Nach diesem Foul von Klaus Augenthaler (l.) war Rudi Völler mehrere Monate verletzt
Nach diesem Foul von Klaus Augenthaler (l.) war Rudi Völler mehrere Monate verletzt © Imago
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Leverkusen - Top-Stürmer, Weltmeister, Champions-League-Sieger - Rudi Völler wird 60 Jahre alt. SPORT1 blickt auf eine bewegte Karriere, ein Foul - und die feuchtfröhliche Versöhnung.

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Anders als bei seinem letzten runden Jubiläum muss Rudi Völler diesmal auf eine große Sause verzichten.

Die Corona-Pandemie zwingt den Weltmeister von 1990 am Ostermontag dazu, seinen 60. Geburtstag ein wenig ruhiger zu verbringen. Im Kreise seiner Liebsten, mit Ehefrau Sabrina und den fünf Kindern, wird Rudi also in seiner Wahlheimat Düsseldorf feiern.

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"Darüber bin ich gar nicht mal so traurig. Ich bin glücklich, wenn ich meine Familie bei mir habe", sagte der Sportchef von Bayer Leverkusen kürzlich dem Kicker. Er stehe oft genug im Mittelpunkt.

Der einstige Weltklassestürmer ist seit nunmehr 43 Jahren im Profifußball tätig. Ende der 1960er-Jahre machte der Sohn eines gelernten Drehers und einer Näherin seine ersten Schritte bei 1860 Hanau.

Völlers Karriereweg: Über Offenbach nach Bremen

In der 2. Liga bei Kickers Offenbach ging sein Stern auf, vom Bieberer Berg zog es den Stürmer im Jahr 1980 zu 1860 München und dann zu Werder Bremen. Seine 73 Tore in den ersten 100 Spielen für die Grün-Weißen stellen einen alleinigen Bundesliga-Rekord dar.

In 232 Spielen für 1860, Werder und Leverkusen erzielte Völler letztlich 132 Tore. In der 2. Liga traf er für Offenbach und die Münchener Löwen 56 Mal in 110 Spielen. Zudem spielte der einstige Torjäger für AS Rom und Olympique Marseille. Mit den Franzosen gewann er als erster deutscher Spieler 1993 die Champions League.

Im Millionen-Zirkus Fußball ist Völler, der 1983 Bundesliga-Torschützenkönig und Deutschlands Fußballer des Jahres wurde, stets auf dem Teppich geblieben, gilt bundesweit als Sympathieträger.

Legendär sind die langgezogenen "Ruuuudi"-Rufe, die während und nach der WM 2002 in Japan und Südkorea, als dass DFB-Team unter seiner Führung als Teamchef Vize-Weltmeister wurde, durch die deutschen Stadien hallten.

Calmund: Völler als teuerster Lehrling der Welt

"Er hat eine besondere Art und eine herzliche Wärme, die überall gut ankommt", sagt Reiner Calmund, der Völler am Ende seiner Spielerkarriere 1994 nach Leverkusen holte bei SPORT1. "Ich kenne Rudi aber auch als wütendes Pissmännchen, das seine Meinung klipp und klar kundtut."

Calmund machte Völler 1996 zum Sportdirektor. "Ich wollte ihn unbedingt haben. Rudi hat eine besondere Art und verfügt als Weltmeister und Champions-League-Sieger über eine gewisse Ausstrahlung und Anerkennung. Ich wollte ihn als Aushängeschild unbedingt haben und habe ihm damals auch ein höheres Gehalt gegeben als mir", verrät der 71-Jährige.

"Viele im Verein meinten damals: Da hast du aber den teuersten Lehrling der Welt angestellt. Ich habe denen aber vor 24 Jahren schon entgegnet: Das wird unser Gesicht. Und so ist es auch. Bayer Leverkusen ist sein Lebenswerk. Es ist großartig, mit welcher Ruhe und Besonnenheit Rudi den Verein zum Erfolg geführt hat."  

Das Geheimnis hinter Völlers Spitznamen

"Tante Käthe" – so wurde der 90-fache Nationalspieler schon als Spieler wegen seiner grauen Locken genannt. Was viele nicht wissen: Den Spitznamen bekam er von Thomas Berthold.

