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Schalke-Vorstand Peter Peters zeichnet bei einer Fragerunde ein düsteres Bild des Klubs. Sollte die Zwangspause länger dauern, könnte die Krise existenzgefährdend werden.

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Wie schlimm steht es in der aktuellen Coronakrise wirklich um den FC Schalke 04?

In einer Frage-Runde der Fans auf dem Facebook-Kanal der Knappen zeichnete Peter Peters, Schalkes Vorstand Finanzen und Organisation, ein düsteres und in Teilen sogar existenzbedrohendes Bild vom aktuellen Zustand des Klubs (LIVETICKER zm Nachlesen)

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"Wie alle mache ich mir auch Sorgen, weil unser Fußballspiel nicht stattfindet", sagte Peters, der auch Fehler in der Vereinsführung zugab. "Wir haben es ein Stück weit falsch eingeschätzt. Wir haben gedacht, wir haben eine schöne Catering-Gesellschaft, wir haben digitale Medien und andere Geschäftsfelder. Aber auf einmal stellen wir fest: Wenn der Fußball nicht mehr da ist, dann bleibt uns wenig, vielleicht auch nichts."

Die alles entscheidende Frage drehe sich darum, wann es wieder Fußballspiele geben wird, so Peters. Allerdings wagte es der 57-Jährige, der auch 1. stellvertretender Präsidiumssprecher der DFL ist, nicht, einen Zeitpunkt für ein Comeback der Bundesliga zu nennen. 

Alles hängt an einer einzigen Frage

Zuletzt wurde der 9. Mai anvisiert, allerdings scheint nicht zuletzt nach dem Auftritt von Gesundheitsexperte Karl Lauterbach im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1 auch dieses Datum auf der Kippe zu stehen. Der SPD-Politiker hält nichts von Geisterspielen in der jetzigen Situation, erst im Herbst könnte er sich die Fortsetzung der Saison vorstellen.

Die DFL verschob die für Freitag angesetzte virtuelle Mitgliederversammlung auf den 23. April, um den "Klubs und der DFL zusätzliche Zeit zur weiteren intensiven Vorbereitung bevorstehender Entscheidungen zu geben".

Sollte der Ball auch im Mai noch nicht rollen, könnte die Schalker Krise langsam existenzbedrohende Ausmaße annehmen. "Wir wissen nicht, wie lange es anhält. Wir erleben es für ein paar Wochen, einige sprechen von Monaten, aber genau weiß es keiner. Für einen Verein wie Schalke ist die Durchführung eines Spiels elementar, denn nahezu alle unserer Einnahmen hängen an diesem Spiel", erklärte Peters.

"Dieser Verein ist gut geführt, ist auch stabil", sagt der Schalke-Boss zwar. "Aber er hat eine Krise, wo ihm das Kerngeschäft wegbricht. Dann müssen wir uns Sorgen machen. Wir werden unsere Lehren ziehen und werden die Kraft haben, wieder aufzustehen.

Keine Lizenz für Schalkes Basketballer beantragt

In der derzeitigen Situation gehe es für den Verein einzig und alleine darum, die Liquidität zu sichern. So habe man sich dazu entschieden, keine Lizenz mehr für die Basketballer des FC Schalke zu beantragen. "Alles steht unter der Prämisse: Was können wir uns noch leisten? Gerade die Basketballer waren in den letzten Jahren defizitär. Das zu subventionieren, ist derzeit nicht mehr angesagt."

Aber auch die Profiabteilung der Fußballer ist von zahlreichen Sparmaßnahmen betroffen - nicht zuletzt durch den Gehaltsverzicht der Spieler und Führungskräfte. "Alles was wir nicht mehr benötigen, beauftragen wir nicht mehr", erklärte Peters - beispielsweise die gesamten Dienstleister rund um den Klub. "Auch mit Spielerberatern sprechen wir."

Wichtig sei in der aktuellen Krise aber auch, die Zeit danach im Blick zu haben, so der Vorstand. Heißt konkret: Nur so viele Schulden aufzunehmen, dass der Verein sie auch mittelfristig wieder abbauen kann.

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"Wir reden auch mit den Banken über Stundungen und Finanzierungen", sagt Peters. "Das schafft einem Luft in der Krise, aber was man stundet, muss man auch zurückzahlen. Ich bezeichne das wie so eine Raupe, die einen großen Berg vor sich herschiebt. Je länger das dauert, um so größer wird dieser Berg bei Stundungen und Neuaufnahmen von Krediten. Und er muss am Ende natürlich wieder abgetragen werden."

Verschärft ein Rückkehrer-Trio die Krise?

Wie es nach der Krise weitergeht, könne derzeit nicht seriös beantwortet werden - so oder so wird aber kaum noch Geld für neue Spieler übrig bleiben. Und so beantwortet Peters die letzte Userfrage, die nach Neuzugängen für die kommende Saison, ebenfalls schonungslos.

"Wir sind momentan in einer schweren Situation, weil wir Liquidität sichern müssen, damit ist die Frage schon beantwortet. Das Thema Neuzugänge sollte deshalb nicht die Nummer 1 sein. Neuzugänge ohne Geld - das ist, was Jochen Schneider im Blick haben muss."

Dagegen könnte ein Trio bald wieder auf der Matte stehen: Peters rechnet mit der Rückkehr der ausgeliehenen Topverdiener Sebastian Rudy (Hoffenheim), Mark Uth (Köln) und Nabil Bentaleb (Newcastle) - es würde die Situation von Schalke sogar noch verschärfen.