Matthias Sammer arbeitete zwischenzeitlich auch als TV-Experte
Matthias Sammer arbeitete zwischenzeitlich auch als TV-Experte © Getty Images
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Matthias Sammer spricht über seine Anfänge als Trainer - und warum er für den Job noch nicht bereit war. Außerdem erklärt er das Geheimnis hinter dem Bayern-Triple.

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Matthias Sammer hat zugegeben, dass der Schritt zum Trainerjob nach seiner aktiven Karriere "zu früh" kam. 

"Ich war zu jung, war vom Persönlichkeitsprofil her noch nicht gefestigt. Die fünf Jahre damals waren geistig unglaublich anstrengend. Ich war einsam und ständig unter Druck, weil ich wusste, dass mir nach meinen eigenen Ansprüchen einige Grundlagen fehlten", sagte der heutige Berater von Borussia Dortmund im Buch "Mensch Trainer" von Isabella Müller-Reinhardt, aus dem der Sportbuzzer zitiert. 

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Nach dem verletzungsbedingten Karriere-Ende in Dortmund war Sammer auf die Trainerbank gewechselt und wirkte dort vier Jahre lang an der Seitenlinie, ehe er für ein Jahr zum VfB Stuttgart wechselte. 

Ein gewisses Maß an theoretischem Hintergundwissen habe ihm gefehlt, um noch mehr Sicherheit zu haben, sagt er heute. Dennoch wurde er in der Saison 2001/02 mit dem BVB Meister. "Nach vier Jahren in Dortmund und einer Saison in Stuttgart sagte ich mir, jetzt mache ich das, was ich vor meiner Trainerlaufbahn hätte machen müssen: Weiterbildung und Fortbildung, bessere theoretische Grundlagen."

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Er wollte den Job als Fußballlehrer damals noch besser verstehen und habe sich deshalb "Dr. Karsten Schumann an meine Seite geholt, der heute Professor in Saarbrücken ist. Ich war immer von Ehrgeiz zerfressen, aber ich wollte das alles nur für mich selbst."

Wegen seines "Anspruchsdenken bis unter die Decke" hatte er das Gefühl, dass ihm immer noch ein paar Elemente fehlten. 

BVB-Berater: Das macht einen guten Trainer aus

Als Trainer wird er wohl nicht mehr auftreten. Trotzdem weiß er ganz genau, auf was es ankommt. 

"Ein Trainer ist unterm Strich nichts anderes als ein Lehrer. Er muss eine natürliche Autorität besitzen, keine gespielte oder gekünstelte. Und er braucht empathische Fähigkeiten, um den Einzelnen, aber auch die Gruppe führen zu können."

Natürlich benötige ein Coach auch eine gewisse Qualität in der Mannschaft, mit "elf Trabis gewinnt man kein Formel-1-Rennen. Aber als guter Anführer holst du aus einer Gruppe immer nochmal drei bis fünf Prozent mehr raus. Mit der richtigen Ansprache und weil du die Fähigkeit besitzt zu erkennen, wer deine Leader im Team sind. Das ist die große Kunst eines guten Anführers." 

Das eigene Team in Leader, Individualisten, Teamplayer und Ergänzungsspieler einteilen zu können, sei für den Coach entscheidend. "Leader sind Typen, die alles für die Mannschaft geben und die alles machen, um zu gewinnen, auch wenn es mal unangenehm wird. Leader müssen vom Trainer gestützt werden und sind unantastbar. Sie schwanken manchmal zwischen Genie und Wahnsinn, sind extrovertiert und können eine Gruppe überzeugen, ihnen zu folgen." 

Sammer: Bayern-Triple wegen Robbery

Und genau das geschah laut Sammer beim Triple-Gewinn des FC Bayern im Jahr 2013. Damals war der Fußball-Fachmann Sport-Vorstand der Roten. 

Mit Arjen Robben und Franck Ribery spielten damals zwei mittlerweile verabschiedete Vereins-Legenden eine herausragende Rolle. Wenn es nach Matthias Sammer geht, waren es aber nicht nur die Tore und Vorlagen, die das kongeniale Duo zum entscheidenden Faktor werden ließen. 

"Franck Ribéry und Arjen Robben sind ein perfektes Beispiel. Als die beiden plötzlich für das Team spielten, hat Bayern das Triple geholt", erklärte Sammer. 

Er kategorisierte die beiden ehemaligen Außenspieler als "Individualisten". Der Europameister von 1996 sprach davon, wie wichtig es sei, diesen Spielertyp seine Kreativität ausleben zu lassen. 

"Auf der einen Seite brauchen Individualisten Freiheit, um ihre Qualitäten ausspielen zu können. Auf der anderen Seite müssen sie von den Leadern eingefangen und dazu gebracht werden, auf dem Platz für die Mannschaft zu arbeiten", sagte der 52-Jährige. Erst als dies bei den Bayern geschehen sei, habe das Team den maximalen Erfolg feiern können.