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Bremen hat sein Budget im Vorgriff auf zu erwartende Transfereinnahmen geplant. Das wird in Corona-Zeiten zum Bumerang, weiß SPORT1-Chefkolumnist Tobias Holtkamp.

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Hallo Bundesliga-Freunde,

natürlich war die Entwicklung im vergangenen Sommer nicht abzusehen. Doch was hilft das? Die Corona-Krise und ihr Einfluss auf das Transfergeschäft trifft Werder Bremen, sportlich als Vorletzter sowieso schon schwer angeschlagen, mit voller Härte.

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Der Verein hat in den vergangenen Transferperioden Spieler geholt, für die - im Falle des Klassenerhalts, von dem die Bremer weiter ausgehen - bald teure Kaufverpflichtungen greifen. Rund 25 Millionen Euro müsste Werder für Davie Selke (an Hertha BSC), Leonardo Bittencourt (Hoffenheim) und Ömer Toprak (BVB) zahlen.

Die Bremer erlaubten sich dieses Finanzierungsmodell im Hinblick auf bevorstehende Großerlöse, ebenfalls auf dem Transfermarkt, in diesem Sommer. Doch die Rechnung, die im Normalfall gut hätte aufgehen können, fiel mittlerweile in sich zusammen. Denn vom vermeintlichen Normalfall ist das Geschäft in Zeiten der Corona-Pandemie mitsamt ihrer extremen wirtschaftlichen Auswirkungen mittlerweile weit entfernt.

Bei Rashica kommt alles anders

Der Fall Milot Rashica demonstriert das plötzliche Übel ziemlich gut: Bremens mit Abstand wertvollster Spieler soll nach dieser Saison verkauft werden. Werder versuchte mehrmals zu verlängern, die Rashica-Seite lehnte ab.

Man verständigte sich auf einen Transfer im Sommer, an der erzielten Ablösesumme sollen auch Rashica selbst und sein Ex-Verein Vitesse Arnheim (Niederlande) beteiligt sein. Die vertraglich festgelegte Ausstiegsklausel liegt bei 38 Millionen Euro. Mit dieser Summe, abzüglich der Anteile für den Spieler und Vitesse, rechneten die Bremer.

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Doch nun ist alles anders. RB Leipzig, mit dem Rashicas Berater nach SPORT1-Informationen bereits Einigkeit über einen langfristigen Vertrag ab Juli erzielt haben, möchte als Ablöse weit unter 20 Millionen Euro zahlen. Sportdirektor Markus Krösche stellte öffentlich klar, dass ein Kauf in Höhe der Ausstiegsklausel kein Thema sei, "erst recht in der jetzigen Zeit".

BVB sieht sich weiter im Rennen

Interessant: Das Gehaltsangebot an Rashica scheint von den Corona-Auswirkungen nicht betroffen, die Wünsche der Spielerseite, heißt es im Umfeld Rashicas, würden von allen Interessenten erfüllt. Auch der BVB sieht sich weiter im Rennen, doch Rashica soll sich bereits für Leipzig entschieden haben.

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Ärgerlich für Werder: Am Ende müssen sie das nehmen, was Leipzig bietet. Und das wird, selbst bei weiteren Verhandlungen, deutlich unter dem liegen, was noch vor einigen Monaten zu erzielen gewesen wäre. Ein finanzieller Tiefschlag - in sowieso harten Werder-Zeiten. Auch die weiteren Verkaufskandidaten, von Torwart Jiri Pavlenka über Verteidiger Ludwig Augustinsson bis zu den Mittelfeldspielern Davy Klaassen und Maxi Eggestein, bringen keine Wunschablösen mehr.

Werder steckt in der Millionenfalle - denn die bald fälligen Kaufverträge wurden vor der Krise geschlossen. Und laufen nach "altem" Tarif.

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp als Chef-Kolumnist die wöchentliche "Bundesliga-Kolumne".