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München - Der Vertrag von Fabian Johnson bei Borussia Mönchengladbach wurde nicht verlängert. Bei SPORT1 spricht er über seine Ex-Chefs und einen Vergleich mit dem BVB.

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Fabian Johnson hat momentan viel Zeit für die Familie.

Nach der alten Saison wurde sein Vertrag bei Borussia Mönchengladbach nach sechs Jahren nicht verlängert. Doch Johnson nimmt es sportlich.

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Der 32-Jährige, der in seiner Karriere auch noch für 1860 München, den VfL Wolfsburg und die TSG Hoffenheim spielte, will seine Fußballschuhe noch nicht an den Nagel hängen.

Im SPORT1-Interview spricht Johnson über seinen Abschied aus Gladbach, seine ehemaligen Chefs Max Eberl sowie Marco Rose - und den Vergleich mit der anderen Borussia aus Dortmund.

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SPORT1: Herr Johnson, der Karriereabschnitt in Gladbach war Ihre längste Zeit bei einem Verein. Wie haben Sie das Aus bei der Borussia aufgenommen?

Fabian Johnson: Es ist in unserem Job normal, dass du als Spieler den Verein wechselst oder der Verein eine Veränderung anstrebt. Natürlich ist es schade, ich habe sehr gerne für die Borussia und vor den tollen Fans gespielt. Aber ich freue mich jetzt auch auf eine neue Herausforderung. Es ist ja auch nicht das erste Mal, dass ich einen Verein wechsele. Aktuell halte ich mich mit einem privaten Trainer fit.

SPORT1: Sie waren in der abgelaufenen Saison oft verletzt. Wie geht es Ihnen gesundheitlich?

Johnson: Das war bitter und zum Teil sehr unglücklich. Ich bin leider etwas zu früh wieder eingestiegen. Die Auswirkungen dessen haben mich letzten Endes mehr Zeit gekostet als die ursprüngliche Verletzung. Aber jetzt ist alles ausgeheilt, und ich bin fit.

SPORT1: War Ihre Flexibilität Fluch oder Segen? Sie wurden dadurch nie auf einer Position eingesetzt, immer hin- und her geschoben.

Johnson: Das ist richtig, ich bin sehr flexibel einsetzbar. Ich habe drei bis vier Positionen auf Bundesliga-Niveau gespielt. Grundsätzlich halte ich das für eine positive Eigenschaft. Natürlich rotiert man dann oft dahin, wo gerade Bedarf besteht und hat nicht immer die Möglichkeit, seine Lieblingsposition zu spielen. Aber auch das gehört zum Job.

SPORT1: Sie haben im Dezember 2015 mal für einen Sieg gegen Bayern gesorgt und auch gegen Juventus Turin mit Gianluigi Buffon im Tor getroffen. Waren das die besonderen Momente bisher in Ihrer Karriere?

Johnson: Das waren sicher zwei wichtige und sehr schöne Momente. Aber es gibt viele Dinge, an die ich mich zurückerinnere, die in der Öffentlichkeit vielleicht nicht als so spektakulär wahrgenommen werden. Zum Beispiel wie wir mit Hoffenheim durch ein dramatisches 2:1 in Dortmund noch die Relegation erreicht haben und diese dann auch gewinnen konnten. Auch das war super emotional.

SPORT1: Hadern Sie mit dem Umstand, dass ohne die vielen Verletzungen in den vergangenen Jahren noch mehr hätte gehen können?

Johnson: Ich lebe nicht in der Vergangenheit. Natürlich sind Verletzungen nie hilfreich, aber ich habe in den vergangenen Jahren WM, Europa League, Champions League und bei Top-Klubs aus der Bundesliga gespielt. Das war bislang schon ganz okay so. Und ich denke nicht, dass hier Schluss ist.

SPORT1: Ein Kollege hat in seiner Kolumne geschrieben, Gladbach habe alles, um Meister zu werden. Sehen Sie es auch so?

Johnson: Es würde mich freuen, wenn er recht hat. Grundsätzlich stimmt das. Allerdings ist der eine oder andere Vereine - aufgrund der finanziellen Möglichkeiten - doch noch tiefer besetzt. Wenn also Leistungsträger ausfallen, fällt es anderen Klubs leichter, diese auf hohem Niveau zu ersetzen.

SPORT1: Müsste Gladbach raus aus dem Schneckenhaus und mehr die breite Brust zeigen?

Johnson: Wenn ich mir die Spiele der letzten Saison anschaue, habe ich schon das Gefühl, dass wir mit breiter Brust auf dem Platz standen. Verstecken muss sich Gladbach sicherlich nicht!

SPORT1: Marco Rose hat gezeigt, dass er Borussia zum Tabellenführer machen kann. Inwiefern kann das auch dauerhaft so sein?

Johnson: Wenn Bayern strauchelt, wie es in der Vorrunde der Fall war, gibt es drei bis vier Klubs, die sich um die Top-Position streiten. Dazu gehört Gladbach. Ich denke nicht, dass einer dieser drei bis vier Vereine bereits soweit ist, dass er Bayern auf Dauer ablösen kann.

SPORT1: Wenn Sie die beiden Borussias vergleichen: Wo sind die größten Unterschiede?

Johnson: Der einen Borussia fühle ich mich natürlich emotional stark verbunden. Für einen Außenstehende würde ich sagen... Vereinsfarben und Bankkonto. Über die Spieler der schwarz-gelben Borussia wird mehr geschrieben, auch weil höhere Ablösesumme im Raum stehen. Aktuell kann Gladbach aber in jedes Spiel gehen, um es zu gewinnen.

SPORT1: Rose hatte im ersten Jahr keine Anlaufschwierigkeiten. Warum nicht?

Johnson: Er hatte einen klaren Plan für das Team und eine Philosophie, die gut zu den vorhandenen Spielern gepasst haben. Außerdem kam er auch auf persönlicher Ebene bei der Mannschaft gut an.

SPORT1: Gehört Eberl nicht auch mal an den Schreibtisch von einem Big Player wie Manchester United oder Arsenal?

Johnson: Er hat sicherlich das Zeug dazu. Wie bei einem Spieler muss aber für eine gute Leistung auch das Umfeld passen. In Gladbach hat sich Max Eberl das für ihn optimale Umfeld geschaffen. Hier wird ihm zu 100 Prozent vertraut, und er kann seine Vision umsetzen. Bei Klubs wie Manchester United sprechen sehr viele Leute mit, da muss man viele Kompromisse eingehen. Er muss selbst entscheiden, ob dies das Richtige für ihn ist.

SPORT1: Wo spielen Sie demnächst? Können Sie sich auch die 2. Liga vorstellen?

Johnson: Das kann ich noch nicht sagen. Es gibt Anfragen. Allerdings muss das Projekt für mich auch passen. Einfach irgendwo unterschreiben, wenn ich nicht überzeugt bin, mache ich sicher nicht. Wenn es in der 2. Liga passen sollte, warum nicht?

SPORT1: Und wie schaut es mit einer Rückkehr zu 1860 aus?

Johnson: Mit 1860 verbindet mich natürlich auch emotional einiges. Dort hat alles begonnen und der Klub hat immer noch eine große Anhängerschaft. Mal sehen was die Zukunft bringt.