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München - Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Finanzvorstand Thomas Treß haben die Bilanz von Borussia Dortmund vorgestellt - die Pressekonferenz zum Nachlesen.

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Wie stark wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Finanzen des BVB aus?

Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat am Montag in einer Bilanzpressekonferenz der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA über den Stand informiert.

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Gemeinsam mit Finanzvorstand Thomas Treß präsentierte Watzke die vorläufigen Zahlen des Geschäftsjahres 2019/2020.

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SPORT1 hat die Pressekonferenz des BVB aus Dortmund zum Nachlesen:

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+++ Watzke: Entwöhnung der Fans eine Gefahr +++

"Die Gefahr ist natürlich: Wenn du zu lange Entwöhnung der Menschen vom Fußball hast, dann schlägt das auch aufs Interesse durch. Wobei: Das sehe ich noch nicht unbedingt. Wenn die Öffentlich-Rechtlichen sagen, sie hätten weniger Einschaltquote, sollen wir mal überlegen, ob es nicht daran liegt, dass sie den Fußball seit einem Jahr in jeder Talkshow schlechtreden. Denn ich sehe bei Sky nicht diese Tendenz der rückläufigen Quoten. Das Interesse am Fußball ist nach wie vor groß."

+++ Nicht "um jeden Preis einen Transfer machen" +++

Watzke spielt auf den nicht stattgefundenen Transfer von Jadon Sancho an: "Wir waren nicht in der Situation, um jeden Preis einen Transfer zu machen. Das haben ja auch Klubs gemerkt."

+++ Einbruch des Transfermarkts +++

In den drei Monaten der Coronakrise "haben wir sicher 25 Millionen Euro verloren", erklärt Treß.

"Unser Geschäftsmodell impliziert, dass wir über Transfers unseren Kader gegenfinanzieren. Das tun wir, weil unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit nicht anders darstellbar ist", ergänzt Treß. "Und wenn im vierten Quartal der Transfermarkt komplett einbricht und erwartete oder geplante Transfers nicht stattfinden oder nur zu deutlich anderen Konditionen", erklärt Treß, sehe man, dass nicht nur Spielbetrieb oder Merchandising Einfluss haben.

+++ Watzke: "Globaler Wettbewerb" +++

"Wir, gerade die Spitzenmannschaften in Deutschland, stehen in einem globalen Wettbewerb und kriegen von euch auf die Nuss, wenn wir international nicht performen. Dann sagt keiner 'Mein Gott, ihr habt 20 Millionen eingespart', sondern 'Mein Gott, was seid ihr Flaschen', und das ist im Fußball immer der eigentliche Widerspruch."

+++ "Gehälter in Einlang bringen mit Einnahmen" +++

"Ich glaube schon, dass die Gehälter in den nächsten Jahren sinken werden, was ich persönlich gut finde", führt Watzke aus: "Aber was die die Gehaltssumme angeht, ist es wichtiger, dass du das wieder in Einklang bringst mit deinen Einnahmen. Das ist natürlich unser ziel, sobald wir wieder Normalität haben. Das ist für mich das entscheidende Kriterium: dass du nicht mehr ausgibst, als du einnimmst."

+++ Die Gehaltsfrage +++

"Für den Normalverdiener erscheint alles, was in der Bundesliga gezahlt wird, sowieso jenseits von Gute und Böse", sagt Watzke: "Aber wir stehen in einem globalen Wettbewerb und wir müssen sagen: Wenn sich jetzt alle freuen, dass wir zwei Mannschaften im Halbfinale haben, dann ist das aber auch neben erstklassiger Arbeit auch entstanden, dass man in diesen beiden Klubs in der Lage ist, entsprechende Gehälter zu zahlen. In München noch mehr als in Leipzig."

+++ Liquidität erhöht +++

"Wir haben uns viel besorgt. Das ist auch nötig gewesen. Sie können sich vorstellen, was nötig ist, um entsprechend vorsorge zu treffen", sagt Watzke, ohne auf Details einzugehen: "Da sind keine staatlichen Hilfen dabei."

