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München - Beim FC Bayern sind nach dem Triple-Gewinn noch einige Personalfragen offen. SPORT1 gibt einen Überblick über den Stand der Dinge.

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Während sich die Triple-Helden des FC Bayern aktuell noch im wohlverdienten Urlaub befinden, laufen im Hintergrund die Personalplanungen für die kommende Saison.

Noch sind einige Fragen offen. Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge kündigte hinsichtlich einer Personalie jetzt Bewegung an.

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"Bei Thiago sieht es so aus, dass er uns verlassen möchte. Wir rechnen in diesen Tagen mit einem Angebot", sagte Rummenigge der Welt am Sonntag. Der Weg des 29 Jahre alten Mittelfeldstrategen führt wohl zum FC Liverpool. Die Bayern sollen angeblich 30 Millionen Euro Ablöse fordern. Nach SPORT1-Informationen ist sich der Spanier mit den Reds bereits einig. 

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Thiagos Abgang wäre wohl nicht der einzige in diesem Sommer. SPORT1 gibt einen Überblick über den Stand der Dinge in Bayerns Kader-Puzzle:

Tor:

Manuel Neuer ist als Stammkeeper unumstritten und gesetzt. Mit Alexander Nübel, der ablösefrei vom FC Schalke 04 kam, hat der Nationaltorhüter einen neuen Herausforderer bekommen. Nübel wird sich aber zunächst hinten anstellen müssen. Eine Leihe, um dem 23-Jährigen regelmäßige Spielpraxis zu ermöglichen, ist laut Rummenigge "ausgeschlossen".

Dahinter könnte Neuers langjähriger Stellvertreter Sven Ulreich seinen Platz noch räumen. Im Juni kündigte der frühere VfB-Keeper bei SPORT1 bereits an, nicht die Nummer drei sein zu wollen und sich nach Möglichkeit einen neuen Verein zu suchen. Komplettiert wird Bayerns Torhütertrio in der kommenden von Ron-Thorben Hoffmann. Christian Früchtl hat sich für ein Jahr nach Nürnberg verleihen lassen. 

Abwehr:

David Alaba ist in seiner Rolle als Abwehrchef fest eingeplant. In den Verhandlungen um einen neuen Vertrag kam es am Rande des Champions-League-Turniers in Lissabon zu einem Treffen zwischen Alabas Berater Pini Zahavi und den Bayern-Verantwortlichen. Das Ergebnis: Beide Seiten wollen nach SPORT1-Information den 2021 auslaufenden Vertrag langfristig verlängern. Also auch Alaba.

Unterschrieben ist der neue Deal allerdings noch nicht. Vor allem in der Gehaltsfrage muss man sich noch einigen. 

Rummenigge sagte nun: "Es wäre sehr schade, wenn wir zu keiner Einigung kommen würden. David ist zwölf Jahre bei uns und passt wie die Faust aufs Auge zum FC Bayern."

An Alabas Seite hatte auch der unter Hansi Flick wiedererstarkte Jérôme Boateng großen Anteil am Triple. In der Vergangenheit dachte der 31-Jährige häufiger an einen Abschied, doch nun kann er sich offenbar auch einen Verbleib vorstellen.

"Gespräche über meinen Vertrag hinaus gab es noch nicht. Für mich ist aber klar, dass ich gerne den Weg unter Hansi Flick weiter gehen werde. Meine Familie und ich fühlen uns in München sehr wohl", sagte er kürzlich der Bild am Sonntag.

Bei Boateng muss man abwarten, erklärte Rummenigge jetzt: "Grundsätzlich gefällt mir seine Entwicklung. Unter Hansi ist er absolut wieder ein FC-Bayern-Spieler geworden."

Zwei mögliche Optionen: Boateng bleibt bis zum Vertragsende in München und wechselt kommenden Sommer ablösefrei. Oder es findet sich bereits bis zum 1. Oktober ein passender Abnehmer für den Weltmeister von 2014. 

