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Belegen die positiven Corona-Tests beim 1. FC Köln, dass das Hygienekonzept der Bundesliga funktioniert - oder das genaue Gegenteil? Fragen und Antworten.

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Die Corona-Tests der Bundesliga als Teil der Vorbereitung auf den erhofften Neustart sind angelaufen - und haben die ersten neuen Infektionsfälle offenbart.

Welche Folgen haben die drei Covid-19-Befunde beim Tabellen-Zehnten 1. FC Köln? SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

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- Was ist passiert?

Am vergangenen Donnerstag hat der 1. FC Köln Mannschaft, Trainer- und Betreuerstab auf das neuartige Corona-Virus untersucht - im Zuge der bei allen 36 Bundes- und Zweitligisten angelaufenen Infektions-Tests. Es gab drei Positiv-Fälle, die der FC öffentlich gemacht hat, ohne Namen oder sonstige Details zu den Betroffenen zu nennen.

Dabei handelt es sich um zwei Spieler und einen Physiotherapeuten. Laut Kölner Stadt-Anzeiger waren sie Teil einer Trainingsgruppe, die zunächst aus acht und seit dem 20. April aus zwölf Spielern bestanden habe.

Die infizierten Personen haben keine Symptome und gehen wie üblich für 14 Tage in häusliche Quarantäne - so wie auch die Personen, die in engen Kontakt mit ihnen standen. Der Rest des Teams allerdings setzt in Abstimmung mit dem zuständigen Gesundheitsamt das von Coach Markus Gisdol geleitete Training fort.

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- Was sagt der Klub?

Sport-Geschäftsführer Horst Heldt führt die drei positiven Coronatests nicht auf Fehler des Klubs zurück.

"Niemand aus unserem Team hat sich leichtsinnig verhalten", sagte Heldt der Bild am Sonntag. "Fakt ist: Wir haben drei Infizierte und über 50 Nicht-Infizierte in unserer Testgruppe. Insofern gehen wir davon aus, dass die Regeln und Maßnahmen am Geißbockheim funktionieren."

Angst vor weiteren Ansteckungen hat Heldt nicht. "Angst ist das falsche Wort", sagte der 50-Jährige, "wir haben alle Voraussetzungen geschaffen, um eine Ansteckung im Team zu vermeiden. Und das tun wir weiter."

- Warum trainiert der 1. FC Köln weiter?

Klub und Liga sehen keinen Bedarf für eine Kollektiv-Quarantäne, da das am 6. April wieder aufgenommene Training unter Einhaltung von Abstands- und anderen Hygiene-Regelungen absolviert wurde.

Die Infizierten seien ausreichend vom Rest des Teams getrennt gewesen, dass kein anderer Spieler oder Betreuer als so genannte "Kontaktperson der Kategorie 1" gelten muss, der nach den Kriterien des Robert Koch Instituts mit in Quarantäne müsste, argumentiert Kölns Teamarzt Paul Klein in einem am Samstag auf Kölns Homepage veröffentlichtem Interview: "Nicht wir, sondern das Gesundheitsamt bewertet, auf wen dies zutrifft. Und nach diesen eindeutigen Kriterien gehen wir davon aus, dass durch die Maßnahmen im Trainingsbetrieb in Gruppen kein Spieler eine Kontaktperson der Kategorie 1 zu einem anderen Spieler ist."

Köln hat sich in dieser Hinsicht rückversichert bei DFB-Arzt Tim Meyer, dem Vorsitzenden der "Taskforce Sportmedizin/Sonderspielbetrieb", die das Hygienekonzept für alle Klubs erarbeitet hat.

Meyer sieht dieses Konzept durch die entdeckten Corona-Fälle nicht in Frage gestellt, im Gegenteil: "Wir sehen jetzt im Alltag, dass unser Konzept frühzeitig Risiken erkennt und reduziert", lässt er sich in Kölns Mitteilung zitieren. Er sei "überzeugt, dass wir den Spielern mit unserem Konzept die Ausübung ihres Berufs unter bestmöglichem Infektionsschutz ermöglichen können".