Mit "Tante Käthe" verbindet der 55-jährige Berthold "etliche schöne Momente". Zwischen 1989 und 1991 spielten die beiden gebürtigen Hanauer bei der AS Rom, wurden mit dem italienischen Spitzenklub 1991 italienischer Pokalsieger. Ein Jahr zuvor wurden sie in ihrer damaligen Wahlheimat Rom mit der deutschen Nationalmannschaft Weltmeister.

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"Wir haben gemeinsam so viel erlebt durch den Fußball, das bleibt ein Leben lang bestehen und verbindet uns", erzählt Berthold bei SPORT1. "Wenn wir uns nach einer langen Zeit mal wiedersehen, dann ist es so, als ob es gestern gewesen wäre." 

"Rudi", sagt Berthold, "war schon immer ein gradliniger Typ. Er hat als Spieler stets seine Meinung gesagt innerhalb der Truppe. Fußballerisch war er ein absolutes Naturtalent. Er war total beweglich, beidfüßig, ein Instinktfußballer und Schlitzohr. Die Art von Spieler ist bei uns leider ausgestorben. Es wäre schön, wenn wir künftig wieder mehr Rudi Völlers herausbringen würden." 

Zehn Jahre lang waren die beiden Hessen Zimmerkollegen. Übrigens: Dass Völler bis heute mit Sabrina verheiratet ist, die ihn als einzige Person Rudolf nennen darf, hat er Berthold zu verdanken.

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"Es ist richtig, dass ich indirekt daran beteiligt war. Ich habe früher in einer Wohnung in Rom gewohnt. Mein Vermieter war, wie es der Zufall wollte, der Vater von Sabrina. An meinem 30. Geburtstag war auch die Familie Adducci dabei. Da lernten sich die beiden kennen."

Augenthaler: "Bundesliga ohne Völler unvorstellbar"

In Leverkusen ist Völler nach seiner Rückkehr im Jahr 2005 längst zur Legende geworden. Den "Verein seines Herzens", wie er einst selbst sagte, hat er zu einer Top-Adresse in Europa geformt. Nur ein nationaler Titel blieb ihm als Vereinsfunktionär ebenso verwehrt wie in seiner Spielerzeit.

Auch deshalb sagt Berthold: "Rudi hat nach Reiner Calmund eine Ära geprägt bei Bayer. Ich wünsche ihm, neben Glück und Gesundheit, dass er mit Leverkusen ins Pokalfinale gegen die Bayern einzieht. Ein Sieg in Berlin wäre die Krönung für ihn. Damit würde er sich unsterblich machen bei Bayer." 

Auch Klaus Augenthaler, der mit Völler und Berthold 1990 Weltmeister wurde und der zwischen 2003 und 2005 als Trainer unter ihm in Leverkusen gearbeitet hat, gratuliert dem Jubilar bei SPORT1: "Ich wünsche Rudi ganz viel Gesundheit. Er ist ein großartiger Typ und die graue Eminenz bei Bayer Leverkusen. Er ist dort schon so lange dabei. Die Bundesliga ist ohne ihn unvorstellbar. Er hat hierzulande zurecht einen großen Stellenwert." 

Mit Völler verbindet Augenthaler wohl auf ewig ein Foul, dass sich am 23. November 1985 in der Bundesliga-Begegnung zwischen Bayern und Bremen ereignete.

"Es war klar, dass Sie mich darauf ansprechen", sagt der 62-Jährige schmunzelnd. "Ich war einen Schritt zu spät. Das Foul war brutal und es hat mir im Nachhinein auch wirklich leidgetan. Was viele aber gar nicht wissen: Mit Bayern und Bremen waren wir danach über Silvester in Leogang Skifahren und im gleichen Hotel im Kirchenwirt. Dort haben wir uns beim Eisstockschießen ausgesprochen und hinterher an der Bar einige Schnäpse getrunken."

Abschließend sagt "Auge": "Rudi hatte immer einen eigenen Humor. Er flachst gerne. Seine Witze versteht nicht jeder auf Anhieb. Als ich ihn anfangs kennenlernte, fragte ich mich manchmal: Meint er das jetzt ernst?! Ich wünsche ihm alles Gute und hoffe, dass er so bleibt."