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München - Wie im Vorjahr geht der BVB mit nur einem echten Stürmer in die Saison. Hätte der Klub seine Lehren ziehen müssen oder kann es trotzdem funktionieren?

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"Wir haben einen Fehler gemacht: Wir hätten definitiv eine zweite Nummer 9 verpflichten müssen."

Neun Monate ist es her, als Hans-Joachim Watzke öffentlich zugeben musste, dass der BVB in der eigenen Transferpolitik falsch geplant hatte.

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Ende November 2019, zur Jahreshauptversammlung der Borussia, stand der Klub trotz selbsternanntem Saisonziel Meisterschaft lediglich auf Platz sechs der Bundesliga - mit einer 0:4-Klatsche aus München und einem Remis gegen Aufsteiger Paderborn im Rücken.

Zu diesem Zeitpunkt musste jeder im Klub resigniert feststellen, dass der Plan von Trainer Lucien Favre, mit nur einem etatmäßigen Stürmer in die neue Saison zu gehen, nicht aufgegangen war.

Macht BVB Fehler ein zweites Mal?

Nun sollte man meinen, so ambitioniert wie der BVB ist, begeht er diesen Fehler kein zweites Mal. Und genau deswegen schrillen aktuell wohl bei vielen Fans der Schwarzgelben die Alarmglocken.

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Denn Sportdirektor Michael Zorc hat nun angekündigt: Es wird wieder keinen Backup auf der Stürmerposition geben, in diesem Fall für Erling Haaland.

Begeht die Borussia den gleichen Fehler etwa ein zweites Mal?

Ausgerechnet mit dem Heilsbringer aus Norwegen, den der BVB im Stürmer-Notstand in der vergangenen Winterpause nach Dortmund holte, soll der Poker in die zweite Runde gehen.

Zur Erinnerung: Vor einem Jahr hatte sich Favre dagegen gewehrt, dem damals einzigen echten Neuner im Kader, Paco Alcácer, einen Ersatz zur Seite zu stellen.

Zu Beginn der Saison 2019/20 schien dieser Plan auch durchaus aufzugehen, der Spanier erzielte in den ersten vier Bundesliga-Partien fünf Tore. Nur blieb es dabei dann auch: Eine Achillessehnenreizung und Knieverletzung setzten Alcácer früh in der Saison außer Gefecht und der Plan war erstmal dahin.

BVB nach Alcácer-Ausfall im Tiefflug

Nach Alcácers Ausfall ging es bergab mit Dortmund, es folgten schmerzliche Niederlagen gegen die Bayern, Inter und Barcelona, dazu Unentschieden gegen Schalke, Freiburg und Paderborn.

Mario Götze durfte sich in dieser Zeit mehrmals als Sturmspitze versuchen, war dabei allerdings genausowenig erfolgreich wie Julian Brandt und Marco Reus als Doppelspitze.

Zum Torjäger entwickelte sich damals Achraf Hakimi, den Rest übernahmen bis zur Winterpause Jadon Sancho, Thorgan Hazard und Reus.

Lässt sich BVB von Traumwerten täuschen?

Der weitere Verlauf ist bekannt, im Januar wechselte Alcácer zu Villarreal, dafür kam Haaland aus Salzburg - und schlug seither ein wie eine Bombe: 16 Tore in 18 Spielen allein in der Rückrunde sind europaweit mitunter Bestwert.

Lässt sich der BVB aufgrund dieser Traumwerte nun täuschen und wird rückfällig?

"Wir haben in der vergangenen Saison nicht zu wenig Tore geschossen", rechtfertigt Zorc im kicker seine Entscheidung, trotz der Erfahrung mit Alcácer neben Haaland keinen zweiten Mittelstürmer zu verpflichten.

Womit er natürlich nicht unrecht hat: Insgesamt erzielte der BVB in der abgelaufenen Spielzeit allein in der Bundesliga 84 Treffer.

BVB-System ist fragil

An Toren mangelt es nicht - jedoch nur, solange alle im System funktionieren. Doch darauf kann man sich nicht zu 100 Prozent verlassen. Was ist, wenn auch Haaland - ähnlich wie Alcácer - verletzt ist oder im Leistungsloch steckt?

Die beiden größten Leistungsstützen sind mit Reus und Sancho entweder verletzungsanfällig oder vielleicht sogar bald weg. Zumindest für letzteres Szenario hat Zorc erkannt: "Wenn Jadon geht, besteht Handlungsbedarf!"

Haaland ohne Backup und ohne Sancho - das wäre dann doch etwas zu viel des Guten.

Moukoko als Joker im Ärmel?

Dass es mit nur einem etatmäßigen Stürmer gut gehen kann, beweist Meister-Konkurrent Bayern München mittlerweile seit Jahren: Mit Robert Lewandowski gibt es nur einen echten Neuner im Kader, den Rest übernehmen Thomas Müller als hängende Spitze sowie die Flügel-Offensive um Serge Gnabry, Kingsley Coman und demnächst Leroy Sané. Allerdings kann sich der Rekordmeister auch glücklich schätzen, dass Lewandowski noch nie im Leistungsloch steckte oder gar mal länger verletzt war.

Einzig Youngster Joshua Zirkzee ist im Bayern-Kader noch als echter Mittelstürmer gelistet - und auch hier hat der BVB bald ein Pendant: Stürmertalent Youssoufa Moukoko aus der U19, der mit seinem 16. Geburtstag am 20. November diesen Jahres offiziell in der Bundesliga eingesetzt werden darf.

Er könnte zur Geheimwaffe werden, sollte Haaland im Leistungstief stecken oder (länger) ausfallen.