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Aufsteiger SC Paderborn hatte bereits einen Corona-Fall in der Mannschaft. Boss Martin Przondziono erklärt, wie lange der Klub in der Krise überleben kann.

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Es war der erste Corona-Verdachtsfall in der Bundesliga.

Am 13. März wurde bekannt, dass sich Steffen Baumgart, Trainer des SC Paderborn, einem Test unterzogen hat. Noch am selben Abend stand eigentlich die Partie des SCP bei Fortuna Düsseldorf auf dem Plan.

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Doch dazu sollte es nicht mehr kommen. Wenige Stunden später sagte die DFL den kompletten Spieltag ab. Seither ist die Bundesliga unterbrochen.

Wie ist es dem Aufsteiger seither ergangen und wie lange kann Paderborn diese Ausnahmesituation überhaupt überstehen?

SPORT1: Herr Przondziono, wie arbeitet der SC Paderborn gerade?

Martin Przondziono: Wir versuchen, das umzusetzen was zurzeit möglich ist. Wir arbeiten in kleinen Gruppen, natürlich getrennt voneinander, um die vorgegebenen Sicherheitsmaßnahmen auch zu erfüllen. Das klappt sehr gut, muss ich sagen. Die Lage sieht zumindest im Moment ein bisschen positiver aus.

SPORT1: Wie haben sie den Tag vor dem Spiel in Düsseldorf erlebt?

Przondziono: Grundsätzlich sehr skurril. Wir haben auf das Ergebnis von Steffen Baumgarts Test gewartet. Er wurde morgens getestet, da es ihm nicht so gut ging. Es war ein langes Warten auf das Ergebnis der DFL, ob wir am Abend überhaupt noch spielen. Dann wurde das Spiel abgesagt. Auf der Rückfahrt haben wir erfahren, dass Luca (Kilian, d. Red.) positiv ist. Es war ein typischer Freitag der 13. Dann nahm alles seinen Lauf. Seitdem war es eine unglaublich aufregende und aufreibende Zeit, der wir jeden Tag Tribut zollen mussten.

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SPORT1: Wie geht es dem betroffenen Luca Kilian mittlerweile?

Przondziono: Ihm geht es ganz gut. Er trainiert ebenfalls wieder. Wir gehen bei ihm mit großer Vorsicht vor, denn wir wissen nicht, welche Spätfolgen diese Erkrankung möglicherweise haben könnte.

SPORT1: Wurden andere Vorkehrungen für ihn oder die Mannschaft getroffen?

Przondziono: Wir müssen ja behördliche Standards sowieso einhalten. Training in kleinen Gruppen, unterschiedliche Kabinen zu unterschiedlichen Zeiten. Nach jeder Einheit desinfizieren wir die Kabinen. Wir haben für die Spieler Masken und Handschuhe. Essen bekommen sie in die Kabine geliefert, damit die Aufenthaltszeit im Gebäude möglichst gering ist.

SPORT1: Und wie oft wird getestet?

Przondziono: Darüber sind wir mit der DFL und der gegründeten Task-Force ebenfalls im Dialog. Wir wollen versuchen, die Jungs regelmäßig zu testen. Irgendwann wenn wieder in größeren Gruppen gespielt werden sollte, wird der Kontakt da sein. Allerdings muss man aufpassen, nicht diese Sonderstellung gegenüber der allgemeinen Bevölkerung einzunehmen. Es gibt sicherlich auch andere Personen, die Tests brauchen, beziehungsweise getestet werden sollten. Deshalb sind wir da im Austausch und schauen, was noch passiert.

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SPORT1: Es wurde der Vorschlag diskutiert, dass sich die Fußballgemeinde einkaserniert, regelmäßig getestet wird und spielt. Was halten Sie davon?

Przondziono: Grundsätzlich müssen wir an alle Szenarien denken. Je mehr Vorschläge auf den Tisch kommen, desto mehr kann man diskutieren und abwägen. Dazu müsste man sich bereits im Vorfeld Lösungen überlegen. Das ist besser, als wenn man tagtäglich mit neuen Ideen um die Ecke kommt und nur diskutiert: geht das oder geht das nicht - so war das die letzten Wochen. Sicherlich ist das ein Vorschlag, ob der umzusetzen ist, weiß ich auch nicht so genau.

SPORT1: Wie sieht denn Ihre persönliche Arbeit momentan aus?

Przondziono: Im Hintergrund schauen wir natürlich schon so gut es geht, den Kader für die neue Saison zu strukturieren. Es steht ja auch Tagesgeschäft an, das erledigt werden muss. Auch mein Scout schaut fleißig Videos. Wir haben sehr viele Kleinigkeiten zu tun und viele Entscheidungen zu treffen. Es gibt viele Gespräche mit Mitarbeitern über kleine Themen, beispielsweise Vertragsverlängerungen. Das alles wird trotz der Situation gemacht, kommt aber vielleicht noch nicht zum Abschluss. Nichtsdestotrotz muss das alles schon einmal in die Wege geleitet werden.

