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München - Dietmar Hopp macht im SPORT1-Interview Hoffnung auf eine baldige Massenproduktion eines Corona-Impfstoffes. Außerdem spricht er über die Kommerzdebatte.

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Als SPORT1 Dietmar Hopp am späten Mittwochabend erreicht, wird schnell klar, was den 80-Jährigen umgibt. Er vermisst den normalen Fußball. 

Im März ließ Hopp bei SPORT1 mit einer Aussage aufhorchen, dass ein Impfstoff zur Eindämmung des Coronavirus im Idealfall diesen Herbst verfügbar sein könnte. Hopp ist Mehrheitseigner der Tübinger Firma CureVac, die seit Januar intensiv nach einem möglichen Impfstoff forscht.

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Nun wird er erstmals konkreter. "Der Stand beim Impfstoff ist nach wie vor positiv. Und ich bin zuversichtlich, dass im Januar oder Februar schon breitflächig geimpft werden kann mit dem, was meine Firma Curevac liefert", sagt Hopp im Exklusiv-Interview.

Außerdem spricht er über seine Sehnsucht nach der Rückkehr des normalen Spielbetriebs, die Situation bei der TSG, den Wechsel von Leroy Sané zum FC Bayern - und Mitleid mit den Fans, die nicht ins Stadion dürfen.

SPORT1: Herr Hopp, wie geht es Ihnen in der Coronakrise?

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Dietmar Hopp: Mir geht es normal, ich bin gesund. Mich hat das Virus bisher nicht erwischt.

SPORT1: Wie sehr hat Corona die Fußball- und Fankultur erwischt?

Hopp: Die Fans sind nicht mehr im Stadion, insofern hatte das Virus natürlich Konsequenzen für die gesamte Fankultur. Gerade bei den Spielen ohne Zuschauer wirkt es sich durch Corona sehr negativ aus.

SPORT1: Davon sind Sie kein Freund, oder?

Hopp: Geisterspiele können nicht der Sinn des Spiels sein, es gehören nun mal die Zuschauer und die Stimmung zu diesem schönen und emotionalen Sport dazu. Sonst könnte man ja auch auf einer Wiese spielen. Dennoch müssen wir alle froh sein, dass die DFL es geschafft hat, dass die Saison zu Ende gespielt werden konnte. Ich freue mich, wenn der Spielbetrieb wieder ganz normal anläuft.

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Hopp: "Dann wäre ich verrückt"

SPORT1: Obwohl Sie in den Stadien oft Fan-Anfeindungen ausgesetzt sind?

Hopp: Die Situation gerade tut dem Fußball nicht gut. Vor allem deshalb nicht, weil viele Vereine um die Existenz kämpfen müssen, die nicht so gewirtschaftet haben, dass eine Krise wie die jetzige zu verkraften wäre. Ich hoffe sehr, dass kein Klub Insolvenz anmelden muss.

SPORT1: Sie wurden Ende Februar im Heimspiel der TSG gegen den FC Bayern von den Ultras der Münchner mit Spruchbändern angefeindet. Zeigen Sie jetzt sogar Verständnis für die Fans?

Hopp: Man kann es nicht auf das große Ganze beziehen, ob die Fankultur jetzt in der Coronakrise besser oder schlechter dran ist. Mir tut es einfach leid, dass die Fans nicht mehr ins Stadion dürfen. Es sind immer nur einige wenige Personen, die mich beleidigen, das ist vergleichsweise nicht so wichtig. Wichtiger wäre, dass die Normalität im Fußball endlich wieder zurückkehrt.

SPORT1: Etwas ketzerisch gefragt: Fehlen Ihnen die Fan-Anfeindungen am Ende vielleicht sogar, Herr Hopp?

Hopp: Wenn mir die Anfeindungen in irgendeiner Form fehlen würden, dann wäre ich verrückt. (lacht) Das ist nach wie vor eine Geschichte, die mir weh tut, weil sie ungerecht ist und weil ich mir nach wie vor nicht vorstellen kann, wie man sich so etwas zurecht konstruieren kann.

Borussia Dortmund? "Das ist Kommerz pur"

SPORT1: Ein Grund für diesen Hass ist, dass Sie bei vielen Fans das Sinnbild für Kommerz sind. Nervt Sie immer noch dieses Kommerz-Gerede der TSG-Gegner?

Hopp: Wir bei der TSG sind ein Klub, der nicht Kommerz-Verein genannt werden darf. Schauen wir mal auf Borussia Dortmund, das ist inzwischen Kommerz pur. Oder richten wir den Blick nach Berlin, da sind viele Millionen im Umlauf. Ich freue mich für die Entwicklung bei der Hertha, aber ich kann nicht verstehen, dass ich auch von deren Fans attackiert werde.

SPORT1: Gerade ist es ruhig in den Stadien, weil keine Zuschauer dabei sein dürfen. Inwieweit glauben Sie, dass über die Fan-Anfeindungen gegen Ihre Person schon Gras gewachsen ist?

Hopp: Ich glaube nicht, dass über die Ereignisse mit dem Fan-Hass genug Gras gewachsen ist, das ist in zwölf Jahren nicht passiert und wird in den nächsten Jahren leider auch nicht so sein.

Hopp macht Hoffnung auf Impfstoff

SPORT1: Wie sehen Sie die Situation bei Ihrer TSG nach dem Trainerwechsel und der Qualifikation für die Europa League?

Hopp: Natürlich war es erfrischend zu sehen, dass das Trainerteam das mit der Europa-League-Qualifikation in der Kürze der Zeit geschafft hat. Wir haben ein Sechs-Mann-Team aufgestellt und drei von ihnen sind Jugendtrainer, die wir nicht einfach dem Unterbau der TSG wegnehmen dürfen. Das ist nicht so einfach. Der Mann, der das ganze Training geleitet hat mit seinem Team, war Matthias Kaltenbach. Alex Rosen (Direktor Profifußball bei der TSG Hoffenheim, d. Red.) hat im Hintergrund exzellent organisiert, aber Herr Kaltenbach hat leider noch keinen Trainerschein. Insofern ist das ein gewisses Problem. Wenn wir keine befriedigende Lösung finden, müssen wir natürlich diesen Weg gehen.

SPORT1: Wie ist der aktuelle Stand in Sachen Impfstoff?

Hopp: Der Stand beim Impfstoff ist nach wie vor positiv. Und ich bin zuversichtlich, dass im Januar beziehungsweise Februar schon breitflächig geimpft werden kann mit dem, was meine Firma Curevac liefert. Es wäre sicher schön, wenn wir schon im Oktober oder November einen Impfstoff von einer der vielen forschenden Firmen hätten, denn die Welt ist groß genug mit ihren acht Milliarden Einwohnern, da braucht es sowieso zwei Jahre, bis alle Menschen geimpft sind. Ich glaube aber fest daran, dass im Januar oder Februar der Curevac-Impfstoff zur Verfügung steht.

SPORT1: Letzte Frage: Leroy Sané hat am Donnerstagabend beim FC Bayern einen Fünfjahresvertrag unterschrieben. Was sagen Sie zu dem Transfer?

Hopp: Ich freue mich natürlich auf Leroy Sané. Er ist ein toller, junger Spieler aus Deutschland, ist auf Schalke groß geworden. Ich freue mich um jeden, der den deutschen Fußball stärkt. Sané und der FC Bayern - das passt hervorragend.