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München - Nach der umstrittenen Gesangseinlage von Manuel Neuer nimmt ein Ex-Teamkollege den Keeper in die Pflicht. Der Bosnier Bajramovic verteidigt Neuer aber auch.

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Das Urlaubs-Video von Manuel Neuer hat hohe Wellen geschlagen.

Dass der Bayern-Keeper an einer Strandbar in Kroatien das umstrittene Lied "Lijepa li si" (Du bist schön) der noch umstritteneren Band Thompson (der seit Jahren Verherrlichung des kroatischen Faschismus vorgeworfen wird) mitsang, sorgte für Verwunderung und Kritik.

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Nun hat sich ein ehemaliger Mitspieler des Nationaltorhüters bei SPORT1 zu Wort gemeldet.

"Ich mache Manu keinen Vorwurf, wenngleich man auch wissen sollte, was man da laut mitsingt", sagt der ehemalige bosnische Nationalspieler Zlatan Bajramovic, von 2005 bis 2008 Neuers Mannschaftskollege beim FC Schalke, und fordert: "Demnächst sollte Manu einen Tick mehr nachdenken oder es vorher hinterfragen, obwohl das an einer Strandbar sicher nicht so leicht ist."

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Der aktuelle Co-Trainer des Karlsruher SC betont aber: "Es war sicher keine böse Absicht - weder von Manu noch von Tapalovic." 

Gemeinsam mit Freund, Trauzeuge und Torwart-Trainer Toni Tapalovic urlaubt der Nationaltorhüter gerade an der dalmatinischen Küste, wo das Video entstand.

Bajramovic: Glaube nicht, dass Neuer wusste, was er mitsingt

Bajramovic setzt nun auf einen Lerneffekt bei Neuer. "Ich glaube nicht, dass Manu nochmal so mitsingen wird", erklärt der 40-Jährige.

Das umstrittene "Lijepa li si" sei "absolut nicht meine Musikrichtung", betont Bajramovic, erklärt aber: "Ich bekam mal ein Video geschickt, in dem die ganze kroatische Nationalmannschaft dieses Lied gesungen hat. Das ist also so etwas wie eine Hymne."

Der Bosnier glaubt dennoch nicht, "dass jeder Spieler hinter diesen Liedern steht. Das ist manchmal eine Art Gruppenzwang." Die Band Thompson sei in Kroatien "sehr beliebt und ich glaube nicht, dass Manu wusste, was er da singt. Da muss ich ihn in Schutz nehmen", sagt er über seinen ehemaligen Mitspieler.

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"Er konnte nicht nur mit den Kroaten gut"

Bajramovic berichtet, wie Neuer auf Schalke in die Kroaten-Clique um Tapalovic hineinwuchs: "Manu war damals schon ein weltoffener Typ und hat sich für solche Dinge interessiert. Er war schon immer ein Freund der Balkan-Kultur. Tapalovic hat er in Gelsenkirchen kennengelernt und singt die Lieder einfach gerne im Kreise von Freunden, weil sie auch leicht zu behalten sind. Ich glaube nicht, dass er solche Musik privat hört".

Außerdem betont Bajramovic: "Er konnte aber nicht nur mit den Kroaten gut, sondern auch mit den Serben und Bosniern. Er hat sich generell mit den Balkan-Jungs gut verstanden."

Kroatien sei "ein angesehenes Urlaubsland", meint Bajramovic und beschreibt die Balkan-Länder generell als "sehr herzlich". Sie würden alle Arten von Menschen gerne aufnehmen, "so dass man sich da sehr schnell heimisch fühlt. So ging es Manu sicher auch".

Auch deshalb sieht Bajramovic die ganze Angelegenheit "nicht so dramatisch".

Bajramovic über Verhältnis zwischen Bosnien und Kroatien

Zum generellen Verhältnis zwischen Bosniern und Kroaten berichtet der Ex-Nationalspieler, es sei "inzwischen viel entspannter geworden".

"Man freut sich auch für den Erfolg eines Kollegen, das hat man kürzlich daran gesehen, als Ivan Rakitic Miralem Pjanic angerufen hat und ihm zum Wechsel nach Barcelona gratulierte."

"Natürlich gibt es sicher auch Ausnahmen", sagt Bajramovic, "aber im Großen und Ganzen hat sich das im Vergleich zu früher alles beruhigt."