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München - Thomas Meunier soll bei Borussia Dortmund das Erbe von Achraf Hakimi antreten. Hinter dem Belgier liegt ein steiniger Weg mit vielen Hindernissen und Umwegen.

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Als Thomas Meunier, 28, am Donnerstag seine Unterschrift unter einen bis 2024 laufenden Vertrag bei Borussia Dortmund setzte, endete auch ein langer Verhandlungsmarathon.

Seit Monaten wurde der Belgier von Paris Saint-Germain beim BVB gehandelt, bereits im März gab es Gerüchte um ein Gesamtpaket in Höhe von 50 Millionen Euro. Darin enthalten sind neben den Gehaltszahlungen aufgrund seiner Ablösefreiheit auch ein stattliches Handgeld und die übliche Beraterprovision.

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Ob der Deal auch drei Monate später in Zeiten von Corona so hochwertig ist, ist offen. Klar ist jedoch, dass Meunier nicht als Ergänzungsspieler geholt wurde.

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Der Belgier kommt vorzugsweise als Rechtsverteidiger zum Einsatz, wird wegen seiner enormen Offensivstärke von Experten in Frankreich aber fast schon als Rechtsaußen gesehen. In seinem Spielstil ähnelt der Nationalspieler Achraf Hakimi, dessen Leihvertrag mit Real Madrid in wenigen Tagen endet.

Die Verpflichtung ist ein deutlicher Hinweis, dass der Marokkaner wohl nicht zu halten sein wird. Auch wenn Sportdirektor Michael Zorc auf eine erneute Leihe hofft, wäre keiner der beiden Spieler allein schon wegen der Gehaltskosten als Backup vermittelbar.

WM-Dritter mit Belgien

Einen Hakimi-Abschied kann die Borussia nun verkraften, taktisch ist durch die Neuverpflichtung keine Umstellung nötig. Meunier dürfte wie auch Hakimi vor der Dreierkette auf der rechten Position spielen und seine offensiven Qualitäten gewinnbringend zeigen. 13 Tore und 21 Assists sind für Meunier in 128 Spielen für PSG notiert, für einen Verteidiger ist das eine starke Quote.

Hinzu kommen sieben Treffer in 40 Länderspielen für Belgien, gemeinsam mit seinen neuen Teamkollegen Axel Witsel und Thorgan Hazard war Meunier damit am dritten Platz bei der WM 2018 maßgeblich beteiligt.

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"Thomas Meunier ist ein Spieler, der seine Qualität auf höchstem Niveau unter anderem in der Champions League und in der Nationalmannschaft über einen langen Zeitraum hinweg nachgewiesen hat und uns mit seiner Erfahrung richtig gut tun wird", erklärte Zorc nach der Verpflichtung.

In der aktuellen Königsklassen-Saison kam Meunier im Achtelfinal-Hinspiel (1:2) gegen den BVB über die volle Spielzeit zum Einsatz, das Rückspiel (2:0) verpasste er gelbgesperrt. Eine Kurzzeit-Verlängerung in Paris, um im Finalturnier der Champions League im August noch auflaufen zu können, lehnte Meunier ab.

Meunier will mit 15 aufhören

Beim französischen Topklub wurde er zuletzt dreimal in Folge Meister, unter Trainer Thomas Tuchel war Meunier aber nicht immer unumstrittener Stammspieler. Da PSG anders als Dortmund mit Viererkette und ohne Absicherung spielt, führten Meuniers hin und wieder vorkommende Wackler in der Defensive häufiger zu Gegentoren als Hakimis Defensiv-Schwächen beim BVB.

Meunier ist gelernter Stürmer, sein Weg in den Profifußball ist ähnlich wie sein Weg nach Dortmund geprägt von einigen Hindernissen und Umwegen.

So hatte Meunier mit 15 Jahren eigentlich schon einen Haken hinter seine Fußballerkarriere gesetzt, als ihm sein Jugendtrainer bei Standard Lüttich mitteilte, dass er nicht gut genug sei.