Tim Meyer war beim Hygienekonzept federführend
Tim Meyer war beim Hygienekonzept federführend © Getty Images

Nach SPORT1-Informationen sehen die Klubverantwortlichen in Köln es genauso. Nach einem weiteren Test am Sonntag soll das Training am Montag wieder losgehen. Eine Woche vor dem ersten Liga-Spiel - wann immer es sein wird - sollen sich alle Mannschaften komplett in einem Hotel isolieren.

- Wie ordnen Kritiker den Fall ein?

Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte der SPD und erklärter Gegner eines frühen Bundesliga-Neustarts, interpretiert die Angelegenheit völlig anders.

Via Twitter griff er die Kölner für die Fortsetzung des Trainingsbetriebs an: "Wer mit Covid-19 trainiert, riskiert Schäden an Lunge, Herz und Nieren. Ich wundere mich, dass Spieler das mit sich machen lassen. Fußball soll Vorbild sein, nicht 'Brot und Spiele'." Lauterbach nannte die Fortsetzung des Trainingsbetriebs in Köln zudem "unverantwortlich" und als Zeichen, dass "das Konzept floppt".

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Ein definitiv heikler Punkt: Dass es gleich drei Corona-Fälle auf einmal gibt, wirft trotz aller getroffenen Maßnahmen die Frage auf: Kann das Zufall sein oder haben sie sich gegenseitig angesteckt, auf dem Trainingsplatz oder durch Kontakt außerhalb? Stand jetzt ist die Infektionskette unbekannt, auch dem Klub.

Sollte sich das Virus innerhalb des Teams verbreitet haben, wird das zum Problem für die Verantwortlichen, denn die Schlussfolgerung könnte in dem Fall nur lauten: Entweder ist das Hygiene-Konzept von den Kölnern doch nicht konsequent genug angewandt worden - oder es hat Schwächen und muss noch verbessert werden.

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Der Spiegel hatte erst in dieser Woche berichtet, dass das Konzept bereits überarbeitet wurde, um den Anforderungen des mit der Prüfung beauftragten Bundesarbeitsministeriums gerecht zu werden. Das Konzept sehe nun eine stärkere Abschottung der Spieler und Betreuer und auch Tests ihrer Familienmitglieder vor (sofern diese zustimmen).

Ein Streitthema, das geblieben ist: Bei Positiv-Tests soll keine automatische Quarantäne für das ganze Team vorgesehen sein. Das wird spätestens dann für Zündstoff sorgen, wenn es auch bei der nächsten Stufe - der Wiederaufnahme des Kontakttrainings mit Zweikämpfen - zu einem Corona-Fall kommen sollte.

- Gefährden die Fälle den Neustart der Bundesliga?

Direkte Auswirkungen auf die Planungen der DFL nicht, indirekt aber könnten sie im politischen Streit um die Wiederaufnahme des Spielbetriebs vor Geisterkulisse die Position der Gegner stärken.

Am vergangenen Donnerstag wurde das Thema in der Schaltkonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel und den offiziell zuständigen Ministerpräsidenten der Bundesländer vertagt. Für die nächste Gesprächsrunde am kommenden Mittwoch (6. Mai) hat Merkel allerdings "sehr klare Entscheidungen" auch in Bezug auf den Sport in Aussicht gestellt.

Die Länder sind in Bezug auf die Bundesliga gespalten: Die SPD-Ministerpräsidenten Stephan Weil (Niedersachsen) und Dietmar Woidke (Brandenburg) wollen die Bundesliga nicht starten lassen, ohne dass es eine Lockerungsperspektive für Breitensportler und Kinder gibt - Thema Signalwirkung und Vorbildrolle.

Stephan Weil (l.) und Dietmar Woidke sehen einen schnellen Neustart der Bundesliga kritisch
Stephan Weil (l.) und Dietmar Woidke sehen einen schnellen Neustart der Bundesliga kritisch © Imago

Kanzleramtsminister Helge Braun ließ dagegen durchblicken, dass eine Sonderbehandlung für die Bundesliga vorstellbar ist. Auch die mächtigen Landesfürsten Armin Laschet (NRW) und Markus Söder (Bayern) sind - obwohl sonst in dieser Krise bei weitem nicht immer einig - für den Liga-Neustart, der am 15. Mai erfolgen könnte. Die Befürworter scheinen in der Überzahl.

Entsteht jedoch der Eindruck, dass die Liga die Corona-Lage nicht im Griff hat, liefert sie den Kritikern neue Argumente.