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Leipzig - RB Leipzigs Kevin Kampl spricht vor dem Top-Duell über seinen Ex-Klub BVB. Er äußert er sich über seinen auslaufenden Vertrag und den Abgang von Timo Werner.

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Kevin Kampl ist Spielgestalter bei RB Leipzig und läuft seit 2015 in der Bundesliga auf. Am Samstag duelliert er sich mit Ex-Klub Borussia Dortmund um die Vize-Meisterschaft. 

Der heute 29-Jährige spielte ein halbes Jahr für den BVB unter Jürgen Klopp. Dann kam Thomas Tuchel und der Slowene ging zu Bayer Leverkusen.

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Bei RB Leipzig läuft sein Vertrag zum 30. Juni aus. Der technisch versierte Mittelfeldspieler macht keinen Hehl daraus, noch weitere Jahre beim Champions-League-Viertelfinalisten verbringen zu wollen. Seinem (Noch-)Teamkollegen Timo Werner traut er beim FC Chelsea viel zu. 

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SPORT1: Herr Kampl, RB Leipzig gegen Borussia Dortmund ist ein absolutes Spitzenspiel, das unter normalen Umständen in einem ausverkauften Stadion ausgetragen worden wäre. Ist die Vorfreude getrübt, weil es ein Geisterspiel sein muss?

Kampl: Es ist natürlich etwas anderes, vor vollem Haus zu spielen. Wir hätten eine tolle Atmosphäre erlebt, gerade hier zuhause in unserem Stadion. Es geht ja schließlich auch noch um etwas. Schade, dass die Fans nicht mit dabei sein können, aber wir sind trotzdem auf unser Ziel fokussiert. Wir wollen die Champions-League-Qualifikation am Samstag klarmachen.

SPORT1: Sowohl Leipzig als auch der BVB haben zuletzt einen Rückschlag erlitten. Kommt es am Samstag auch darauf an, wer besser damit umgeht?

Kampl: Wir haben ja immerhin einen Punkt geholt. Klar, wir haben gegen Düsseldorf 2:0 geführt und hätten das Spiel nicht mehr aus der Hand geben dürfen. Das war nicht gut. Darüber sollten wir aber nicht mehr nachdenken, denn wir haben ein absolutes Topspiel vor der Brust. Da sind wir total drauf fokussiert. Ich glaube, dass der BVB nach der Niederlage gegen Mainz etwas gutmachen will. Ich denke, da treffen zwei Mannschaften aufeinander, die sehr heiß sind.

Spiel gegen Ex-Klub BVB

SPORT1: Sie haben 2015 ein halbes Jahr lang für den BVB gespielt. Ist das Duell mit ihrem Ex-Verein für Sie noch ein besonderes, oder inzwischen ein Spiel wie jedes andere auch?

Kampl: Ich habe in Dortmund viel gelernt, auch wenn ich nur eine kurze Zeit dort war. Es sind inzwischen aber nicht mehr viele Spieler da, die ich noch von damals kenne. Ich habe seitdem auch schon wieder einige Male gegen den BVB gespielt. Die Ergebnisse gegen sie waren ganz unterschiedlich, mal habe ich gewonnen, mal verloren. Ich hoffe, dass ich diesmal wieder siegen kann.

SPORT1: In Leipzig sind Sie heute Leistungsträger, warum sind Sie es in Dortmund nicht geworden?

Kampl: Es war keine einfache Situation als neuer Spieler damals. Ich kam aus Salzburg, wo wir Erster in der Liga und erfolgreich in der Europa League waren. In Dortmund standen wir zu Beginn der Rückrunde auf dem vorletzten Platz, das war das letzte Halbjahr unter Jürgen Klopp und wir mussten erst mal um den Klassenerhalt kämpfen. Ich habe aber fast jedes Spiel gemacht, hatte einen langfristigen Vertrag und ich hätte meine Chance auch unter Thomas Tuchel bekommen.

