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Bremen - Der Ball rollt wieder in der Bundesliga. Der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer sieht den Re-Start generell kritisch. Bei SPORT1 erklärt er seinen Standpunkt.

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Der Bundesliga-Neustart in Zeiten der Corona-Pandemie hat im Vorfeld kontroverse Diskussionen ausgelöst.

Auch der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer zählt zu den Kritikern.

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"Wir haben aus unserer Position nie einen Hehl gemacht", sagte der SPD-Politiker am Freitag im Gespräch mit SPORT1. "Wir sind weiterhin der Auffassung, dass der Spielbetrieb zu diesem Zeitpunkt nicht zu verantworten ist. Die Entscheidung ist aber gefallen, die Bundesliga wird spielen. Insofern müssen wir uns auf diese Situation vorbereiten."

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Re-Start in Bremen - Innensenator Mäurer hat Bedenken

Am Montag rollt auch in Bremen wieder der Ball, wenn der SV Werder zum Abschluss des 26. Spieltags auf Bayer Leverkusen (Bundesliga: Werder Bremen - Bayer Leverkusen, Montag ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) trifft.

Mäurer kündigte am Freitag an, die ersten Bundesligaspiele nach der Corona-Pause intensiv verfolgen zu wollen. "Wir haben den Vorteil, dass wir uns zunächst am Wochenende umschauen werden, was in anderen Stadien passiert, insbesondere natürlich wenn Schalke auf Dortmund trifft. Ich bin gespannt, ob die Fans diese Spiele mit einem großen Aufwand begleiten werden, was sich da entwickelt und am Montag sind wir klüger."

Die von einigen befürchteten Fan-Ansammlungen rund um die Stadien blieben aus, insbesondere rund um das Revierderby blieb es am Dortmunder Signal-Iduna-Park ruhig.

Generell sieht Mäurer den Ligastart kritisch. Im SPORT1-Interview erläutert der 68-Jährige seinen Standpunkt. Dabei übt der 68-Jährige auch Kritik an der Deutschen Fußball Liga (DFL) und äußert sich zu möglichen Fan-Ansammlungen beim Montagsspiel.

Mäurer: "Unverantwortlich gegenüber den Mannschaften"

SPORT1: Herr Mäurer, was halten Sie für falsch an dieser Wiederaufnahme?

Ulrich Mäurer: Ich halte das für unverantwortlich gegenüber den Mannschaften. Ich halte das für hoch risikohaft, weil man sieht wie schnell das gehen kann, bis eine gesamte Mannschaft in Quarantäne kommt. Es ist für uns ein völlig falsches Signal in der gegenwärtigen Phase der Pandemie damit rauszugehen, wo viele andere Bereiche überhaupt noch weiterhin nicht leben und gezwungen sind, zuhause zu bleiben. Es ist auch gefährlich. Die Erfahrung zeigt uns ja, dass Fußball nicht alleine geschaut wird, sondern es kommen viele Menschen zusammen, die sich dann bei ihren Nachbarn, ihren Freunden treffen, wenn das im Privatfernsehen übertragen wird. Das sind alles Dinge, die nicht notwendig sind, von daher gesehen, ist das kein Ruhmesblatt für den Profifußball.

SPORT1: Es gibt den Fall Kalou, es gab den Fall Dresden, jetzt gibt es ganz frisch den Fall Heiko Herrlich, der die Quarantäne-Maßnahmen nicht ganz so ernstgenommen hat. Was sagen Sie dazu? Es wird von einer großen Verantwortung der Sportler, der Funktionäre, der Fußballer gesprochen und in dieser Zeit gab es schon diese drei Fälle …

"Es wäre ein Wunder, wenn die DFL es schaffen sollte ..."

Mäurer: Es wäre ein Wunder, wenn die DFL es schaffen sollte wirklich diese Saison zu Ende zu spielen. Das Risiko ist natürlich da und wir sind erst am Anfang der Geisterspiele. Schauen wir mal, was in vier, sechs Wochen sein wird. Weil ich glaube, es bleibt nicht dabei. Von daher gesehen, ist ein Abbruch immer noch eine Perspektive.

SPORT1: Es gab aus Bremen auch den Wunsch als klar war, dass wieder gespielt wird, zumindest ein bisschen später wieder anzufangen. Dann gab es aus der bayerischen Landeshauptstadt von Markus Söder den Kommentar, vielleicht sehe man das in Bremen ein bisschen zu sehr mit der Vereinsbrille. Inwiefern hat Sie das geärgert?

