Alex Schlüter mit DAZN-Mikro
Alex Schlüter (l.) wird das Berliner Derby für DAZN vor Ort beobachten © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images/iStock
Lesedauer: 4 Minuten

München - Der Berliner Derby zwischen Hertha und Union findet im leeren Olympiastadion statt. Warum sich die Zuschauer trotzdem darauf freuen sollten, erklärt DAZN-Moderator Alex Schlüter.

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Jürgen Klopp besitzt die Gabe, in komplizierten Situationen die richtigen Worte zu finden. Einfache Worte, die jeder versteht und nachvollziehen kann.

So wie nach der Niederlage im Champions League-Finale 2018, die er mit schlecht schmeckender Medizin verglich. "Aber ich habe als Kind gelernt, dass Medizin, die schlecht schmeckt, meistens hilft", sagte er damals und gewann ein Jahr später den Titel.

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Und wenn er von einer komplizierten Sache keine Ahnung hat, dann sagt er das auch. Noch so eine Gabe. Zuletzt gehört vor ein paar Wochen, als ihn Journalisten zum Corona-Virus befragten und er die Kollegen ausdrücklich an die fachkundigen Virologen verwies.

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Geisterspiele sind kompliziert. Niemand mag sie wirklich, aber sie sind wohl doch nötig, um Vereine am Leben zu halten. Ein erster Geisterspieltag liegt nun hinter uns. Ein besonderer Spieltag – mit Stadionhymnen, die aus vollen Rohren ins Leere spielten. Mit Spielern, die mal mehr und mal weniger Anstand besaßen, mit Abstand zu jubeln. Vieles kurios, manches fragwürdig.

Macht das noch Spaß? Kann man das was bleibt, wenn die Bundesliga die Fans verliert, noch mögen?

Viele suchten nach Worten, um diese Fragen zu beantworten, die treffendsten fand Jürgen Klopp. "Wir haben alle angefangen ohne Fans zu spielen, und wir lieben Fußball nicht wegen der Atmosphäre im Stadion", so der Liverpool Coach zur BBC.

Mir spricht er damit aus der Seele. Die Stimmung, die Ekstase auf den Rängen, all das gehört eigentlich zum Fußball dazu. Ohne die Fans auf den Tribünen wäre der Fußball niemals so groß geworden wie er heute ist. Aber ohne den Fußball wären diese Fans niemals gekommen. Der Kern von allem ist das rohe Spiel, das wir alle irgendwann auf dem Bolzplatz um die Ecke zu spielen begonnen haben.

Und weil das so ist, hat es sich auf eine spezielle Art sogar gut angefühlt, festzustellen, dass mich einige Spiele tatsächlich begeistert haben - trotz aller Nebengeräusche, oder eben gerade keiner. Die ambitionierte erste Hälfte der Unioner gegen den FC Bayern zum Beispiel – taktisch wie kämpferisch eindrucksvoll, bis die spielerische Qualität des Rekordmeisters die Eisernen schließlich doch in die Knie zwang.

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Noch etwas überraschender verlief das Spiel des Stadtrivalen. Nachdem die Hertha in den Wochen zuvor für mehr Lacher gesorgt hatte als das komplette Bühnenprogramm von Dieter Nuhr, gewann die Mannschaft von Neu-Trainer Bruno Labbadia deutlich mit 3:0 bei der TSG Hoffenheim.

Heute Abend treffen sich die beiden Berliner Teams im Olympiastadion zum Gruppensport mit Sondergenehmigung. Das Derby wird ziemlich sicher das Spiel des Wochenendes, bei dem am deutlichsten spürber sein wird, das etwas fehlt.

Ich darf als Reporter einer der wenigen Zuschauer vor Ort sein. Die Interviews sind nur mit Hilfe eines Teleskopmikros erlaubt, der Innenraum ist tabu. Und trotzdem freue ich mich auf die Partie. Auf zwei unterschiedliche Mannschaften, die versuchen werden, dem Gegner die bevorzugte Spielweise aufzudrängen. Auf ein Union-Team, das mit dem so einfachen wie effizienten Stil versuchen wird, den Hinspielsieg zu wiederholen. Und auf ein Hertha-Team, das besetzt ist mit verrückten Individualisten, die Bruno Labbadia weiter zu einer erfolgreichen Einheit formen will.

Ob es vergleichbar sein wird mit dem hochemotionalen Hinspiel im vergangenen November? Sicher nicht. Aber es wird gekickt und das ist es doch, was wir alle irgendwann angefangen haben zu lieben, um es mit Kloppo zu sagen.

Dessen letzter Auftritt im Berliner Olympiastadion war übrigens das Pokalfinale 2015 zwischen Dortmund und Wolfsburg. Es war Jürgen Klopps letztes Spiel als Trainer des BVB, noch lange nach Abpfiff wurde er frenetisch von tausenden Fans auf den Rängen gefeiert. Irgendwann freue ich mich wieder gewaltig auf solche Bilder, aber für den Moment macht mich der Fußball auch ohne die Nebengeräusche glücklich.