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München - Mario Götze wird den BVB im Sommer verlassen. Bei der Wahl seines nächsten Klubs sollte er einen Schritt zurück machen, sagt SPORT1-Chefkolumnist Tobias Holtkamp.

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Es ist jetzt offiziell verkündet, das Aus von Mario Götze bei "seinem" BVB. Vier Jahre dauerte Götzes zweite Amstzeit in Dortmund, für 22 Millionen Euro war er gekommen von den Bayern, nun läuft der Vertrag aus. Götze, immer noch erst 27, geht ablösefrei.

Er hat sich einem neuen Berater angeschlossen, Reza Fazeli, der vor einigen Jahren mal die Wechsel von Mesut Özil, Nuri Sahin und Hamit Altintop zu Real Madrid eingefädelt hatte und zuletzt Emre Can zum BVB vermittelte, soll nun Götze einen neuen Verein bringen.

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Götze muss um seinen Platz kämpfen

Es gibt ein paar Dinge, auf die Mario Götze achten sollte - um einfach noch mal die Karriere-Kurve zu kriegen, die ihm so viele wünschen würden. Um sportlich wieder Erfolg zu haben.

Und vor allem: Um am Ende nicht ständig auf dieses eine Tor reduziert zu werden, 2014 im WM-Finale von Rio de Janeiro, als er, eingewechselt für Miro Klose, Deutschland zum Weltmeister schoss. Die Gefahr ist wahnsinnig groß.

Mario Götze muss unbedingt wieder unzufriedener werden. Natürlich nicht in Gänze, aber mit der Tatsache, in seinem Lieblingssport, den er so herausragend beherrscht, keine relevante Rolle mehr zu spielen. Wer den Mannschaftssport Fußball, erst Recht im Profibereich, nicht zu ganz großen Teilen als Einzelsport begreift, den wird das Geschäft packen - statt andersherum.

Wer nicht in jeder Sekunde um seinen Platz kämpft, und bei Mario Götzes fußballerischen Qualitäten kann es, fast egal in welcher Mannschaft, nur um einen Platz in der Startelf gehen, der geht auf Dauer unter. Weil Einsatz und Einstellung die Grundlage sind, dafür, sich zeigen und beweisen zu dürfen, seine Klasse darbieten zu können, immer und immer wieder.

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Heißt auch: Es wäre zu leicht, Götzes BVB-Aus einfach auf die Top-Qualität im Kader zu schieben. Ja, vielleicht hätte Trainer Lucien Favre in der einen oder anderen Situation mehr auf ihn setzen können. Wobei das schwer zu beurteilen ist, wenn man nicht täglich zumindest am Trainingsplatz steht und sich mit Beteiligten austauscht.

BVB-Star sollte eigene Ansprüche anmelden

Was aber zumindest genauso stimmt, ist, dass Götze mehr aus seinen Möglichkeiten hätte machen müssen. Dass er eben auch mal die Initiative ergreift, eigene Ansprüche anmeldet - statt, so machte es den Eindruck, immer alles zu akzeptieren. Es ist menschlich, auch mal ungemütlich zu sein, verärgert und wütend. Gut möglich, dass ihm eine gewisse Aggressivität auch auf dem Platz geholfen hätte. Statt immer sympathisch zu lächeln, dick eingepackt auf der Reservebank.

Doch vielleicht wäre das dann nicht Mario Götze. Vielleicht kann, vielleicht will er den Part nicht übernehmen. Weil er tatsächlich sehr zufrieden ist und dem Fußball in seinem Leben, oder zumindest in seiner Definition von Glück, mittlerweile eine Nebenrolle zugeordnet hat. Von den letzten zehn Fotos in seinem Instagram-Kanal zeigt ihn nur eines als Fußballer, häufig ist sein Werbepartner zu sehen, dazu seine Frau, wie er ein Star bei Instagram, sie erwarten ihr erstes Kind. Das macht ihn glücklich.

Es wäre wunderbar, das sehe ich so, Mario Götze Woche für Woche wieder auf dem Platz zu sehen. Seine Technik bestaunen zu können, sein Auge für die Mitspieler. Doch für die ganz Großen in Deutschland hat es sportlich am Ende nicht gereicht, nicht für Bayern, nicht für Dortmund.

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Ein Schritt zurück wäre im Fußball jetzt ziemlich sicher die richtige Entscheidung. Ein kleinerer Verein, ein Trainer, der ihn unbedingt will, eine Mannschaft, in der er spielt, fast egal in welcher Liga. Denn dann würde dieser Schritt zurück Mario Götze sogar nach vorne führen.

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp als Chef-Kolumnist die wöchentliche "Bundesliga-Kolumne".