Lesedauer: 4 Minuten

München - Hans-Joachim Watzke und Oliver Mintzlaff erläutern im CHECK24 Doppelpass die Situation von BVB und RB. Gibt es Hoffnung auf ein Ende der Bayern-Dominanz?

Anzeige

Für einen Moment zuckten alle Beteiligten im CHECK24 Doppelpass kurz zusammen. 

Man werde "all in" gehen, hatte RB Leipzigs Geschäftsführer Oliver Mintzlaff gerade verkündet. 

Anzeige

Würden die Leipziger womöglich noch konsequenter die sprudelnde Geldquelle von Brauselieferant Red Bull anzapfen, um zum Großangriff auf den FC Bayern zu blasen? 

Nein, nein, klärte Mintzlaff umgehend auf. Seine Aussage beziehe sich auf die sportlichen Grundtugenden wie Einstellung und Leidenschaft. "Von den Bayern sind wir noch weit entfernt", schob Mintzlaff fast bescheiden hinterher: "Wir sind, wenn überhaupt, der Dortmund-Verfolger."

Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund, hörte ihm als weiterer Gast im CHECK24 Doppelpass aufmerksam zu.

Watzke: "Der kollektive Frust richtet sich immer gegen uns"

Also bleibt auch in der nächsten Saison alles beim Alten? Leipzig jagt Dortmund, der BVB die Münchner - und am Ende wird Bayern Meister? 

"Der kollektive Frust, dass Bayern immer Meister wird, richtet sich immer gegen uns. Das ist für uns ein Problem", sagte Watzke, der aktuell erst mal das 0:4 zum Saisonabschluss gegen Hoffenheim verdauen musste.

Hoffnung auf Besserung macht der Borussia - und das hat in diesem Fall nichts mit Nostalgie zu tun - ihr letzter Meistertrainer. "Wir haben jetzt alle Jürgen Klopp bejubelt. Bei Liverpool hat es 30 Jahre gedauert. Ich hoffe, dass es nicht so lange dauert bei uns", sagte Watzke.

Profitiert Dortmund von Corona? 

Die nächste Chance wird auf jeden Fall Trainer Lucien Favre bekommen. "Er ist mit uns zweimal Vizemeister geworden. Vorurteile gibt es medial, damit kann er in der nächsten Saison aufräumen", hofft Watzke. 

Vielleicht, das hört sich zunächst paradox an, kann der BVB von der Coronakrise profitieren.

"Wir haben nächstes Jahr eine Situation, die untypischer ist als sonst. Mit Ausnahme von Achraf Hakimi wird die Mannschaft zusammenbleiben. Das hilft bei der Entwicklung", erklärte Watzke. 

Da auch bei den internationalen Topklubs das Geld derzeit nicht so locker sitzt, müssen die Dortmunder einen Verkauf von Leistungsträgern wohl nicht befürchten. 

Das gilt auch für Jadon Sancho. "Ich glaube nicht, dass ein Verein kommt und die Summe zahlt. Da gibt es auch keinen Cent Corona-Rabatt drauf", stellte Watzke klar: "Wir haben die Phase hinter uns gelassen, wo wir Spieler verkaufen mussten. Ich glaube nicht, dass es da einen Transfer im Sommer geben wird."

Mehr Erfahrung durch Meunier

Vielmehr hat der BVB in Thomas Meunier von PSG bereits einen erfahrenen Neuzugang verpflichtet. 

Watzke weiß aber auch, dass viele Spieler einen nächsten Entwicklungsschritt machen müssen, um die Dominanz der Bayern tatsächlich brechen zu können. 

"Wir haben noch sehr viele Spieler, die wir weiterentwickeln müssen, damit sie diese Mentalität kriegen", sagte Watzke.

Rashica Kandidat als Werner-Nachfolger

Ganz ähnlich verhält es sich in Leipzig. "Es ist unsere Philosophie, dass wir mit diesen Spielern einen langfristigen Weg gehen. Wir sehen keinen großen Umbruch. Es gibt keinen Grund, von dieser Philosophie abzuweichen", sagte Mintzlaff: "Wir haben mit Kevin Kampl verlängert, bei seinem Vertragsende wäre er 32. Es kann punktuell stattfinden, dass wir den einen oder anderen erfahrenen Spieler holen."

Aktuell muss Mintzlaff ohnehin erst mal eine Lücke schließen - die von Timo Werner.

Meistgelesene Artikel
  • Fussball / Bundesliga
    1
    Fussball / Bundesliga
    Bayerns vier heiße Startelf-Duelle
  • Fussball / Champions League
    2
    Fussball / Champions League
    Wo Gladbach besser ist als Real
  • Basketball / BBL
    3
    Basketball / BBL
    Covid-Zoff: "Zweiklassengesellschaft"
  • Int. Fussball / Ligue 1
    4
    Int. Fussball / Ligue 1
    Kovac mit seinem Latein am Ende?
  • Motorsport / Formel 1
    5
    Motorsport / Formel 1
    Hamilton der Beste aller Zeiten?

Das wird schwer genug, wie auch Mintzlaff einräumt: "Er hat 28 Tore in der Bundesliga geschossen. Ich glaube nicht, dass wir ihn eins-zu-eins ersetzen können. Da müssen wir ans Kollektiv denken."

Eine Option ist Werder-Stürmer Milot Rashica. "Er ist ein Spieler, mit dem wir uns beschäftigen. Damit sind wir nicht die Einzigen und er ist nicht der einzige Spieler, mit dem wir uns beschäftigen", erklärte Mintzlaff.

Ärgert RB Bayern in der Champions League?

Klein machen will sich RB aber nicht, im Gegenteil.

Eine Kampfansage, versehen mit einem Augenzwinkern, richtete Mintzlaff noch für diesen Sommer an die Bayern.

Auf die Frage, wann RB die Bayern im Kampf um einen Titel schlagen könne, entgegnete er: "Wir hoffen, dass wir es vor Dortmund tun. Nämlich diese Saison noch, wir spielen ja noch Champions League und daher haben wir noch eine kleine Restchance."

Wenn Neuer und Lewandowski aufhören...

Watzke setzt beim Angriff auf die Bayern womöglich auf den Faktor Zeit. 

"Ich war bei den letzten Meisterschaften, die Bayern nicht gewonnen hat, dabei", sagte Watzke: "Ich wage die steile These, dass den Unterschied von damals zu heute zwei Spieler ausmachen: Manuel Neuer und Robert Lewandowski."

Zwei Spieler, die zumindest nicht mehr ewig für die Bayern spielen werden.