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Bremen - Für Werder Bremen wird die Luft im Abstiegskampf dünner, Florian Kohfeldt nimmt sein Team dennoch in Schutz. Kai Havertz und Co. rücken Leipzig auf die Pelle.

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Wer gehofft hatte, dass Werder Bremens Krise durch die zweimonatige Corona-Pause überwunden sein könnte, wurde am Montagabend eines Besseren belehrt.

Angeführt von Kai Havertz fügte Bayer Leverkusen dem schwer abstiegsgefährdeten Team von Trainer Florian Kohfeldt eine bittere 1:4 (1:2)-Heimniederlage zu. Die Hanseaten kassierten damit ihre siebte Heimpleite in Serie - eine desaströse Bilanz.

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"Es war bis zum 1:3 ein offenes Spiel, wir haben relativ wenig zugelassen", sagte Kohfeldt. "Der Gegentreffer zum 1:2 ist aber schlecht verteidigt, das war ein krasser Abwehrfehler. Leverkusen hat seine Chancen konsequent genutzt, das war heute der Unterschied."

"Wir haben alles versucht"

Der Coach wollte seine Elf jedoch nicht übermäßig kritisieren: "Ich kann nicht auf sie eindreschen", sagte er. "Wir müssen das Positive sehen. Wenn wir alles infrage stellen, wird es nicht gehen."

Werders Abwehrchef Niklas Moisander sprach dagegen offen die Fehler an. "Wir bekommen zu einfache Tore", haderte der Finne bei DAZN. "Wir haben alles versucht, aber wir waren nicht gut genug."

Theodor Gebre Selassie, der den Treffer zum zwischenzeitlichen 1:1 erzielt hatte, zeigte sich nach der erneuten Pleite zerknirscht: "Der Breaking Point war, dass wir nicht das 2:2 gemacht haben und Leverkusen im nächsten Angriff das 3:1 schießt. Danach war es schwierig für uns. Wir hatten einige Chancen - wenn wir die nutzen, kann das Spiel anders laufen."

Angesprochen auf seinen Treffer sagte der Außenverteidiger nur: "Ich kann mich darüber nicht freuen."

Havertz traf zweimal per Kopfball nach präzisen Flanken von Moussa Diaby (28.) und Kerem Demirbay (33.), auch Mitchell Weiser (61.) überwand Werder-Keeper Jiri Pavlenka mit dem gleichen Körperteil, nur Demirbay nutzte den Fuß für sein Tor (78.). Den Bremern gelang zwischenzeitlich der Ausgleich durch Gebre Selassie (31.), in den fünf Heimspielen zuvor hatte Bremen überhaupt nicht getroffen.

Bayer pirscht sich an Leipzig ran

Die Grün-Weißen bleiben dennoch Vorletzter mit nun neun Punkten Rückstand zum rettenden Ufer und suchen auch nach der Coronapause weiter nach einem Hoffnungsschimmer. Leverkusen um Trainer Peter Bosz rückt dagegen mit nur einem Punkt Rückstand RB Leipzig auf Champions-League-Rang vier auf die Pelle. (Die Tabelle der Bundesliga)

"Ich bin schon sehr, sehr glücklich", sagte Doppeltorschütze Havertz bei DAZN. "Wir wussten, dass sie aggressiv beginnen würden und haben uns keine Fehler geleistet. Wir haben es dann ganz gut ausgespielt, deswegen können wir mit der Leistung zufrieden sein. Nichtsdestotrotz merkt man die sechswöchige Pause, das ist dann wie ein Testspiel vor der Saison."

Für Demirbay war es "ein super Spiel von uns. Wir haben sehr guten Fußball gespielt. Der Gegner hatte nicht viele Chancen", sagte der frühere Hoffenheimer, der seinen ersten Saisontreffer erzielte.  

Werder hatte in der Zwangspause einen Neuanfang beschworen. Mehr Fitness, ein neuer Mentalcoach und ein Psychologe sollen bei der Herkulesaufgabe Klassenerhalt helfen. Dem Re-Start kam eine große Bedeutung bei. "Unser Ziel ist, dass wir gegen starke Leverkusener nicht nur gut, sondern auch erfolgreich spielen", sagte Sportchef Frank Baumann bei Amazon Prime unmittelbar vor dem Anpfiff.

Gegen Leverkusen wurden die Bremer aber zunächst deutlich in die Defensive gedrängt. Das lag auch an Youngster Florian Wirtz, der für Leverkusen mit 17 Jahren und 15 Tagen debütierte und forsch loslegte. In der Ligahistorie waren nur Werder-Profi Nuri Sahin und Yann Aurel Bisseck jünger als der Rechtsaußen, der sich kombinationssicher zeigte. (Das Spiel zum Nachlesen im TICKER)

Werder fehlt die Präzision

Kohfeldt, dem mit Davy Klaassen (Gelbsperre), Ludwig Augustinsson, Ömer Toprak und Claudio Pizarro (alle verletzt) wichtige Stützen fehlten, griff von der Außenlinie immer wieder lautstark in den Auftritt seiner Mannschaft ein. "Kontakt suchen" oder "wir sind ruhig, Männer" hallte es durch die leere Arena. Werder war bemüht, aber Bayer einfach gefährlicher im letzten Drittel. (Spielplan und Ergebnisse)

Auch nach dem Wechsel das gleiche Bild: Die Bremer mühten sich, agierten aber immer ein Stück zu unpräzise. Wirtz konnte Maximilian Eggestein den Ball gerade noch vom Fuß spitzeln (60.), auf der anderen Seite schlug Bayer dann konsequent zu. 

Rund um die Partie im Weserstadion blieben größere Fanansammlungen aus. Bremens Innensenator Ulrich Mäurer hatte gedroht, dass unerlaubte Zusammenkünfte Konsequenzen für das nächste Spiel der Hanseaten hätten.