Tuchel "wollte mich behalten"

SPORT1: Was hat Tuchel damals zu Ihnen gesagt?

Kampl: Er war zwar nicht begeistert, dass ich nach Leverkusen wollte, denn er wollte mich gerne behalten. Aber in Leverkusen war zu der Zeit Roger Schmidt Trainer. Schmidt war sozusagen mein Mentor und ich wusste, dass ich unter ihm meinen besten Fußball spielen kann. Ich bin also zu Thomas Tuchel ins Büro und habe ihn gebeten, wechseln zu dürfen. Er hat mir das erlaubt und dafür bin ich ihm immer noch sehr dankbar. In Leverkusen bin ich ja dann auch sofort eingeschlagen.

SPORT1: Haben Sie noch Kontakt zu ehemaligen Mitspielern des BVB?

Kampl: Nein, das verliert sich über die Jahre dann doch etwas. Ich war jetzt schon bei einigen Vereinen und es gibt nur wenige Spieler, mit denen man über all die Jahren den Kontakt hält. Manche werden aber auch zu echten Freunden.

SPORT1: Julian Nagelsmann sagte, die Vizemeisterschaft sei ihm "scheißegal", ihn interessiere nur die Champions-League-Qualifikation. Sehen Sie das auch so?

Kampl: Auf jeden Fall. Wir müssen erst mal alles dafür tun, um in der nächsten Saison wieder in der Champions League zu spielen. Wir bauen hier in Leipzig gerade etwas auf, sind die jüngste Mannschaft Deutschlands und wollen uns mit den besten Mannschaften in Europa messen. Das ist eine große Ehre für jeden Spieler. Dafür fehlen uns noch Punkte und die wollen wir schnell holen. Das ich wichtiger als die Frage, ob wir Zweiter werden.

Nagelsmann musste nicht groß einschwören

SPORT1: Wie hat Julian Nagelsmann die Mannschaft auf die verbleibenden zwei Spiele eingeschworen?

Kampl: Das musste er gar nicht mehr großartig. Natürlich haben wir darüber gesprochen. Wir sind in der Position, dass wir alles in der eigenen Hand haben. Wir dürfen jetzt nicht in Nervosität verfallen, denn wir wissen, wie gut wir sind. Wir werden alles dafür geben, unser Ziel am Samstag schon klar zu machen.

SPORT1: Wenn Leipzig nächste Saison Champions League spielt, werden Sie dabei sein. Sie sollen kurz vor einer Vertragsverlängerung stehen, ist das richtig?

Kampl: Hier gibt es momentan nichts Neues. Ich habe ja schon oft betont, wie sehr ich mich in Leipzig wohlfühle. Die Philosophie von RB Leipzig ist nachhaltig und konsequent. Es ist mir auch wichtig, dass meine Familie sich wohlfühlt. Ich habe zwei kleine Kinder und die spielen für meine Entscheidung eine große Rolle. Ich fühle mich nach meiner Verletzung wieder top und wir schauen, was die Zukunft bringt.

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Timo Werner wird bei Chelsea für Furore sorgen

SPORT1: Ihr Kollege Timo Werner wechselt zum FC Chelsea. Was überwiegt bei Ihnen: Freuen Sie sich mehr für ihn, oder bedauern Sie eher, dass Leipzig einen Top-Spieler verliert?

Kampl: Natürlich ist es schade für uns, dass Timo geht. Er hat extrem viele Tore geschossen und ist ein wichtiger Spieler für uns. Ich verstehe mich gut mit ihm freue mich daher sehr für ihn. Er hat es verdient, den nächsten Schritt in seiner Karriere zu machen. Ich finde es aber schade, dass er künftig nicht mehr in der Kabine sein wird, denn er ist ein lustiger Vogel, mit dem man viel lachen kann. Das werde ich schon vermissen.

SPORT1: Glauben Sie, dass er in der Premier League ebenso für Furore sorgen wird wie in der Bundesliga?

Kampl: Auf jeden Fall, davon bin ich fest überzeugt.