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München - Christian Seifert findet die nationale Dominanz des FC Bayern für die DFL nicht wirklich förderlich. Schadet der Rekordmeister der Bundesliga wirklich?

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Christian Seifert ließ im SPORT1-Interview am Dienstag aufhorchen.

Für die Vermarktung der Deutschen Fußball Liga (DFL) sei die nationale Dominanz des FC Bayern nicht unbedingt förderlich, ließ der Liga-Boss verlauten.

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"Im Ausland spielt selbstverständlich der Wettbewerb um die Meisterschale eine sehr, sehr dominierende Rolle - eine dominierendere als im Inland", sagte Seifert.

Schließlich sei "im Idealfall auch eine spannende Meisterschaft" ein entscheidender Parameter für die erfolgreiche Vermarktung.

Abgesehen vom spannenden Finale in der Vorsaison, als Bayern und Dortmund nur zwei Zähler trennten, spricht bei acht Bayern-Titel in Folge mit durchschnittlich 14 Punkten Vorsprung - sollte es am 34. Spieltag beim derzeitigen Abstand bleiben - wenig bis nichts für Seiferts Idealfall.

Schadet der FC Bayern also der Bundesliga?

Bayern-Dominanz "langweilig und traurig"

Die bayerische Dominanz in Deutschland ist sicherlich ein Aspekt, der dafür spricht.

Der Ex-Leverkusener Bernd Leno, inzwischen beim FC Arsenal in England aktiv, sprach im SWR-Podcast Steil aus, was wohl viele, auch im Ausland, denken.

Es sei "langweilig und traurig", dass Bayern schon wieder Meister sei. "Man wünscht sich Spannung, aber ich sehe keine aufregende Meisterschaft in der nahen Zukunft. Dafür ist Bayern zu stark", sagte der Nationaltorhüter.

Die Aussage, Kinder würden keinen anderen Meister als den FC Bayern kennen, ist zwar inzwischen etwas ausgelutscht, aber auch wahr - und hat einen traurigen Kern. Denn ein Serienmeister spricht nicht unbedingt für eine weit ausgeprägte Fan-Diversität im Kinder- und Jugendalter.

Kinder wollen Siege sehen

Ein fußballbegeistertes Kind bejubelt doch zumindest zunächst eher Siege eines Titelkandidaten (lies: des FC Bayern) als Grottenkicks eines Abstiegskandidaten - das gab auch Ex-Bayern-Anhänger Christian Streich zu.

"Ich wollte am Wochenende einfach oft gewinnen als Fan", erklärte Freiburgs Trainer im SPORT1-Interview seine Beweggründe.

Dass die Schere zwischen den Bayern und den weiteren Klubs weiter auseinandergeht, ist dabei nicht förderlich. "Die anderen Vereine müssen finanziell so auf Naht nähen, um mithalten zu können", sagte SPORT1-Experte Marcel Reif im CHECK24 Doppelpass.

Der 70-Jährige meint sogar: "Wenn die Bayern weiter in der Bundesliga spielen wollen, werden sie sich sicher ein paar Gedanken machen müssen. Das hat aktuell mit Wettbewerb nichts mehr zu tun."

Zwar ist die Diskussion einer Liga ohne Bayern eine Scheindebatte, auch da der Klub von einer Super League nichts wissen will, ein "besserer" nationaler Wettbewerb ist aber wünschenswert.

Hier sind auch die Konkurrenten wie Dortmund und Leipzig, aber auch Gladbach und Leverkusen gefragt, die sich in direkten Duellen zwar zumindest teilweise gut verkauften, ihre Punkte dann aber woanders unnötig liegen ließen und sich aus dem Titelrennen verabschiedeten.

Die wirtschaftliche Ungleichheit wird sich in naher Zukunft kaum verändern, auch die Ausschüttung der neuen TV-Gelder wird wohl keine grundlegende Veränderung herbeiführen.

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Schließlich gab Seifert bei SPORT1 an, die Geldverteilung müsse auch "den europäischen Kontext und europäische Wettbewerbe berücksichtigen".

Bayern als Aushängeschild

Und das ist ein springender Punkt: Bayerns Außendarstellung in Europa.

Denn neben einer spannenden Meisterschaft seien laut Seifert "das Vorhandensein starker Klubmarken und auch das Abschneiden in internationalen Wettbewerben" für die Vermarktung der Bundesliga elementar.

Und der FC Bayern vertritt Deutschland international immer wieder erstklassig. Er ist ein regelmäßiger und oftmals auch einziger deutscher Vertreter in der K.o.-Runde der Champions League und gehört meist sogar zum Favoritenkreis.

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Auch beim diesjährigen Finalturnier werden den Münchnern gute Chancen auf den Titel eingeräumt. Ein bayerischer Erfolg wäre auch ein Erfolg für den deutschen Fußball.

"Da die Topklubs in der Regel weit kommen in der Champions League, erzielen sie dann auch erneut hohe Einnahmen und haben somit erneut gute Voraussetzungen", sagte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge im Handelsblatt.

Und Stichwort Klubmarke: Als Aushängeschild, als Klub mit weltweiter Anziehungskraft übt der deutsche Rekordmeister großen Einfluss aus - für, und nicht gegen die Bundesliga.

Die Website des Klubs wird – Bayerisch ausgenommen – auf sechs Fremdsprachen angeboten, in China wurden Fußballschulen eröffnet. Der FCB ist ein internationaler Klub, der dem Renommee des deutschen Fußballs im Ausland hilft. Der Klub macht das Produkt Bundesliga erst so richtig lukrativ.

Bundesliga ohne Bayern wirklich attraktiver?

Die Meinung, der FC Bayern schade dem Wettbewerb der Bundesliga, ist vertretbar. Eine Liga ohne Bayern wäre spannender - aber wäre sie wirklich auch attraktiver?

Schließlich wird innerhalb Deutschlands das Zugpferd durchaus auch als Gegner wertgeschätzt. Ein Duell mit einem vermeintlich übermenschlichen Kontrahenten macht doch häufig den Reiz des Sports erst so wirklich aus.

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"Wir spielen zweimal in einer Saison gegen Bayern und sehen das als etwas Tolles", sagte Christian Streich. Mit seinem Team hat er bereits häufiger gezeigt, dass es auch als "kleiner" Verein möglich ist, die Bayern zu ärgern.

"Es pusht und motiviert uns wahnsinnig, wenn wir gegen solche Mannschaften spielen", meinte Streich: "Wir nehmen diese Spiele als etwas Besonderes wahr, weil es einfach etwas Besonderes ist."

In gewisser Weise ist der FC Bayern Deutschland entwachsen. Noch überwiegen aber die Vorteile einen möglichen Schaden für die Bundesliga.

Doch klar ist auch: Für die Liga bleibt zu hoffen, dass besonders der BVB seine neuerlich geäußerten Titelambitionen, die er bereits vor der Saison betont hatte, noch nachhaltiger unter Beweis stellt.

Denn bei allem Respekt und früheren Gefühlen für den FCB fände es auch Streich, "einfach mal schön, wenn mal ein anderer Meister wird und die Bayern sich richtig ärgern und total genervt sind und sich noch mehr reinhauen das nächste Jahr."