+++ Watzke über Bedeutung von Zuschauer-Rückkehr: +++

"Je später wir zu einem ausverkauften Haus kommen, desto schlechter wird das Ergebnis. Das wäre nicht existenzgefährdend, ist aber nicht das, was wir wollen. Fußball ist ohne Fans nur extrem schwer vorstellbar. So lange müssen wir durchhalten, wenn es nicht noch über Jahre geht."

+++ Eigenkapitalverlust von rund 50 Millionen Euro +++

Die Bruttokonzerngesamtleistung belief sich 2019/2020 auf 486,9 Millionen Euro, was nur leicht unter dem Vorjahr liegt (489,5 Mio.). Auch die Konzernumsatzerlöse blieben nahezu konstant (370,2 Mio.).

Allerdings war das Konzernergebnis, wie bereits angesprochen, ein Minusbetrag von rund 44 Millionen Euro - im Vorjahr stand hier ein Überschuss von 17,4 Millionen Euro.

Beim Überblick der Konzernkennzahlen wird klar, dass der BVB beim Eigenkapital rund 50 Millionen Euro verloren hat. Treß: "Das Eigenkapital hat um 49,5 Millionen Euro abgenommen, beträgt aber immer noch 305 Millionen Euro."

© BVB-TV

+++ Konzernwachstum durch Umsatzrückgänge eingebüßt +++

Treß referiert, was die Ad-hoc-Meldung der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA vermeldet: Die Erlös- und Ergebnislage war ab Mitte März "wesentlich durch die in Folge der Covid-19-Pandemie geltenden starken Einschränkungen des öffentlichen Lebens und der damit einhergehenden massiven Auswirkungen auf die Wirtschaft geprägt", heißt es in der BVB-Börsenmitteilung.

Dabei sei das Konzernwachstum der ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2019/2020 (6,3 Prozent) vollständig eingebüßt worden - durch Umsatzrückgänge von über 25 Prozent in den letzten drei Monaten des Geschäftsjahres.

+++ So setzen sich die fehlenden 43,9 Millionen zusammen +++

Die Zusammensetzung des Konzernjahresfehlbetrag von 43,9 Millionen Euro wird vorgestellt.

© BVB-TV

+++ Dank an Sponsoren +++ 

Der Finanzvorstand sendet einen Dank: "Viele Sponsoren haben auf Rückerstattungen verzichtet. Vielen Dank dafür."

+++ Treß stellt Transfergeschäft dar +++

Bei den Transfers beläuft sich das Ergebnis auf 40,2 Millionen Euro, im Vorjahr waren es noch 82,9 Millionen Euro. "Der Transfermarkt ist wegen Covid19 komplett zuzusammengebrochen", stellt Treß klar.

© BVB-TV

+++ Treß: Keine Dividenden-Ausschüttung +++

Schlechte Nachrichten für Aktionäre: "Wir haben vorgeschlagen, keine Dividende auszuschütten für das Geschäftsjahr", sagt der Finanzvorstand.

+++ Finanzvorstand übernimmt +++

Nun spricht Finanzvorstand Thomas Treß und stellt unter anderem die Konzernumsatzerlöse vor. Eine Grafik fasst die Werte anschaulich zusammen:

Der BVB stellt die Konzernumsatzerlöse vor
Der BVB stellt die Konzernumsatzerlöse vor © BVB-TV

+++ Fingerzeig aus den Testspielen? +++

"Eine nicht ganz so junge Mannschaft nimmt nach einem 4:1 vielleicht den Gang raus. Aber man hatte das Gefühl, dass wir sehr gierig sind."

+++ Kein offizielles Saisonziel +++

"Zum Saisonziel brauch ich nix sagen - wir gaben kein offizielles raus. Wir wollen dieses Medienspiel nicht mitmachen", stellt Watzke klar: "Aber ich kann ihnen versuchen, dass wir sehr ambitioniert sind."