Mäurer: Jeder vernünftige Mensch weiß doch, dass man beim Fußball nicht aus dem Stand heraus antreten kann. Sondern man braucht einen Vorlauf, man muss als Mannschaft trainieren. Werder Bremen hat sich an alle Auflagen gehalten. Insofern ist das schon ein Nachteil, wenn man in einer so kurzen Zeit wieder antreten muss, insofern kann ich auch den Unmut bei Werder Bremen verstehen.

SPORT1: Sie haben schon die möglichen Ansammlungen vor dem Stadion angesprochen und schon sehr deutlich gemacht, dass es möglicherweise erstmal das letzte Geisterspiel in Bremen war, wenn es zu so einem Fall kommen sollte. Vertreten Sie weiterhin diesen Standpunkt und ab wann ist es eigentlich eine Ansammlung, bei der Sie einschreiten müssen und sagen müssen, in Bremen findet erstmal kein Geisterspiel mehr statt?

Mäurer: Wir haben dazu eine sehr dezidierte Position. Ich sage mal, wenn sich am kommenden Montag viele Fans vor dem Stadion versammeln, werden wir da nicht mit starken Polizeikräften reingehen. Ich halte das für unverantwortlich gegenüber unseren Polizeibeamtinnen und -beamten. Und wir werden danach sehen wie es weitergeht. Wir haben weiterhin eine klare Regelung, dass Versammlungen und Ansammlungen in dieser Größenordnung unzulässig sind, insofern bleibt das Thema Verbot natürlich aktuell. Aber wir gucken mal am Wochenende und ich bin gespannt, ob nicht die DFL selbst die Notbremse ziehen muss.

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Mäurer warnt: "Es ist ein falsches Signal"

SPORT1: Trotzdem sind Sie da schon mit am deutlichsten. Ist damit vielleicht auch ein gewisser Nährboden für diejenigen da, die gar nichts von diesem Bundesliga-Start halten und die der Meinung sind, dass der Fußball nicht spielen sollte, so lange andere Dinge in der Gesellschaft nicht wieder offen sind und dass dieses Spiel Werder gegen Leverkusen möglicherweise genutzt wird, dass dort Ansammlungen stattfinden und die DFL erneut einen Fall hat, der ihren Plan ins Wanken bringt?

Mäurer: Das halte ich für unwahrscheinlich. Aber es ist ein falsches Signal zum jetzigen Zeitpunkt, wo wir nicht wissen, wo die Reise hingeht, dass dann der Profifußball beginnen muss. Wir haben zunehmend Probleme, unseren Bürgern zu vermitteln, warum sie sich so verhalten und nicht anders. Von daher glaube ich nicht daran, dass das gutgehen wird.

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SPORT1: Der Verein Werder Bremen nimmt Ihre Position wahr. Das Verhältnis war auch vor Corona nicht das beste.

"Werder Bremen ist in einer schwierigen Situation"

Mäurer: Werder Bremen ist natürlich in einer schwierigen Situation, sportlich auf der einen Seite, finanziell ist die Lage auch bekannt. Und natürlich die Androhung der DFL, dass die letzten beiden absteigen, wenn es zu einem Abbruch kommt. Das zeigt auch, dass man da Werder Bremen sehr massiv unter Druck setzt.

SPORT1: War dieses Vorpreschen von Markus Söder oder auch Armin Laschet im Zusammenhang mit Karl-Heinz Rummenigge und Hans-Joachim Watzke ein gewisser Kernpunkt, bei dem man gemerkt hat, dass auch von der DFL ein gewisser Druck auf die Politik ausgeübt wird, dass wieder Fußball gespielt werden muss?

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Mäurer: Man hat es zu Beginn der Pandemie gesehen, dass der Profifußball, der letzte gewesen ist, der noch versucht hat Geisterspiele durchzusetzen. Das ist am Ende gescheitert. Hier sind sie wieder die Ersten, die damit beginnen wollen. Und das ist das, was überhaupt nicht in die Landschaft passt.

SPORT1: Wieso fehlt da auch ein bisschen der Konsens zwischen Sozialdemokratie und Christdemokraten?

Mäurer: Nein, ich glaube, das ist einfach ein gesamtgesellschaftliches Problem. Das spielt sich nicht an Parteigrenzen ab. Und Bremen hat dazu eben eine sehr dezidierte Position.