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Düsseldorf und Gelsenkirchen - Schalke 04 ist das schwächste Rückrundenteam der Bundesliga, David Wagner steht trotzdem nicht zur Debatte. Aber: Der Druck auf den Trainer wächst.

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Der FC Schalke 04 ist in der Rückrunden-Tabelle Letzter! Noch schlechter als Paderborn, Bremen oder Düsseldorf, wo es am Mittwochabend eine bittere 1:2-Niederlage setzte.

Seit zehn Spielen sind die Königsblauen nun schon sieglos - und trotzdem steht Trainer David Wagner intern nicht zur Debatte.

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"Wir sprechen ganz offen und diskutieren die Fragen", sagte Sportchef Jochen Schneider. "Es gibt keine Kritik am Trainer, sondern an uns allen. Wir alle müssen etwas besser machen. So wie in den letzten drei Spielen können wir uns nicht präsentieren."

S04-Bosse von Wagner überzeugt - aber Druck wächst

Bei Sky bekräftige Schneider: "Wir werden gemeinsam mit David Wagner zur neuen Saison diesen roten Faden wieder aufnehmen und damit weitermachen, wo wir im Januar, Februar unterbrochen wurden. Er ist gefestigt und angriffslustig."

Diese Aussagen decken sich mit den SPORT1-Informationen, wonach die Bosse weiterhin von Wagners Arbeit überzeugt sind. Klar ist aber auch: Der Druck wächst. Auf Schalke sind Trainer schon für deutlich kleinere Ergebnisdellen vor die Tür gesetzt worden.

"Das ist unterm Strich natürlich zu wenig", redete Schneider die neunte Saisonpleite gar nicht erst schön. "Es ist extrem bitter, das dritte Spiel in Folge zu verlieren. Diesen Negativlauf müssen wir schleunigst beenden. Eine gute Leistung von allen ist jetzt am Samstag Pflicht."

Dann spielt Schalke zuhause gegen Bremen (Bundesliga: FC Schalke 04 - Werder Bremen am Sa. ab 15.30 Uhr im LIVETICKER).

Wo ist das Schalke der Hinrunde?

Von den starken Leistungen aus der Hinrunde ist S04 zurzeit meilenweit entfernt. Die Knappen können sich glücklich schätzen, in der ersten Hälfte so viele Punkte eingefahren zu haben - sonst würden sie bei der Punktausbeute der vergangenen Wochen noch in Abstiegsgefahr geraten.

Was aber läuft auf Schalke seit der starken Hinrunde schief?

Seinerzeit war Wagner noch mit seinen 4-2-3-1- und 4-4-2-Systemen erfolgreich. Sein Spielstil zeichnete sich, wie schon in den drei Jahren in England bei Huddersfield Town (2015 bis 2019), durch hohes Pressing mit offensiv agierenden Außenverteidigern aus. Das ist mit Blick auf die Verletztenliste aber schlichtweg nicht mehr möglich.

"Wir können nicht mehr so spielen wie in der Hinrunde", sagt Wagner, "weil wir nicht mehr die Möglichkeiten dazu haben".

Wagner setzt in Düsseldorf auf Defensive

Schalke fehlt schlichtweg die Qualität in der zweiten Reihe, um diese Ausfälle adäquat abzufangen. Hier muss Schneider im Sommer eigentlich nachjustieren. Ohne Kohle - Schalke hat 197 Millionen Euro Schulden - wird das allerdings eine schwierige Aufgabe.

Zuletzt wurde Wagner vorgeworfen, er habe keinen Plan B. In den drei Spielen seit dem Re-Start versuchte es der gebürtige Frankfurter mit drei verschiedenen Ausrichtungen.

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In Düsseldorf schickte der 48 Jahre alte Fußballlehrer eine total defensive Grundtaktik ins Rennen. Gegen den Ball arbeitete Schalke aus einem 5-4-1-System heraus und überließ Düsseldorf das Spiel. Bis zum 1:0 durch Weston McKennie ging die Spielidee auf - doch dann nahm das Unheil mal wieder seinen Lauf.

Schalke-Offensive zu harmlos

Die Offensive war auch in Düsseldorf wieder erschreckend schwach. Im Spiel nach vorne hießt es oft nur "Go Rabbi! Go!" - doch der schnelle Matondo verrannte sich immer wieder. Die beiden besten Chancen spielten er und Daniel Caligiuri einfach zu schlecht aus.

Die Sturm-Krise auf Schalke geht damit weiter: Guido Burgstaller und Michael Gregoritsch blieben erneut erfolglos. Die Fans fordern daher den Einsatz von Eigengewächs Ahmed Kutucu, der noch ohne Startelf-Einsatz ist.

Wagner sagte dazu auf SPORT1-Nachfrage: "Ahmed ist ein ganz feiner Kerl und hat Talent. Er kommt auf seine Einsatzzeiten." Zu mehr reicht es wohl noch nicht, zumal der 19-Jährige, so heißt es, im Training oft zu planlos agiert und sich nicht an taktische Vorgaben hält.

Wagner sagte zur Kritik an seiner Mauer-Taktik: "Es ist ja offensichtlich, dass das für uns in der momentanen Situation mit all den Schwierigkeiten, die wir haben, die Formation ist, mit der die Wahrscheinlichkeit, um wieder Tore zu erzielen und Punkte zu holen, die einzig richtige und einzig mögliche ist."

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Kapitän Mascarell stärkt Wagner

Die Kritik der Fans an Wagner wird immer lauter, die entscheidenden Personen im Verein stehen aber noch hinter dem Coach. Auch Kapitän Omar Mascarell stärkte seinem Chef in der Sport Bild den Rücken: "Er ist ein Top-Coach. Unsere aktuell schwierige Situation liegt nicht am Trainer. Wir als Mannschaft sind gefordert." Die Mannschaft stehe zu 100 Prozent hinter Wagner und glaube an seine Ideen.

Immerhin: Nach SPORT1-Informationen rückt ein Comeback von Mascarell näher. Der spanische Mittelfeldspieler soll am Montag wieder voll ins Teamtraining einsteigen und könnte für das Gastspiel in zwei Wochen bei Union Berlin schon eine Option sein. Für die Partie bei den Eisernen soll dann auch Amine Harit (Innenband im Knie) wieder zurückkehren.

Es wären entscheidende Personalien, die Wagner wieder mehr Möglichkeiten geben würden.