Dahinter will Niklas Süle nach überstandenem Kreuzbandriss wieder voll angreifen. Als Backup stünde Super-Talent Tanguy Nianzou bereit, der von Paris Saint-Germain kam. Flick traut dem 18-Jährigen auch eine entscheidende Rolle im defensiven Mittelfeld zu. 

85-Millionen-Mann Lucas Hernández, der in seiner ersten Saison enttäuscht hat, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit bleiben. In der Innenverteidigung ist der Linksfuß aber vorerst der Backup für Alaba und links hinten für Alphonso Davies.

Auf der Rechtsverteidigerposition herrscht hingegen noch Bedarf. "Das ist der Wunsch des Trainers. Er möchte ein Backup für Benjamin Pavard", erklärte Rummenigge. Der von Real Madrid ausgeliehene Álvaro Odriozola hinterließ keinen bleibenden Eindruck und kehrt nach Madrid zurück.

Zuletzt gab es immer wieder Gerüchte um Sergino Dest (Ajax Amsterdam), über dessen Bayern-Qualifikation es vereinsintern jedoch unterschiedliche Meinungen gibt, sowie Dodo (Schachtjor Donezk) oder Max Aarons (Norwich City). 

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Mittelfeld:

Thiagos nahender Abschied würde eine Lücke hinterlassen, die es zu schließen gilt. "Wenn es so kommt, ist es ein Abgang, der schon etwas schmerzt", sagte Rummenigge, der gleichzeitig weiterhin fest mit Corentin Tolisso plant. "Er bleibt. Er ist sehr glücklich und möchte bei uns weitermachen", sagte Rummenigge der Tuttosport.

Bei Javi Martínez stehen die Zeichen indes auf Abschied. "Sein Vertrag gilt noch ein Jahr, und wir haben ihm zu verstehen gegeben, dass wir ihm keine Steine in den Weg legen", sagte Rummenigge.

Für das zentrale Mittelfeld wird daher noch nach einem Backup für Joshua Kimmich und Leon Goretzka gesucht. In italienischen Medien wurde zuletzt Marcelo Brozovic als heißer Kandidat gehandelt. "Kein Kommentar", sagte Rummenigge dazu der Tuttosport und ließ Raum für Spekulationen. Die Ablöse für den Kroaten, dessen Marktwert laut transfermarkt.de bei 50 Millionen Euro liegt, könnte zum Knackpunkt werden.

Angriff:

Mit Leroy Sané, der für 45 Millionen Euro von Manchester City kam, haben die Bayern in diesem Jahr ihren Königstransfer getätigt. Der Nationalspieler ist in der Offensive flexibel einsetzbar und erweitert Flicks Möglichkeiten.

Primär ist der deutsche Nationalspieler allerdings für die linke Seite eingeplant. Mit CL-Finalheld Kingsley Coman und Serge Gnabry auf den Flügeln, sowie Thomas Müller im Zentrum hinter Robert Lewandowski waren die Bayern bislang schon herausragend besetzt, nun dürften Flick einige knifflige Entscheidungen bevorstehen.

Für den Flügel hat sich Inter-Leihgabe Ivan Perisic zudem für eine Weiterbeschäftigung empfohlen. "Wir haben noch keine Entscheidung getroffen. In Corona-Zeiten müssen wir bewerten, wie wir uns auf dem Transfermarkt verhalten. Es ist noch Zeit für Perisic, ich stehe in Kontakt mit meinem Freund Marotta (Giuseppe Marotta, Manager von Inter Mailand, Anm. d. Red.)", informierte Rummenigge über den aktuellen Stand.

Und vorne ist der Status von Robert Lewandowski, dem frisch gekürten Fußballer des Jahres, unangefochten. In der vergangenen Saison konnte Joshua Zirkzee mit vielversprechenden Kurzeinsätzen punkten, doch am Polen führt auch in naher Zukunft kein Weg vorbei, das weiß auch Rummenigge: "Ich sehe Lewandowski auch noch lange auf dem Platz, auch aus diesem Grund suchen wir keinen Nachfolger."