"Das klingt vielleicht komisch, aber für mich war das damals keine Katastrophe. Es war ja nicht so, dass Fußball meine einzige Freude im Leben war", erinnerte sich Meunier 2019 in einem Interview bei Bozar. Er fand dank seiner Großmutter Gefallen an der Kunst. "Fußball ist mein Beruf. Und die Kunst die Leidenschaft, der ich mich danach widme."

Meuniers Mutter wollte sich damit jedoch nicht abfinden und rief einen Trainer des in Nähe des Wohnorts Sainte-Ode beheimateten Drittligisten Royal Virton an. "Sie sagte: 'Mein Sohn war bei Standard Lüttich, da haben sie ihn rausgeworfen. Kann er zum Probetraining kommen? Er ist sehr gut, ich verspreche es.'"

Das Probetraining bei Virton verlief erfolgreich, Meunier wurde in die Akademie aufgenommen - ohne große Hoffnung auf eine Profikarriere. "Virton war in der dritten Liga, die Jungs aus der ersten Mannschaft verdienten vielleicht 400 Euro im Monat. Nicht mal genug, um davon zu leben."

Jobs als Briefträger und in Autofabrik

Bei den Profis angekommen, musste der Belgier jedoch erneut Hindernisse überwinden.

"Zu Beginn der Saison 2009/10 hatte er ein paar körperliche Probleme und der damalige Trainer von Virton wollte ihn schon an Givry abgeben, einen Klub aus der vierten belgischen Liga", erklärte Daniel Jonette, ein Lokaljournalist bei 20minutes.fr. "Er blieb letztlich aber doch in Virton und explodierte kurz darauf."

Aufmerksam wurde jedoch noch niemand auf den jungen Meunier, der sich deshalb Nebenjobs suchte, um finanziell über die Runden zukommen. "Als ich 18 war und der Fußball nicht reichte, um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten, nahm ich einen Job bei der Post an. Ich musste um 5 Uhr morgens aufstehen und startete meine Route, als die Sonne gerade aufging", sagte Meunier in einem Beitrag für The Players' Tribune.

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Nach zwei Monaten hatte er genug, heuerte bei einer Automobilfabrik an, die Windschutzscheiben herstellte - und startete dank der sozialen Medien auch endlich im Fußball durch. Die vielen Tore des 1,90-Meter-Hünen wurden von Zuschauern gefilmt und gingen im Internet viral.

"Schon bald sprachen alle in Belgien von diesem Typen aus der dritten Liga, der diese irren Tore macht. Wahrscheinlich war ihnen nicht bewusst, dass er in einer Autofabrik arbeitet", erzählte Meunier.

"Mein Karriereweg klingt wie ein Hollywoodfilm"

Als der damalige Angreifer im Oktober 2010 nach einem Solo per Rabona-Trick gegen den RFC Lüttich traf, wurden auch die ersten Profiklubs hellhörig. "Mein Marktwert lag bei 100.000 Euro, das war ja nichts. Die Klubs dachten sich also: 'Er ist 19, er ist günstig. Warum nicht das Risiko eingehen?'"

2011 legte Club Brügge schließlich 200.000 Euro für das Stürmertalent hin, beim Ex-Meister entwickelte sich Meunier sofort zum Stammspieler. Später wurd der Belgier zum Außenverteidiger umgeschult und debütierte 2013 in der Nationalmannschaft.

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Seitdem zeigte sein Weg steil nach oben, 2016 folgte der Wechsel nach Paris. "Früher habe ich in einer Autofabrik Kaffee getrunken, heute spiele ich mit Neymar. Mein Karriereweg klingt wie ein Hollywood-Film. Man kann sich durchaus fragen, wie das möglich war. Ich selbst frage mich das manchmal."

Dennoch hat Meunier seine Anfänge nicht vergessen. "Wenn meine Mutter nicht diesen Trainer angerufen und ihn angefleht hätte, mich anzuschauen... Ich will gar nicht darüber nachdenken, was ich dann jetzt machen würde. Mein Leben wäre komplett anders."

Borussia Dortmund darf sich auf einen spannenden Spieler freuen.