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München - Pierre-Emile Höjbjerg vom FC Southampton hat eine bewegende Vergangenheit. Offen wie nie spricht er zum Krebsleiden seines Vaters während seiner Zeit beim FC Bayern.

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Pierre-Emile Höjbjerg hält sich in den eigenen vier Wänden fit, die Corona-Pause zwingt ihn dazu. Tochter Rosa hält ihn und seine Frau sowieso auf Trab, weshalb er sich für das Interview mit SPORT1 in einen ruhigen Raum seines Hauses zurückzieht. Dort formuliert er klare Gedanken zur Gegenwart und ebenso selbstbewusste, die seine Zukunft betreffen.

Das Gespräch mit dem 24 Jahre alten dänischen Nationalspieler, der beim FC Southampton in der Premier League Stammspieler und Kapitän ist, nimmt eine Wendung, als er über seine Zeit beim FC Bayern spricht (2012 bis 2015).

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Höjbjerg kämpfte dort um den Durchbruch, musste aber den tragischen Verlust seines Vaters verkraften. Ein emotionales Gespräch über die Entwicklung eines jungen Mannes, der den größten Kampf seines Lebens in München geführt hat, abseits des Rasens.

SPORT1: Herr Höjbjerg, werden Sie den Re-Start der Bundesliga verfolgen?

Pierre-Emile Höjbjerg: Ich habe schon immer viel Bundesliga geschaut, auch im Verlauf der aktuellen Saison. Vor allem das Freitagabendspiel und das Topspiel am Samstag. Ich kenne noch immer viele Spieler aus meiner Zeit bei Bayern, Augsburg und Schalke. Es ist eine gute Liga, mit viel Konkurrenz. Daher werde ich mir selbstverständlich den Re-Start der Bundesliga anschauen.

SPORT1: Was halten Sie davon, dass es in Deutschland weitergeht?

Höjbjerg: Das ist allein die Entscheidung der Politik. Wenn grünes Licht für den Re-Start gegeben wird, dann, weil man in Deutschland die Situation im Griff zu haben scheint. Das ist das Allerwichtigste und fantastisch für das Land. Ich bete dafür, dass wir die Pandemie bald überstanden haben und wir wieder alle in die Normalität zurückkehren können. Jeder muss auf seinen Nächsten aufpassen, das ist für mich der Schlüssel.

"Ich will Premier League und Champions League gewinnen"

SPORT1: Fantastisch läuft es für Sie beim FC Southampton. Sie sind Stammspieler und sogar Kapitän.

Höjbjerg: In den schwierigsten Momenten meines Lebens habe ich am meisten gelernt. Das hat mich dahin geführt, wo ich jetzt bin. Verantwortung habe ich in meinem Leben auch schon immer übernommen. Ich liebe den Druck, ich mag es, eine bedeutende Rolle inne zu haben, mich auf dem Platz zu zeigen und das Spiel an mich zu reißen. Es ist mein Traum, ein großer Spieler zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen, muss ich Verantwortung übernehmen.

SPORT1: Ihr Vertrag endet 2021. Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Höjbjerg: Ich weiß, was ich will, der Verein weiß es auch. Ich will irgendwann auf einem noch höheren Level spielen als derzeit. Das Verhältnis zwischen mir und Southampton ist aber fantastisch. Der Verein gab mir die Plattform, um zu wachsen. Ich sage nicht 'Goodbye' und bin auf meinen Verein fokussiert, aber mein Ziel ist ganz klar: Ich will die Premier League und die Champions League gewinnen.

SPORT1: Ist für Sie eine Rückkehr zum FC Bayern vorstellbar?

Höjbjerg: Es ist ein großartiger Klub, einer der größten Vereine der Welt. Aber nein, eine Rückkehr zum FC Bayern habe ich nicht im Sinn. Es könnte aber lustig sein, wenn ich eines Tages zurückkomme und sie mit meinem Team aus der Champions League rauswerfe. Mein Traum lebt jedenfalls: Die Königsklasse zu gewinnen, zusätzlich La Liga, den Scudetto, die Premier League oder noch mal die Bundesliga.

