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Bei vier Bundesliga-Klubs stehen die Trainer mit Beginn der neuen Saison direkt unter Druck. SPORT1-Chefkolumnist Tobias Holtkamp erklärt, warum das so ist.

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Die nächste Bundesliga-Saison kommt in diesem Jahr sehr schnell. Wenn die Relegation mit Bremen und Heidenheim durch ist, dauert es keine zehn Wochen, bis die Pflichtspiele schon wieder starten - mit außergewöhnlichen Drucksituationen bei vier großen Vereinen.

- Der BVB und Lucien Favre

Zunächst der BVB: Zwei extrem schwache Heimspiele zum Saisonende (0:2 gegen Mainz, 0:4 gegen Hoffenheim) sorgten dafür, dass in Dortmund wieder viel diskutiert und in Frage gestellt wird - statt positiv in die Pause zu gehen.

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Trainer Lucien Favre hat seine Mannschaft nicht mehr motivieren können, nachdem der Champions League-Platz sicher war. Der Unterschied zum FC Bayern wurde deutlich, der Rekordmeister feuerte sich selbst an, formulierte persönliche Ziele und blieb konzentriert - eben auch, als in der Liga schon alles gewonnen war.

Favre arbeitet mit Trainingsbeginn jetzt gleich wieder unter Beobachtung, intern wie extern, die erste Niederlage wird dem BVB die erste Krise bescheren - das hätten sie einfacher haben können. Mit etwas mehr Anspruch und Leistung.

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- David Wagner bei Schalke 04

Die Schalker Katastrophen-Rückrunde (nur ein Sieg, nur neun erzielte Tore) hat als Konsequenz, dass die sportliche Führung ihren Cheftrainer seit Wochen öffentlich stärken muss.

Schalkes Spiel war über Monate fast grauenhaft anzusehen. Und alle Argumente, warum sie von David Wagner weiter überzeugt sind, warum mit ihm auf Schalke auf jeden Fall die Kontinuität Einzug erhalten soll, sind genannt, mehrfach.

Das Problem: Weitere gibt es nun auch nicht. Jeder Kredit ist aufgebraucht. Wenn die Schalker im September nicht zeigen, dass sie es tatsächlich auch noch anders können, dass sie das gute und mutige Spiel nicht verlernt haben, dann ist der Brennpunkt sofort wieder aktiv.

- Hertha BSC und Bruno Labbadia

Unter dem Strich war Bruno Labbadia bei der Hertha dann doch nicht so viel erfolgreicher als Jürgen Klinsmann. 13 Punkte aus neun Spielen, Klinsmann holte zwölf, auch aus neun Spielen, bevor er plötzlich hinschmiss.

Trotzdem ist in Berlin ein neuer Geist zu spüren, ein Vorwärtsgang. Bundesliga-Vollprofi Labbadia hat den Verein, so abgedroschen das klingt, auf Kurs gebracht und aggregiert. Sie laufen wieder in dieselbe Richtung.

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Nur: Der Weg nach vorn, eben auch in der Tabelle, ist bei Hertha jetzt auch alternativlos. Die Möglichkeiten sind riesig. Investor Lars Windhorst hat den Verein zu einem Budgetriesen gemacht, es gehen plötzlich Transfers, die vorher nie möglich waren.

Bedeutet: Mit den Möglichkeiten steigt der Druck. Labbadia und Hertha müssen nach Europa, noch mal Zehnter geht nicht. Diese Last gilt es zu organisieren - und in Erfolg umzuwandeln. Sonst ist Hertha ganz schnell wieder in (Erklärungs-)Not.

- Markus Gisdol beim 1. FC Köln

So gut es in Köln begann unter Trainer Markus Gisdol, der im November übernommen hatte, so schlimm wurde es im letzten Saisondrittel. Als wäre es eine andere Mannschaft gewesen, die in den ersten Wochen unter Gisdol im FC-Trikot spielte.

Von dem Selbstvertrauen und der Handlungsschnelligkeit war plötzlich nichts mehr zu sehen. Seit März ging es nur noch bergab, am Ende zehn Spiele ohne Sieg in Serie, mit dem Tiefpunkt am letzten Spieltag, als die Kölner komplett ideen- und hilflos mit 1:6 in Bremen untergingen.

In der Mannschaft mehren sich, wie so oft in sportlichen Absturzphasen, die kritischen Stimmen, vor allem natürlich derer, auf die Gisdol plötzlich nicht mehr setzte. Der 1. FC Köln ist zu emotional, um nach so einem schlechten Saisonende auch zum Start weitere Tiefschläge auszuhalten.

Gisdol steht vom ersten Spieltag an im Fokus, er muss die Abwärtsentwicklung stoppen - sonst, die Vermutung liegt nahe, stoppt sie ihn.

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp als Chef-Kolumnist die wöchentliche Bundesliga-Kolumne.