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München - Nach der Verpflichtung von Leroy Sané ist Kingsley Coman nominell erst einmal nur Bayerns Linksaußen Nummer zwei. Doch er kann Dinge, die Sané nicht so gut drauf hat.

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Kingsley Coman hat es: Das Gütesiegel der maximalen Wertschätzung. Trotz Leroy Sané.

Denn laut Sport Bild hat Hasan Salihamidzic, seit Kurzem Sportvorstand des FC Bayern, Coman explizit für "unverkäuflich" erklärt. Pep Guardiola und Manchester City hätten den Franzosen demnach liebend gerne als Verrechnungsmasse des Transfers von Sané nach München auf der Insel begrüßt.

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Doch die Bayern sperrten sich gegen die Avancen von City-Sportdirektor Txiki Begiristain – obwohl sie Sané gerade für die Position des Linksaußens verpflichtet hatten, die bislang Coman bekleiden durfte. Das hat gute Gründe.

"Leroy ist ein Unterschiedsspieler und wird unsere Mannschaft mit seiner Qualität verstärken", meinte Salihamidzic nach dem jüngsten Transfercoup zwar, schob aber hinterher: "Mit Serge Gnabry, Kingsley Coman und Leroy sind wir jetzt auf den für unser Spiel wichtigen Außenbahnpositionen auf höchstem Niveau flexibel besetzt."

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Genau diese Flexibilität wäre verloren gegangen, hätten die Bayern Coman gehen lassen. Denn dessen Stärken ergänzen diejenigen Sanés.

Nimmt man die Opta-Daten beider Spieler aus der Saison 2018/19 zum Vergleich (in der Folgespielzeit musste Sané ja aufgrund seiner Kreuzbandverletzung fast komplett aussetzen), lassen sich die Kernkompetenzen der beiden Angreifer schnell erfassen.

Sané ist schneller und torgefährlicher

Der mit einer Höchstgeschwindigkeit von 35,2 (gegen über 34,8) km/h geringfügig schnellere Sané ist der deutlich torgefährlichere der beiden. 16 Tore und 17 Vorlagen in 47 Pflichtspielen bedeuteten eine Torbeteiligung alle 81,6 Minuten.

Damit schloss Sané die Saison europaweit als Achtbester ab, direkt vor Robert Lewandowski (85,3). Coman kam – auch verletzungsbedingt – nur auf 10 Treffer und fünf Vorlagen. Die aktuelle Spielzeit schloss er mit je sieben Treffern und Torvorlagen bei 35 Einsätzen ab.

Dass sich Sané mit vier Toren und vier Assists besonders in der Champions League hervorgetan hat, haben die Münchner sicher gerne registriert.

Coman steuerte da im Vorjahr lediglich einen Treffer bei und legte einen weiteren auf. In der noch laufenden Königsklassen-Spielzeit stehen zwei Tore und ein Assist aus sechs Spielen zu Buche. Die Bilanz spricht hier deutlich für Sané.

"Seine Geschwindigkeit, seine technischen Qualitäten und seine Torgefährlichkeit machen ihn zu einem absoluten Top-Spieler", urteilte daher Bayern-Vorstand Oliver Kahn.

Coman dribbelt und flankt besser

Doch Coman hat einiges, das Sané nicht bieten kann. Zum Ersten einen starken rechten Fuß, mit dem er abschließen kann, nachdem er vom linken Flügel in die Mitte gezogen ist.

Zum Zweiten die deutlich präzisere Flanke. 25 Prozent seiner Hereingaben der Saison 2018/19 fanden den Mitspieler. Bei Sané waren es nur neun Prozent.

Und zum Dritten das bessere Dribbling. Im Schnitt 6,5 Mal pro 90 Minuten suchte der Franzose das Duell mit einem Gegenspieler. 3,9 Mal hatte er dabei das bessere Ende für sich. Seine Erfolgsquote von 60 Prozent übertraf die 51 Prozent Sanés deutlich, der es 5,2 Mal pro Spiel versuchte und 2,5 Mal am Gegner vorbeikam.

Kein Wunder also, dass Coman die neue Flügel-Konkurrenz gelassen sieht. "Als ich zum FC Bayern gekommen bin, hatten wir Franck Ribéry, Arjen Robben, Douglas Costa und mich", erinnerte er sich kürzlich in der Sport Bild.

"Und ich war noch ein junger Spieler, vor mir die Legenden Ribéry und Robben! Daran sehen Sie, dass das kein Problem für mich ist. Es ist besser für die Mannschaft, wenn es viele Spieler auf diesem Niveau gibt."

In jedem seiner Profijahre hat Coman den Meistertitel gewonnen, zunächst mit Paris Saint-Germain, dann mit Juventus, zuletzt fünf Mal mit dem FC Bayern. Das macht ein breites Kreuz.

Die Einsatzzeiten des immer noch erst 24-Jährigen dürften sich in der nächsten Spielzeit aber noch mehr als bislang nach dem Gegner richten.

Gegen (Champions-League-)Kontrahenten auf Augenhöhe, die auch Räume für schnelle Gegenstöße anbieten, dürfte Sané mit seiner höheren Geschwindigkeit und seinem direkten Zug zum Tor zunächst erste Wahl sein.

Coman und Sané auch gemeinsam denkbar

Steht der Gegner tief oder bedarf es in der Schlussphase eines Spiels eines Dosenöffner-Dribblings oder verstärkter Versorgung mit Flanken, schlägt die Stunde Comans.

Gemeinsam werden beide in erster Linie dann auf dem Platz zu erleben sein, wenn Gnabry auf dem rechten Flügel einen Vertreter braucht. Sané könnte dort auch den langjährigen Robben-Part übernehmen, in die Mitte ziehen und mit Links abschließen.

Trainer Hansi Flick bescheren seine beiden hochkarätigen Linksaußen fortan die Qual der Wahl. Er wird sich darüber nicht beschweren.