Höjbjerg: Will auf das Level von Schweinsteiger oder Alonso

SPORT1: Sie galten in München als großes Talent, der Durchbruch gelang Ihnen nicht. Sind Sie gescheitert?

Höjbjerg: Meine größte Schwäche in dieser Zeit war meine Ungeduld. Ich war nicht bereit, ein, zwei oder drei Jahre auf meinen Durchbruch zu warten. Ich wollte sofort wichtig sein. Ich war auch zu emotional. Ich war instabil, hatte viele Aufs und Abs. Ich wusste nicht, wie und wann ich meine Emotionen kontrollieren muss. Aber wie kann ich gescheitert sein? Ich habe im Alter von 17 bis 20 mit den besten Spielern der Welt trainiert. Ich war in einer Schule der Champions. Aber ich wollte dort weg und meine eigene Geschichte schreiben. Alles, was ich in München erreicht habe, hatte von mir niemand erwartet. Ich habe viele Erfahrungen gesammelt, sodass ich weiterziehen konnte, um mich woanders weiterzuentwickeln. Mit 23 wurde ich Kapitän in einem Premier-League-Klub. Jetzt bin ich hungrig darauf, die nächste Stufe zu erreichen. Ich bin mir sicher, dass ich eines Tages dort sein werde, wo ich immer hinwollte. Wenn man mich als den Gescheiterten bezeichnet, freut mich das. Denn es motiviert mich, das nächste Level zu erreichen. Ich ziehe erst ein Fazit nach meinem Karriereende, möchte eines Tages auf ein Level gekommen sein, das Bastian Schweinsteiger oder Xabi Alonso erreicht haben. Bis jetzt war es eine fantastische Reise, auf die ich sehr stolz bin.

SPORT1: Im Oktober 2014 forderten Sie öffentlich mehr Spielzeit, woraufhin Sie sich einen Rüffel von Pep Guardiola einfingen. Wie denken Sie heute darüber?

Höjbjerg: Ich war zu dieser Zeit sehr emotional und ungeduldig, das war ein schwieriger Cocktail. Ich habe damals zum Ausdruck gebracht, was ich gefühlt habe. Ich fühlte mich damals schon bereit, in diesem Starensemble Verantwortung zu übernehmen. Auch, wenn ich erst 17, 18 Jahre alt war. In München habe ich mich seinerzeit nicht als wichtig empfunden, also wollte ich woanders hin. Heute weiß ich, dass man sich Vertrauen und Respekt verdienen muss und nicht geschenkt bekommt. Dafür muss man erst mal hart auf dem Platz und im Fitnessraum arbeiten, mit viel Geduld. Diese Erfahrung ist heute ein wichtiger Teil von mir.

Höjbjerg: "Ich war wütend auf das Leben"

SPORT1: Sie sprechen mit 24 Jahren außerordentlich reflektiert und reif. Liegt es auch daran, dass Sie in jungen Jahren schon einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen mussten?

Höjbjerg: Absolut. Im Alter von 18 habe ich meinen Vater verloren. Ich habe zuvor viele Ratschläge von meinem Vater bekommen und mit ihm viel über Fußball gesprochen. Nach seinem Tod war ich einige Tage später wieder im Training und musste mein Leben fortführen. Ich war in einem Alter, in dem ich erwachsen sein musste, mich aber auch gerne in der Komfortzone meiner Eltern bewegt habe. Mal bin ich dort ausgebrochen, dann wieder zurückgekehrt. Das habe ich gebraucht. Plötzlich habe ich keinen Vater mehr an meiner Seite gehabt, der mir gesagt hätte: 'Stress dich nicht. Bleib' geduldig, nimm dir deine Zeit. Alles wird gut.' Stattdessen hatte ich zu viele Szenarien in meinem Kopf. Dadurch habe ich mir selbst Schwierigkeiten bereitet. Ich habe damals immer anderen einen Vorwurf gemacht. Ich war wütend auf das Leben, auf mich, auf jeden anderen, denn ich hatte meinen Vater verloren. Dafür konnte aber niemand etwas. Dennoch habe ich meinen Ärger und meine Gefühle gegenüber Menschen ausgelassen, die mir vertraut und geholfen haben. Ich habe damals aber niemandem zugehört, wollte nichts akzeptieren und verstehen. Heute sehe ich, wie ich damals war. Ich habe jetzt eine dreijährige Tochter, im Juni wird unser Sohn geboren, ich habe eine tolle Frau. Wir wohnen an einem schönen Ort und sind bodenständig. Das alles erleben zu können, hat gedauert, es hat mich Rückschläge gekostet. Ich war immer ein Mensch, der versucht hat, ein bis drei Schritte vorauszuplanen. Das macht aber den Körper und vor allem den Kopf müde. Jetzt verstehe ich das, früher nicht.

