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Marcel Reif beleuchtet in seiner SPORT1-Kolumne den Re-Start und die Jubelregel der Bundesliga. Auch die Transferpolitik des FC Bayern ist Thema.

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Hallo Fußball-Freunde,

endlich ist der Fußball wieder da. Mit ihm kehrt ein Stück des normalen Lebens zurück, bei allen Einschränkungen, die es noch gibt. 

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Der Re-Start war für mich alternativlos. Die Politik und die Gesellschaft haben dafür gesorgt, dass wir diesen Schritt machen können. Und dann musst du ihn auch machen. 

Die Leute sprechen jetzt mal nicht mehr über Reproduktionszahlen, sondern dürfen sich für zwei oder drei Stunden über Torwartfehler aufregen und Tore bewundern. Das hilft. 

Jubelregel ist nicht der richtige Ansatz

Unter strenger Beobachtung befand sich an diesem besonderen Spieltag die Umsetzung der Vorgabe, dass der Torjubel nicht mit innigen Umarmungen, sondern hygienisch korrekt ablaufen sollte. 

Hertha BSC hat sich daran nicht gehalten. Dass Trainer Bruno Labbadia diesen Umstand anschließend herunterspielt und sagt: "Wenn wir nicht so jubeln dürfen, brauchen wir gar nicht mehr Fußball zu spielen", ist kein guter Ansatz.

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Durch das Jubeln enstehen keine neuen Infektionen, das mag richtig sein. Es geht bei der Regelung aber um Symbolpolitik. Der Fußball will das Vertrauen zurückzahlen, das die Politik in den Sport gesetzt hat. Die Message lautet: "Wir würden auch gerne anders jubeln, aber das wäre das falsche Signal."

Auch Augsburgs neuer Trainer Heiko Herrlich hat leider solch ein falsches Signal gesetzt. 

Ich weiß nicht, was ihn da geritten hat. Das war Realsatire, eigentlich ist er ein rhetorisch guter und nachdenklicher Mensch. 

Er hat aus der Situation aber das Beste gemacht. Er hat sich geäußert und sich den Konsequenzen gestellt. Er hat die Mannschaft nicht trainiert und konnte auch bei seinem Debüt nicht auf der Bank sitzen. Was Schlimmeres kann dir nicht passieren. Das Wichtigste ist dabei aber die Transparenz. Damit kann ich leben.

Dadurch bekommen die Leute keine Munition, die unsachlich gegen die Wiederaufnahme des Spielbetriebs argumentieren. 

Aus Schalker Sicht ein verheerender Spieltag

Zum Sportlichen: Die Fans von Schalke 04 hatten an der 0:4-Klatsche im Revierderby bei Borussia Dortmund wenig Freude. 

Als Schalke gemerkt hat, dass Dortmund besser war, kam die Corona-Situation dazu. Dann sagt eine Mannschaft, das hat eh keinen Zweck.

Wenn du weißt, dass du spielerisch nicht mithalten kannst, musst du aber wenigstens versuchen, die Qualität des Gegners zu unterbinden. Das kannst du nur über Zweikämpfe. Diesbezüglich hat das leere Stadion den Königsblauen zusätzliche Probleme bereitet.

Die Analyse dieses Spiels ist auf Schalke aus sportlicher Sicht verheerend.

Ein großes Problem der Schalker ist die Torwartposition. Gegen den BVB spielte Markus Schubert, der allerdings mehrmals nicht gut aussah.

Sein Konkurrent Alexander Nübel hat zuletzt auf dem Platz ebenfalls falsche Entscheidungen getroffen - wie bei seiner Roten Karte. Diese Fehler machst du nur, wenn du nicht regelmäßig spielst. Deswegen bin ich sehr gespannt, wie er sich entwickelt, wenn er im Training beim FC Bayern dann vom weltbesten Torwart Manuel Neuer lernt. 

Sven Ulreich ist beim FC Bayern der verdiente Meister des Sports. Den kann man an der Säbener Straße gar nicht genügend würdigen. Er ist ein Diener des Klubs, wie es sie selten gibt, vor ihm habe ich den allergrößten Respekt.

Nübel kommt aber mit einer anderen Voraussetzung. Er meint: Ihr sagt, dass ich mal Welttorwart werden kann und nun will ich auch spielen. 

"... dann explodiert der ganze Laden"

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat im CHECK24 Doppelpass gesagt, dass Erling Haaland auch dem FC Bayern gutgetan hätte.

Allerdings hätte Haaland meiner Ansicht nach in München gar nicht spielen können, weil Robert Lewandowski da vorne sagt: "Jetzt spiele ich." 

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Wir haben immer gesagt, dass die Bayern verrückt sind, im Sturm nur auf einen Spieler zu setzen. Lewandowski will aber immer spielen. Wie soll sich da einer hinter ihm entwickeln?

Wenn du aber einen holst, der genauso gut ist wie Lewandowski, dann explodiert dir der ganze Laden.

Bis demnächst,
Euer Marcel Reif

Marcel Reif ist nach rund 1.500 kommentierten Spielen eine Reporter-Legende. Für seine Arbeit erhielt Reif unter anderem den "Grimme Preis", den "Deutschen Fernsehpreis" und den "Bayerischen Fernsehpreis". Seit Sommer 2016 begleitet Marcel Reif als Experte den CHECK24 Doppelpass auf SPORT1.