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München - Am Dienstag empfängt Werder Bremen den FC Bayern. 2008 gab es den letzten Sieg gegen die Münchner. Und was für einen. Bei SPORT1 blicken zwei Ex-Bremer zurück.

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Es war der 20. September 2008 in der Münchner Allianz Arena. Der FC Bayern empfing Werder Bremen am 5. Spieltag der noch jungen Saison. Und das Endergebnis sollte für ein Raunen im Stadion sorgen.

Die Grün-Weißen, damals unter anderem mit Mesut Özil und dem heutigen Geschäftsführer Frank Baumann in der Startelf, gewannen 5:2. Nach 67 Minuten führten die Bremer 5:0!

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Ein Ergebnis, gegen das am Dienstag sicher kein Bremer etwas einzuwenden hätte. Dann treffen beide Klubs wieder aufeinander - dieses Mal im Weserstadion (Bundesliga, 32. Spieltag: SV Werder Bremen - FC Bayern München ab 20.30 Uhr im LIVETICKER). 

"Viele verbissene Tiere auf dem Platz"

2008 war auch Jurica Vranjes mit dabei. Der Kroate blickt gerne zurück auf den historischen Tag. Lang ist es her. Denn die vergangenen 21 Pflichtspiele hat Werder gegen die Bayern verloren. 

"Ich denke an eine tolle Mannschaft zurück, die selbstbewusst ins Flugzeug stieg, um in München drei Punkte zu holen", erinnert sich Vranjes, von 2005 bis 2011 für Werder aktiv, im Gespräch mit SPORT1. Der Verein spielte damals in der Champions League.

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"Wir konnten mit jeder Mannschaft in Europa mithalten, nur kann man die heutige Situation nicht mit der damals vergleichen, auch nicht von den Spielertypen her, weil es damals viele verbissene Tiere auf dem Platz gab. Diese wilden Kerle auf dem Platz sehe ich heute leider nicht."

Auch Sebastian Boenisch, der von 2007 bis 2012 das Werder-Trikot trug, stand damals auf dem Platz und ist ganz verblüfft, als er gefragt wird, wie es damals für ihn war. "Ich hätte niemals gedacht, dass Werder seitdem nicht mehr gegen Bayern gewonnen hat", sagt er SPORT1.

Sebastian Boenisch (r.) spielte von 2007 bis 2012 für Werder Bremen
Sebastian Boenisch (r.) spielte von 2007 bis 2012 für Werder Bremen © Imago

"Ich kann mich noch gut an dieses 5:2 in München erinnern. Wir konnten es in der Kabine kaum fassen und mussten ein wenig schmunzeln, da wir nicht wirklich realisiert haben, was da in dieser Halbzeit alles passiert ist. Ein Spiel, das ich wirklich niemals vergessen werde."

"Spiel eigentlich abschreiben"

Boenisch muss lachen: "Wir haben in der ersten Halbzeit jeden Pass mit Olé kommentiert. Was zugegeben natürlich unsportlich war, aber es hat sich so im Spiel entwickelt, weil wir wirklich gezaubert haben und jede Aktion Hand und Fuß hatte."

Vranjes, der in der Bundesliga auch noch für Bayer Leverkusen und den VfB Stuttgart spielte, verfolgt Werder weiterhin. "Ich bin traurig über die aktuelle Situation. Es gibt noch Hoffnung, aber die restlichen Spiele werden richtig schwer", glaubt der frühere kroatische Nationalspieler. Über die Bayern müsse man nicht reden. "Man kann dieses Spiel eigentlich gleich abschreiben", findet Vranjes und blickt auf das Restprogramm von Werder. 

Nach Bayern gegen Mainz und Köln

Mainz könne mit einem Heimsieg gegen Werder den Klassenerhalt perfekt machen, glaubt er, "und sie sind ein anderes Kaliber als Paderborn." (dort gewann Werder am vergangen Samstag mit 5:1, d. Red.).

Am letzten Spieltag kommt dann der 1. FC Köln nach Bremen. "Es scheint so, dass die Kölner dann schon gerettet sind, also ohne Druck anreisen können", sagt Vranjes. "Und jeder weiß, dass es gegen solch einen Gegner, der null Druck hat, schwer ist zu spielen."

Für Boenisch ist die aktuelle Situation von Werder "beängstigend". Er möchte sich nicht vorstellen, "dass Werder den Gang in die 2. Liga antreten muss".

Dass die Verantwortlichen trotz alledem an Trainer Florian Kohfeldt festgehalten haben, sieht Vranjes mit gemischten Gefühlen. "Ich glaube, dass Baumann und Marco Bode (seit Oktober 2014 Werders Aufsichtsratsvorsitzender, d. Red.) einen guten Job machen, aber mit der Zeit wird man sehen, ob es die richtige Entscheidung war. Ich hoffe sie können am Ende den Verbleib in der Liga als einen Erfolg so feiern wie wir damals den Einzug in die Königsklasse."

Vranjes glaubt nicht an Gnade

Und weiter: "Natürlich wünsche ich Werder die Rettung, so ein Jahr darf sich nicht so schnell wiederholen, weil das ein angesehener Klub ist."

An den ersten Dreier gegen den Rekordmeister seit dem 5:2-Erfolg mag Vranjes aber nicht glauben. 

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"Leider muss man realistisch bleiben und zugeben, dass Werder momentan in dieser Verfassung gegen Bayern keine Chance hat." Der frühere Mittelfeldspieler begründet auch seinen Pessimismus. "Nach zwölf Jahren in der Bundesliga habe ich selbst gemerkt, dass Vereine keine Gnade zeigen für andere Klubs, die etwas zu verlieren haben", sagt Vranjes. 

"Das macht es doppelt schwer"

Wann eine Überraschung möglich wäre? "Hätten sie die gewohnte Unterstützung der Fans und gleichzeitig Bayern einen schlechten Tag, könnte es klappen. In so einer prekären Situation sind die Zuschauer sehr wichtig - zu Hause und auswärts. Das spürt man sicher bei Werder und das macht es doppelt schwer", so Vranjes.

Der Fokus solle "auf die darauffolgenden Spiele gelegt werden, da muss Werder punkten", betont Boenisch.  

Einer, der 2008 übrigens schon dabei war, ist Claudio Pizarro. Der 41-Jährige erzielte damals das 4:0 für die Bremer. Er war von 1999 bis 2001, in der Saison 2008/2009, von 2009 bis 2012 und von 2015 bis 2017 bei Werder unter Vertrag. Seit 2018 spielt der Peruaner wieder an der Weser. 

Vranjes spielte insgesamt drei Jahre mit Pizarro zusammen in Bremen und schwärmt heute noch von ihm: "Claudio ist ein hervorragender Spieler und ein noch besserer Mensch, der seinen Job immer zu 100 Prozent erledigt. Ein Idol für sehr viele junge Spieler."  

Mit einem erneuten Tor zum Sieg könnte sich Pizarro nicht nur bei ihnen unsterblich machen...