Pep Guardiola: "Du musst drei Kilo abnehmen" 

SPORT1: Nach welchen Prinzipien leben Sie jetzt?

Höjbjerg: Für mich ist es nun wichtiger, im Hier und Jetzt zu leben und ein paar Tage später das zu ernten, was man zuvor gesät hat. Als ich damals zu Pep Guardiola ging und gefragt habe: 'Was ist mit mir? Ich habe die ganze Woche gut trainiert', sagte er mir: 'Ja, aber zeig es mir wieder. Und wieder und wieder.' Als ich 18 war, habe ich in der Vorbereitung viele Spiele absolviert. Guardiola hat mir viel Vertrauen und Ratschläge gegeben. Dann habe ich meinen ersten Profivertrag unterschrieben und drei, vier Tage später stand ich wie jeden Morgen auf der Waage. Er kam zu mir, als ich dabei war, ein Glas Saft zu trinken. Er zeigte auf das Glas, nahm es mir weg und sagte: 'Das? No, no, no. Wenn du in meinem Team spielen willst, musst du drei Kilo abnehmen.' Er wusste aber wie ich, dass ich höchstens ein oder zwei Kilo abnehmen kann. Er hat mich dann zurück zu den Amateuren gesteckt, worüber ich sehr sauer war. Denn ich dachte, dass ich jetzt dauerhaft einer der Profis bin. Also begannen bei mir wieder die Gedankenspiele.

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SPORT1: Was passierte?

Höjbjerg: Ich weiß noch, wie wir bei der SpVgg Greuther Fürth spielten, Erik ten Hag war unser Trainer. Ich hatte den Ball, und er schrie mich an: 'Abspielen, abspielen.' Ich habe stattdessen nach rechts und links geschaut, mir alle Zeit der Welt genommen. Ich war ja der Erste-Mannschafts-Spieler und kann hier alles machen, dachte ich mir. Plötzlich wurde ich von hinten attackiert, verdrehte mir den Knöchel und fiel sechs Wochen aus. An meinem Geburtstag fixierte Dr. Müller-Wohlfahrt meinen kaputten Fuß in einem weißen Spezialschuh und am nächsten Tag rief mich mein Vater an. Ich war verletzt, bei meinem Vater war bereits der Krebs diagnostiziert worden und ich war seit einem Monat in der zweiten Mannschaft. Ich war natürlich unzufrieden, habe durch die ganze Situation Muskeln verloren, weniger gegessen. Als ich im September wiederkam, wog ich 85 Kilo, das war für Guardiola okay. Vor allem wegen unserer damaligen Ernährungsexpertin kam ich sehr fit zurück, was ihm gefallen hat. Im Training habe ich mich fortan jeden Tag reingehauen, und Guardiola kam zu mir und sagte: 'You will get your first game.' Drei Tage später spielten wir beim FC Augsburg im DFB-Pokal.

Das letzte Gespräch mit dem Vater

SPORT1: Dort wurden Sie in der 86. Minute für Toni Kroos eingewechselt und gaben ihr Pokal-Debüt. Glauben Sie, dass Sie mit Ihrem Vater an Ihrer Seite den Durchbruch beim FC Bayern geschafft hätten?

