bittencourt wollen aus Vorsaison lernen

In dieser musste Werder, mit dem Ziel Europa in die Saison gestartet, bis zur Relegation zittern, ehe der Klassenerhalt feststand.

Danach sei der Mannschaft " ein Stein vom Herzen gefallen", sagte Marco Friedl im Gespräch mit SPORT1: "Wir gehen ruhiger und entspannter in die neue Saison."

Der Linksverteidiger weiß: "Wir haben das Potenzial, es besser zu machen. Wir werden es besser machen." Wie gut, hänge davon ab, "wie die Kader-Zusammensetzung ist".

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Die genauen Ziele werden intern noch besprochen, "auf keinen Fall" soll es eine Saison wie im Vorjahr geben. Dabei soll helfen, dass das Team nun wisse, "dass man in extremen Drucksituationen bestehen kann", meinte der frühere Bayern-Profi, dessen persönliches Ziel ein Stammplatz ist.

Ähnlich sieht es auch Leonardo Bittencourt. "So eine Saison, in der man so durch den Dreck geht, lässt einen natürlich enger zusammenrücken und zeigt, dass es nur zusammen geht", sagte der Mittelfeldspieler, dessen Kaufoption wie bei Innenverteidiger Ömer Toprak nach dem Klassenerhalt griff, im Instagram-Format Split It! von SPORT1.

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Kohfeldt "hört ein bisschen besser auf die Jungs"

Eine entscheidende Rolle kommt bei der Werder-Mission erneut Kohfeldt zu, dem nach der Saison von den Bossen das Vertrauen ausgesprochen wurde.

"Er ist voller Tatendrang und seit dem ersten Tag mit 100 Prozent dabei. Er will uns besser machen", verriet Friedl.

Bittencourt sprach von einem Lernprozess bei Kohfeldt und äußerte leichte Kritik: "Auch der Trainer hat gemerkt, wie schwer es ist mit vielen Verletzten. Jetzt machen wir in der Vorbereitung einige Sachen anders und hört ein bisschen besser auf die Jungs."

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Die schwierige letzte Saison habe Team und Trainer aber zusammengeschweißt.

Chong kam - Rashica bleibt (vorerst)

Dabei mithelfen, dass die Saison weniger stressig verläuft als die vergangene, soll Tahith Chong. Der niederländische Stürmer kam von Manchester United an die Weser, wo er als Leihspieler ein Jahr unter Vertrag steht.

Chong ist neben Oscar Schönfelder (Linksaußen, Mainz/19), Johan Mina (Offensives Mittelfeld, Emelec, Ecuador/18), Patrick Erras (Defensives Mittelfeld, Nürnberg/25) und Felix Agu (Linksverteidiger, Osnabrück/20) einer von bisher fünf Neuzugängen.

Bittencourt beschreibt ihn als "sehr ruhig, aber auch sehr selbstbewusst." Der 20-Jährige sei "ein guter Junge, der sich gut integriert. Wir versuchen, ihm da schnell zu helfen und ich glaube, dass er uns mit seinen Qualitäten sehr guttut."

Ursprünglich war Chong als möglicher Ersatz für Milot Rashica vorgesehen. Der Abgang des Offensivspielers schien lange Zeit beschlossene Sache. Doch eine Einigung mit RB Leipzig ist aktuell nicht in Sicht, Kohfeldt scheint einen Transfer für diesen Sommer fast abgehakt zu haben.

Ein Verkauf wäre "eine gute Gelegenheit gewesen, eine sehr, sehr gute Ablösesumme auch innerhalb der Coronazeit zu generieren." Doch "wenn das alles nicht zusammenpasst, dann ist Milot nicht unglücklich, bei uns zu bleiben. Und ich bin es auch nicht", erklärte Kohfeldt, der nun vorerst mit Rashica plant.

Der Kosovare reiste mit ins Trainingslager im Zillertal, wo er in einen Test wegen Kreislaufbeschwerden früh ausgewechselt werden musste.

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Abstiegskampf oder Europa-Angriff?

"Es wäre sehr gut, wenn Milot bleibt und wir so viel Konkurrenzkampf haben, dass wir am Ende davon als Mannschaft profitieren", sagte Bittencourt, der je nach System mit Rashica und Chong um einen Platz kämpfen könnte.  

"Das macht mich besser, das macht die Jungs besser und am Ende auch die Mannschaft besser", sagte der 26-Jährige.

Verlassen haben den Klub Routiniers wie Fin Bartels, Claudio Pizarro und Philipp Bargfrede, geblieben sind neben Rashica bisher auch Davy Klaassen, Ludwig Augustinsson, Jiri Pavlenka (geht als Nummer eins in die Saison) oder Maximilian Eggestein, um die es Gerüchte um einen Abgang gab.

"Aktuell gehe ich davon aus, dass wir mit dem Kader in die Saison gehen, der hier ist", sagte Kohfeldt, der sich noch einen dynamischen Sechser wünscht.

Doch was ist mit diesem Kader möglich - Abstiegskampf oder der verspätete Angriff auf Europa? Viel wird von der Gesundheit der Profis abhängen.

Bittencourt stellt klar: "Wir wollen zeigen, dass das letzte Jahr zwar passieren kann, aber nicht noch mal passieren darf."