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Der Innenverteidiger hat sich beim FC Bayern vom Verkaufskandidaten zum unverzichtbaren Stammspieler gemausert. Seine Zukunft ist offener denn je.

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Es war Ende Mai 2019, als die Bayern ihren siebten Meistertitel in Folge gewannen und Uli Hoeneß, damals noch Präsident, über Jérôme Boateng sagte: "Er wirkt wie ein Fremdkörper. Ich würde ihm als Freund empfehlen, sich einen neuen Verein zu suchen."

Der Innenverteidiger war vor dieser Saison mit Juventus Turin so gut wie einig, ein Wechsel zu den Italienern scheiterte aber in letzter Sekunde. Ein Jahr später dürften sich die Münchner darüber freuen. Denn der 31-Jährige hat unter Hansi Flick eine bemerkenswerte Renaissance erlebt.

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Weg vom kaum beachteten Bankdrücker, hin zum unverzichtbaren Stammspieler an der Seite von David Alaba. Zuletzt bereitete er bei Werder Bremen mit einem Traumpass den Siegtreffer von Robert Lewandowski vor und brillierte mit einem herausragenden Stellungsspiel in der Defensive.

Boateng unter Flick wieder gesetzt

Seit dem Trainerwechsel Anfang November hat Boateng 1636 Pflichtspielminuten absolviert. Der Ex-Nationalspieler arbeitete in der Winterpause an seiner Fitness, nahm mehrere Kilo ab und präsentierte sich bereits im Wintertrainingslager in Doha/Katar in Topform. Genauso wie es Flick von ihm eingefordert hatte. Yoga und private Fitnesstrainer halfen ihm dabei.

Boateng selbst verliert immer noch kaum Worte über seine Entwicklung und seine Zukunft. Laut seines Arbeitspapiers ist er noch bis 2021 an die Münchner gebunden. Und dass er diesen Vertrag auch erfüllt, ist nach SPORT1-Informationen keinesfalls ausgeschlossen.

Boateng fühlt sich wieder wohl bei den Münchnern, vor allem seit Flick das Ruder übernommen hat. Stolz auf seine Auferstehung ist nicht nur Flick, sondern auch Boatengs Freundin Kasia Lenhardt.

Sie schrieb über den Bayern-Star nach dem Gewinn seines achten Meistertitels mit den Münchnern auf Instagram: "Ich habe die letzten Monate/Jahre miterlebt, wie es aussieht, wenn sich jemand aus eigener Kraft dorthin zurückkämpft, wo er mal war. Ich habe miterlebt, wie viel Hass und Zweifel von außen kommen und wie unfassbar stark man mental sein muss, um dem standzuhalten. Du bist so gewachsen, ich kann es kaum in Worte fassen. Du bist glücklich und man sieht es. Du hast Dich selber übertroffen und es allen, vor allem Dir, bewiesen! Ich bin stolz, Dich an meiner Seite zu haben und Dich mein Vorbild nennen zu dürfen."

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Worte, die Boateng dazu verhelfen dürften, auch zukünftig Topleistungen abzurufen. Ungeachtet der möglichen Rückkehr von Niklas Süle und des 18 Jahre alten Abwehr-Talents Tanguy Kouassi, den die Bayern für die kommende Saison von Paris Saint-Germain verpflichtet haben sollen.

Zieht es Boateng in die Hauptstadt?

Boateng selbst kann sich einen Wechsel ins Ausland vorstellen oder einen zu Hertha BSC. Aber auch ein Verbleib beim FC Bayern ist möglich. Er und sein Berater Damir Smoljan (LIAN Sports) wissen, dass Klubs wie Paris und Manchester City für die kommende Saison händeringend nach einem Innenverteidiger suchen. Sie wissen aber auch, dass sich Boateng beim FC Bayern wieder einen Status erarbeitet hat, der ihm in die Karten spielt.  "Jérôme ist in einer blendenden Verfassung", meinte Flick am Freitag in der Pressekonferenz. "Wenn er bleiben sollte, bin ich nicht traurig, Ich weiß aber nicht, was seine Gedanken sind."

Konkrete Verhandlungen zwischen potenziellen Abnehmern und Boatengs Management finden derzeit jedenfalls nicht statt.

Bei den Münchnern zählt der Weltmeister von 2014 zu den Topverdienern. Und Flick scheint keine Anstalten zu machen, an seiner eingespielten Viererkette Veränderungen vorzunehmen. Wenngleich auch er weiß, dass mit Lucas Hernández ein Spieler für 85 Millionen Euro verpflichtet wurde, den Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge einst mit den Worten angepriesen hatte, dass er der "beste Innenverteidiger der Bundesliga" sei.

Den Beweis dafür blieb der Franzose bisher schuldig, dafür hat sich Boateng wieder zu einem der stärksten Innenverteidiger der Liga entwickelt.

Auch deshalb gewannen die Bayern ihre letzten 14 Pflichtspiele. Wettbewerbsübergreifende 15 Siege in Folge gelangen allerdings noch keinem Bundesligisten.

Uli Hoeneß wollte sich am Donnerstag auf SPORT1-Nachfrage nicht zu Boateng äußern, doch dem Ex-Präsidenten ist nicht entgangen, mit welcher Dominanz die Bayern in der Rückrunde und seit dem Re-Start antreten.

Auch dank Boateng.