Höjbjerg: Das weiß man nicht. Er wusste aber, wie sehr sie mich geliebt haben. Ich wusste es auch, aber wollte immer mehr. Ich habe nie relaxt, das war nicht in meinem Blut. Das hat mich damals gebrochen, hat mir damals aber auch zum meinen Debüts verholfen, auch in der Champions League. An einem Tag im Dezember 2013, kurz bevor die Winterpause anbrach, las mein Vater bei mir in München die Zeitung. Irgendwann sagte ich: 'Ich könnte mich doch verleihen lassen.' Dann hat er seine Zeitung runtergenommen und mich gefragt: 'Was? Du willst Bayern München verlassen, den größten Klub der Welt?' Ich habe ihm geantwortet: 'Ja, ich muss spielen.' Er sagte dann: 'Ja, aber du spielst jeden Tag mit den besten Spielern der Welt. Bist du bescheuert? Deine Spielzeit ist jeden Tag, dein Finale ist jeden Tag.' Wir haben dann gestritten, obwohl er Krebs hatte. Er hat mir gesagt: 'Sie lieben dich. Bleib dort und bleib geduldig.' Ich habe es damals nicht wahrhaben wollen. Er sah mich am 19. April 2014 noch an der Seite von Schweinsteiger bei Eintracht Braunschweig spielen, es war ein gutes Spiel von mir. Danach rief er mich wieder an. Ich habe lange mit meinem Vater über dieses Spiel gesprochen. Es war das letzte Gespräch, das ich mit ihm geführt habe.

SPORT1: Denken Sie oft über seine Ratschläge nach?

Höjbjerg: Ich denke oft an seine Worte. Wir haben viele hitzige Debatten über den Fußball geführt. So hitzig, dass meine Mutter oft gesagt hat: 'Hört auf jetzt, geht schlafen!' Er sagte mir oft, dass ich noch nicht weit genug bin. Ich entgegnete, dass ich es aber sei. Ich bin stolz darauf, dass ich meine eigenen Schritte gemacht habe. Aber mit 18 sind die eigenen Pläne nicht immer die richtigen. Aber auch daraus lernt man, denn falsche wie richtige Entscheidungen prägen die Mentalität.

SPORT1: Ähneln Sie Ihrem Vater?

Höjbjerg: Meine Mutter sagt oft zu meiner Frau, dass ich wie mein Vater sei. Ich sage oft, dass ich es nicht bin. Aber vielleicht bin ich es doch. Mein Vater war sehr gründlich, sehr klar, zielstrebig. So bin ich auch. Ich habe aber auch viel von meiner Mutter.

SPORT1: Der FC Bayern soll Sie und Ihren Vater damals sehr unterstützt haben. Stimmt das?

Höjbjerg: Als ich den Anruf meines Vaters bekam und er mir von der Diagnose berichtet hatte, musste ich wenig später an die Säbener Straße zur Behandlung an meinem Fuß. Ich war sehr traurig und ging zuerst in das Büro von Michael Tarnat, denn er kannte mich am besten, war zu meiner Zeit in München fast wie ein zweiter Vater für mich. Mehmet Scholl war auch in seinem Büro. Anschließend ging ich zu Fredi Binder (FCB-Physiotherapeut von 1979 bis 2015, Anm. d. Red.). Er war ein großartiger Mensch und sehr wichtig für mich. Ich war sehr sehr traurig. Er sagte mir, dass man mir beim FC Bayern helfen werde. Also rief er direkt bei Uli Hoeneß an. Zusammen mit Dr. Müller-Wohlfahrt fanden sie für meinen Vater das beste Krankenhaus in München. Dort bekam er sehr schnell eine Chemotherapie. Das Ziel war, seinen Tumor kleiner zu bekommen und ihn dann zu operieren. Er hatte Krebs in seinem Magen. Mit der Hilfe des Klubs konnte er sich dort behandeln lassen, weshalb er mich acht Mal in München besuchen konnte. Alle zwei Wochen kam mein Vater zu mir und blieb für acht Tage bei mir. Je nachdem, wie stark er war. Es war die beste Zeit, die ich je mit meinem Vater hatte.

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Höjberg erkämpfte Boni, um die Chemotherapie zu zahlen

SPORT1: Können Sie das genauer erklären?

