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Dortmund - André Schürrle verlässt Borussia Dortmund endgültig. Es ist das Ende eines Missverständnisses. Hört der ehemalige Tuchel-Wunschspieler jetzt ganz auf?

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Ziemlich genau vier Jahre ist es nun her, dass der BVB André Schürrle aus Wolfsburg geholt hat.

30 Millionen Euro blätterten die Schwarzgelben für den Weltmeister von 2014 hin. Damit war Schürrle der unangefochtene Rekord-Transfer. Nie zuvor gaben die Dortmunder bis dato mehr Geld für einen Spieler aus.

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Es war der Anfang einer großen Missehe.

Am Mittwoch verkündete der BVB die vorzeitige Auflösung des bis 2021 laufenden Vertrages. "Rückblickend war es eine Zeit mit Höhen und Tiefen, aber auch mit vielen wertvollen Erfahrungen sowohl im sportlichen als auch insbesondere im privaten Bereich", wird der Angreifer auf der Vereins-Homepage zitiert. "Ich danke den Verantwortlichen des BVB und wünsche dem Verein und seinen besonderen Fans alles Gute für die Zukunft."

Abfindungszahlung für Schürrle

Der Pott-Klub einigte sich mit dem 29 Jahre alten Flügelspieler auf eine Abfindungszahlung. Nach SPORT1-Informationen hat der BVB seinem Sturm-Flop weniger als die Hälfte des noch ausstehenden Grundgehalts und damit weniger als drei Millionen Euro bezahlt. Mit voll greifenden Erfolgsprämien hätte Schürrle beim BVB auf ein Jahresgehalt von rund acht Millionen Euro kommen können.

"Es war für beide Seiten definitiv keine Erfolgsgeschichte", sagt BVB-Boss Hans-Joachim Watzke zu SPORT1. "Aus diesem Grund war es das Beste, dass wir den Vertrag nun vorzeitig aufgelöst haben. Für die Zukunft wünschen wir André alles erdenklich Gute."

Rückblick: Im Sommer 2016 gab es einen großen Umbruch im BVB-Kader. Nach Platz zwei in der Bundesliga, den die Dortmunder mit 78 Punkten hinter den Bayern (88) holten, verließen die Schlüsselspieler Ilkay Gündogan (Manchester City), Mats Hummels (Bayern) und Henrikh Mkhitaryan (Manchester United) den Verein.

Schürrle und Götze: WM-Helden sind Geschichte

Von den Transfererlösen von knapp 105 Millionen Euro kauften die Dortmunder neun Spieler für rund 120 Millionen Euro. Neben Schürrle holten die Dortmunder Ousmane Dembélé (Stade Rennes), Raphael Guerreiro (FC Lorient), Sebastian Rode (Bayern), Emre Mor (FC Nordsjaelland), Alexander Isak (AIK Solna), Marc Bartra (FC Barcelona), Mikel Merino (Osasuna) und Mario Götze (FC Bayern).

Innerhalb von nur einer Woche holte der BVB mit Schürrle und Götze zwei Weltmeister. Die beiden Nationalspieler, die bis heute eng befreundet sind, hatten zwei Jahre zuvor das DFB-Team in Rio de Janeiro im Finale gegen Brasilien zum WM-Titel geschossen.

Vom WM-Duo ist in diesem Sommer beim BVB aber nichts mehr übrig. Während der Vertrag mit Götze vor kurzem nicht verlängert wurde, wurde der mit Schürrle nun aufgelöst.

Tuchel sprach sich für Schürrle aus

Schürrle war damals der Wunschspieler von Thomas Tuchel. Für den Transfer setzte sich der damalige BVB-Trainer stark ein. Der heutige Paris-Coach ließ nicht locker, drängte bei der Vereinsführung darauf, seinen Ex-Schützling unbedingt zu verpflichten. Tuchel und Schürrle arbeiteten damals erfolgreich in Mainz zusammen. 2009 feierte der gebürtige Ludwigshafener Schürrle unter Tuchel sein Bundesliga-Debüt.

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Nach seiner Entdeckung in Mainz wechselte Schürrle 2011 für 12,5 Millionen Euro nach Leverkusen, 2013 für 22 Millionen Euro nach Chelsea und 2015 für 32 Millionen Euro nach Wolfsburg. Inklusive der 30 Millionen Euro, die Dortmund 2016 an den VfL überwies, wechselte Schürrle für fast 100 Millionen Euro vier Mal den Verein.

Torquote immer schlechter

In 207 Bundesliga-Spielen schoss Schürrle insgesamt 51 Tore und gab 38 Vorlagen - auf den ersten Blick eine ordentliche Statistik. Seine Tor-Quote verschlechterte sich allerdings peu à peu. Erzielte der 1,84 Meter große Flügelspieler in Mainz noch durchschnittliche 0,30 Tore pro Ligaspiel, waren es in Leverkusen nur noch 0,28, in London 0,25, in Wolfsburg 0,23 und bei Dortmund sogar nur 0,09.

Beim BVB wurde der frühere Nationalspieler (57 Spiele, 22 Tore), der auch Verletzungspech hatte (verpasste dadurch 26 Spiele), nie wirklich glücklich. Unter Tuchel absolvierte Schürrle in der Saison 2016/2017 noch 25 Pflichtspiele und schoss fünf Tore. Unter Peter Bosz machte er nur noch sieben Spiele (kein Tor) und unter Peter Stöger 19 Spiele (3 Tore).

Zwei Mal verlieh ihn der BVB zuletzt - erst nach Fulham und dann nach Moskau. Für Spartak machte "Schü" im Dezember 2019 sein bislang letztes Spiel.

Wechsel oder Karriereende?

Wie geht es jetzt weiter für den einstigen WM-Helden?

Zuletzt wurde Schürrle mit einem Wechsel zu Italien-Klub Benevento Calcio in Verbindung gebracht. Berater Ingo Haspel verwies einen möglichen Transfer aber ins Reich der Fabeln.

Klubs aus China und aus der Türkei signalisierten in der Vergangenheit immer wieder ihr Interesse am Linksaußen. Fast ausgeschlossen aber, dass Familienvater Schürrle einen solchen Schritt noch mal wagt. Aus dem Umfeld des Spielers ist auch zu hören, dass er sich ernsthafte Gedanken über ein Karriereende macht.

Im Podcast Phrasenmäher sagte Schürrle im Oktober vergangenen Jahres: "Ich würde jetzt lügen, wenn ich niemals den Gedanken gehabt hätte. Gerade in den wirklich schweren Phasen denkt man sich: Ob ich das überhaupt noch alles brauche? Ob ich das überhaupt noch will? Dann packt einen doch irgendwo wieder die Motivation, um es sich selbst ein bisschen zu zeigen. So schnell geht der Gedanke dann auch wieder."