+++ Bisherige Transfers - kommende Transfers +++

"Wir haben Achraf Hakimi verloren, dafür Thomas Meunier ablösefrei dazubekommen. Wir haben Jude Bellingham bekommen, womöglich kommt noch ein Spieler hinzu", sagt Watzke: "Von daher glaube ich, dass wir einen guten Mix haben. Die Tendenz liegt auf hochbegabt und jung, aber wir fühlen uns durchaus gerüstet."

+++ Watzke kommt zum Sportlichen +++

"Wir hätten letztes Jahr in den Pokalwettbewerben gerne mehr generiert", sagt Watzke und geht für die kommende Saison von harter Konkurrenz aus: "Womöglich ist das die beste Mannschaft, die jemals bei Bayern München gespielt hat. Von daher hatte unser 0:1 bei Bayern München ja fast schon solitären Charakter. Aber auch Leipzig Gladbach, Leverkusen - das sind alles Mannschaften, die auch in der kommenden Saison eine gute Rolle spielen werden."

+++ Keine Sorge um den BVB +++

Watzke prognostiziert: "Es ist uns gelungen, ein so hohes Maß an Liquidität zu generieren, dass wir diese Pandemie-Situation sehr, sehr lange durchhalten würden." Der BVB-Boss meint: "weit über diese Saison hinaus".

+++ Watzke hofft auf Zuschauerrückkehr +++

"Ich glaube, wenn sich die Situation stabil darstellt, dann glaube ich, dass eine gewisse Zuschauerzahl, unter den vorherrschenden Konzepten, durchaus vertretbar ist. Ich sage aber gleichzeitig: Die sollte nicht zu hoch sein. Ich würde Zuschauerzahlen im fünfstelligen Bereich nicht für angemessen halten. Aber im einstelligen Tausenderbereich, zwischen 5000 und 8000 Zuschauern, in Abhängigkeit von der Stadiongröße ..."

+++ Watzke: Große Klubs stärker von Zuschauerausfall betroffen +++

"Schwarze Zahlen schreiben wir erst wieder, wenn wir keine Restriktionen bei den Zuschauern mehr haben, das ist ja klar", stellt Watzke klar und holt zu den Hintergründen aus: "Gegen die landläufige Meinung ist es so: Die großen Klubs sind stärker betroffen, weil die großen Klubs in viel geringerem Maße vom Fernsehgeld abhängig sind. Bei den großen Stadien fällt am meisten weg."

+++ Fehlbetrag: 43,9 Millionen Euro +++

Watzke zieht Bilanz: "Wir haben erstmalig einen Fehlbetrag 43,9 Millionen Euro. Das ist keine Überraschung, da wir ja rechtzeitig 45 prophezeit hatten, nun ist es etwas weniger geworden."

+++ Los geht's! +++

Watzke richtet zu Beginn Glückwünsche an den FC Bayern und RB Leipzig. "Das Halbfinale der Champions League zu erreichen, ist allemal einen Glückwunsch wert. Und ich denke mal, die Bayern haben noch eine ganze Menge mehr vor in diesem Turnier. Aber ich glaube auch, dass Leipzig definitiv nicht chancenlos ist. Vielleicht kriegen wir dann wieder ein deutsches Finale."

Der BVB-Boss warnt zwar davor, diesen Erfolg zu überhöhen, aber: "Fakt ist eins: Der deutsche Fußball ist längst nicht so problematisch aufgestellt, wie uns das Leute weismachen wollen. Speziell die Engländer haben gemerkt, dass die Deutschen im Kommen sind. Das ist eine sehr, sehr gute Geschichte."

+++ Bilanzpressekonferenz: Beginn um 12 Uhr +++

Die Bilanzpressekonferenz der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA mit Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Finanzvorstand Thomas Treß soll um 12 Uhr beginnen.