Höjbjerg: Für mich war die Zeit gekommen zu zeigen, dass ich Verantwortung für meinen Vater übernehmen kann. Ich erinnere mich, wie er in München gelandet ist und ich ihn abgeholt habe. Er sagte zu mir: 'Ich will nicht sterben, ich will nicht sterben.' Ich habe versucht, stark zu sein und nicht zu heulen, ich habe ihn in den Arm genommen und sagte ihm: 'Ich kämpfe mit dir. Wir werden es schaffen.' Immer war er es, der auf mich aufgepasst und mich umsorgt hat, der mir Essen zubereitet und Geld gegeben hat. Nun brachte ich ihn ins Bett, bereitete ihm Essen zu, gab ihm alles, was ich geben konnte. Es war eine sehr spezielle Zeit. Wir hatten wirklich die beste Zeit, die ich je mit meinem Vater hatte. Wir haben Kämpfe ausgefochten, hatten Aufs und Abs. In dieser Zeit haben wir über das Leben gesprochen wie noch nie zuvor. Als er Gewicht verlor und immer dünner wurde, gingen wir einkaufen. Früher ging er mit mir einkaufen, wenn ich Schuhe wollte oder einen Hoodie. Diesmal nahm ich ihn mit und sagte ihm: 'Kauf dir, was du brauchst und möchtest.' In der Wintervorbereitung habe ich für meinen Vater weitergekämpft. Es war sehr intensiv. Aber es war auch eine Zeit, in der ich nicht viel nachgedacht habe, sondern ein großes Feuer und eine große Liebe verspürt habe. Ich wollte nicht, dass mein Vater stirbt, also kämpfte ich um sein Leben und habe dieses Gefühl mit auf den Platz genommen. Ich hatte damals in meinem Vertrag stehen, dass ich pro Spiel einen Bonus bekam. Daher kämpfte ich auf dem Platz, um Spielzeit zu bekommen. Sobald ich auf den Rasen ging, hatte ich eine große Zuversicht, dass ich so hart trainieren kann, dass mich der Trainer tatsächlich spielen lässt und ich die Krebsbehandlung meines Vaters mit dem Bonus bezahlen kann. Mein Vater wusste davon nichts, und ich wollte auch nicht, dass er davon etwas mitbekommt, dass ich die Rechnung nur durch den Bonus rechtzeitig bezahlen konnte. Wie erhofft, wurde der Krebs im Dezember tatsächlich kleiner. Die Operation im Januar 2014 in Regensburg war aber zu groß und intensiv. Davon hat er sich bis zu seinem Tod am 22. April nie richtig erholt.

SPORT1: Im Januar 2015 ließen Sie sich zum FC Augsburg verleihen. Gegen den Rat Ihres Vaters.

Höjbjerg: Ja, denn nach seinem Tod war es in der darauffolgenden Sommer-Vorbereitung schwierig für mich, denn ich hatte kein Ziel mehr vor Augen, mit dem ich meinen Vater stolz machen kann. Ich habe mich leer gefühlt. Obwohl ich beim besten Verein spielte, hatte ich keine hundertprozentige Motivation mehr. Diese Zeit ist immer noch unfassbar für mich, wenn ich jetzt daran zurückdenke. Ich befand mich in einem Wechselbad der Gefühle und das war ein Grund, weshalb es mental schwierige sechs Monate für mich wurden und ich mich nach Augsburg verliehen ließ. Beim FCA hatte ich eine tolle Zeit. Ich hatte in München aber fantastische Menschen um mich herum, die sich um mich gesorgt haben. Das ist meine Story. Das war mein Leben, und nun bin ich 24 und blicke zurück. Seit dem Tag, an dem meine Tochter Rosa im September 2017 geboren wurde, habe ich wieder ein Ziel vor Augen. Denn ich wusste, für was ich jeden Tag kämpfen möchte. 'Ich habe ein Geschenk des Lebens bekommen', dachte ich mir. Ich wusste, sie gehört zu mir, ich darf sie niemals fallen lassen und enttäuschen.