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München - Nach der Niederlage von Borussia Dortmund im Top-Duell mit den Bayern ist die Meisterschaft so gut wie futsch. Selber schuld, meint SPORT1-Chefredakteur Pit Gottschalk.

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Ja, Lucien Favre darf beste Statistikwerte für sich in Anspruch nehmen. Neun Siege in elf Rückrundenspielen ergeben eine ausgezeichnete Bilanz für den BVB-Trainer. Doch was hilft einem Titelfavoriten so eine Siegesserie, wenn der letzte Schritt fehlt: Siegen, wenn’s drauf ankommt? 

Beim Heimspiel gegen Bayern München kam es darauf an, dass die Favre-Elf drei Punkte holt, um den Rückstand zum Titelverteidiger und Spitzenreiter auf einen zu verkürzen. Nun, das Spiel ging 0:1 verloren, und das Kimmich-Tor tat doppelt weh: Der Rückstand beträgt jetzt sieben Punkte.

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Spielwitz im Spitzenspiel verschwunden

Ja, Lucien Favre darf so ein Spitzenspiel verlieren. Auch zu Hause, wo die Unterstützung von der Südtribüne komplett fehlte. Aber auch diese Sicht gehört zu seiner Bilanz: Gegen Bayern ist seinem Team in dieser Bundesliga-Saison kein einziges Tor gelungen. Das Hinspiel endete 0:4.

Was die Niederlage gegen Bayern so bitter macht: Der Spielwitz, der sich seit der Winterpause mit der Ankunft von Erling Haaland entwickelt hat, war im Spitzenduell verschwunden. Der BVB plötzlich: keine überraschenden Finten, ohne Mumm im Angriff, ein Kaninchen vor der Schlange.

Borussia Dortmund ist deshalb keine schlechte Mannschaft und Lucien Favre kein schlechter Trainer. Nur wird der Bayern-Verfolger Nummer eins mit dieser Spielweise niemals die Chance auf die Meisterschale bekommen. Dafür muss auf dem Rasen Überraschendes passieren.

Boatengs vermeintliches Handspiel keine Ausrede 

Man kann bei einem Star-Ensemble wie dem FC Bayern nicht darauf hoffen, dass die trotzdem unvermeidbare Schwächephase länger als ein paar Spiele dauert. Dafür trainiert Hansi Flick seine Mannschaft zu seriös und zu klug. Man muss die Bayern schon schocken.

Und das tat Borussia Dortmund in keiner Phase des Spiels. Dass Schiedsrichter Tobias Stieler ein vermeintliches Handspiel von Jérôme Boateng nicht gepfiffen hat, darf keine Ausrede sein. Fünf Schüsse aufs Tor sind in einem Heimspiel erbärmlich, wenn der Gegner genau so viele hat.

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Bayern-Hasser müssen sich mit dem Gedanken anfreunden, dass der Rekordmeister seinen Sieben-Punkte-Vorsprung an den letzten sechs Spieltagen verteidigen und die achte Meisterschaft in Folge gewinnen wird. Man sollte ihnen zurufen: selbst schuld.

Beschweren dürfen sich diejenigen, die sich was ausgerechnet haben, nicht. Seit 2013 gab es ausreichend Gelegenheit so furchtlos aufzutreten, wie es Eintracht Frankfurt im DFB-Pokalfinale 2018 gegen die Bayern getan hat.

Borussia Dortmund ließ die Gelegenheit erneut verstreichen.

Favre entfacht Trainerdiskussion

Dass schon eine zweite Niederlage in diesem Jahr reichte, um die Trainerfrage in Dortmund anzuheizen, sagt eine Menge über Lucien Favres Stellung beim BVB aus. Nicht die Journalisten entfachten die Diskussion - sondern der Trainer selbst mit seinen nebulösen Aussagen.

Wenn er das so gemeint hat, dass die Ansprüche ihm über den Kopf wachsen, sind seine Tage beim BVB gezählt. Wenn nicht, das zeigt nichts deutlicher, worin das Missverständnis besteht: Favre ist nicht eindeutig. Auch das zweite kann sich kein Spitzenverein bei einem leitenden Angestellten leisten.

Es heißt, Borussia Dortmund habe bereits Kontakt zu Niko Kovac. Dafür gibt es zur Stunde keine Bestätigung. Logisch wäre die Entwicklung. Der frühere Bayern-Trainer weiß, wie man Meister wird. Und hat mit Eintracht Frankfurt, siehe oben, zu deutlich gezeigt, wie man Bayern die Zähne zeigt.