SPORT1: Wie bedrohlich ist die finanzielle Lage für Ihren Club?

Przondziono: Momentan ist es noch einigermaßen entspannt. Für die nächsten Monate warten aber große Hausaufgaben auf uns. Sollten die TV-Gelder auch bei uns nicht landen, wird es für uns eng. Das liegt in der Natur der Sache, denn das geht allen anderen Vereinen auch so. Wir tauschen uns gut mit der DFL, Sponsoren und Dauerkartenbesitzern aus - wir erhalten positive Signale. Wir arbeiten im Hintergrund daran, diese Durststrecke so lange wie möglich überstehen zu können.

SPORT1: Wie lange könnte der SCP diesen Zustand überstehen?

Przondziono: Das ist von Verein zu Verein unterschiedlich. Es ist nicht so, dass wir nächsten Monat insolvent wären. Wir können das noch ein zwei Monate hinauszögern, aber dann geht uns die Luft aus. Das ist auch ganz normal. Wie gesagt: Wir arbeiten sehr hart im Hintergrund, um für mögliche Szenarien gewappnet zu sein und versuchen, Lösungen zu finden.

SPORT1: Welche Maßnahmen haben Sie dafür bereits ergriffen?

Przondziono: Erst einmal sprechen wir rege mit allen betroffenen Parteien: Sponsoren, Dauerkartenbesitzer, Vereinsmitarbeiter und natürlich auch der Mannschaft. Alle solidarisieren sich, was sehr toll ist. Das sind so die größten Punkte, die wir im Moment angehen. Das ergibt natürlich eine große Masse an Gesprächen, die wir in die Wege leiten müssen.

SPORT1: Es wird auch viel über Solidarität innerhalb der Bundesliga gesprochen, wie wichtig ist das?

Przondziono: Die Solidarität wird momentan sehr gut gelebt. Das ist ein wichtiges Zeichen. Wir sind auch mit den Managern der anderen Klubs im Austausch, auch unsere Finanzabteilung spricht mit den Finanzleitern der anderen Vereine. Damit kann man sich gegenseitig die Bälle zuspielen und darüber sprechen, was für unterschiedliche Lösungsansätze sich die Vereine jeweils überlegen. Ich hoffe, dass es auch nach dieser Zeit einen größeren Austausch zwischen den Klubs geben wird.  Am Ende profitieren wir alle davon.

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SPORT1: Momentan wird der Mai als Zeitraum für die Wiederaufnahme der Bundesliga ins Auge gefasst. Welche Bedingungen müssten für Sie erfüllt sein, um wieder loslegen zu können?

Przondziono: Erst einmal müssten die gesellschaftlichen Probleme zu einem gewissen Grad gelöst werden. Erst dann kann man Fußball spielen. Wir haben ganz klare Auflagen, wie Spiele ohne Zuschauer stattfinden dürfen, etwa wer wie, wann und warum ins Stadion darf.  Wir als Fußball wollen nicht unbedingt eine Sonderbehandlung. Allerdings darf man nicht vergessen: Der Fußball hat eben eine Sonderstellung in der Gesellschaft. Mit Spielen kann der Sport dazu beitragen, dass die sozialen Probleme ein wenig entkrampft werden. Die Leute würden sich wieder auf das Wochenende freuen und über Fußball diskutieren, nicht nur über Probleme. Mit Sicherheit wird in dieser Thematik ein Trend zu beobachten sein - in welche Richtung, müssen wir sehen.

SPORT1: Halten Sie es wirklich für realistisch, dass im Mai wieder gespielt wird?

Przondziono: Momentan haben wir alle so viele Fragezeichen vor den Augen, diese müssen wir sukzessive wegräumen. Wir wissen überhaupt nicht, was noch passieren wird, wie sich die Entwicklung in der Bevölkerung in Sachen Infizierte und Todesfälle bis dahin abzeichnet. Das müssen wir in den Vordergrund stellen - wir können nur daraus reagieren, was draußen in der Welt passiert.

SPORT1: Was würde es bedeuten, wenn die Saison doch abgebrochen wird?

Przondziono: Auch das ist ein großes Fragezeichen. Wir alle werden natürlich ohne die Fernsehgelder Probleme bekommen, so viel ist klar. Das wollen wir nicht. Wir wollen weiterspielen und sportliche Entscheidungen herbeiführen. Leider muss man aber sagen, dass auch das Szenario denkbar ist. Das muss man analysieren und sehen, was die Zukunft zeigt. Wir richten uns da auch als Fußball an der Anzahl positiv getesteter Menschen in Deutschland und wie sich diese entwickelt. Ein Abbruch wäre für den deutschen Fußball aber sehr schwierig zu verkraften.