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München - Weil er München verlassen hat, bekommt Jérôme Boateng vom FC Bayern eine Strafe aufgebrummt. Zukunftsgespräche wurden noch nicht geführt. Bleibt es dabei?

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"Wenn es dafür dann eine Strafe gibt, dann Respekt. Ich finde das traurig."

Nach der vom FC Bayern verhängten Geldstrafe infolge eines Autounfalls in Oberfranken verschaffte Jérôme Boateng seinem Ärger über das Vorgehen seines Arbeitgebers via Bild Luft.

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Er habe lediglich seinen väterlichen Pflichten nachkommen und seinen erkrankten Sohn besuchen wollen, erklärte Boateng, nachdem der Rekordmeister ihn wegen Missachtung der vereinsinternen Coronaregeln bestraft hatte. Mit der Entfernung von seinem Wohnort habe Boateng "den Vorgaben des Vereins zuwider" gehandelt.

Trainingszoff mit Goretzka im Januar

Neuerlicher Zoff also zwischen Boateng und dem FC Bayern. Nicht zum ersten Mal - und diesmal auch mit Auswirkungen auf die Zukunftspläne von Boateng?

Bereits im Januar hatte der Innenverteidiger für Aufregung gesorgt, als er sich mit Leon Goretzka im Training eine handfeste Auseinandersetzung lieferte - wenngleich sich beide Protagonisten noch am gleichen Tag medienwirksam versöhnten. Nun also der Corona-Ärger.

Auf der anderen Seite aber brachte Boateng 2020, worauf es im Profisport letztlich ankommt: Leistung.

Rummenigge lobt Boateng

"Jérôme spielt wieder kontinuierlich und speziell unter Hansi Flick hat er wieder Stabilität an den Tag gelegt", lobte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge im Februar auf SPORT1-Nachfrage.

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Dass sich die sportliche Beurteilung Boatengs zuvor geändert hatte, zeigten auch die Sätze, mit denen Rummenigge auf die Aussagen von Ex-Präsident Uli Hoeneß reagierte, der Boateng im Mai 2019 einen Wechsel nahegelegt hatte: "Was Uli damals aus der Situation heraus gesagt hat, war keine falsche Einschätzung, aber es war eben auch zu einem anderen Zeitpunkt."

Boatengs aktuelle Situation ist folgende: Der Vertrag des 31-Jährigen läuft 2021 aus, Gespräche mit ihm und seinem Management um Berater Fali Ramadani (LIAN SPORTS) fanden noch nicht statt. Minuten bevor die Bayern am Mittwoch per Pressemitteilung die Geldstrafe für Boateng verkündeten, waren allerdings via kicker neue Aussagen des Weltmeisters von 2014 öffentlich geworden.

"Ich muss nicht auf Teufel komm raus weg vom FC Bayern, ich habe ja noch einen Vertrag", sagte Boateng da unter anderem.

Konkurrenz durch Süle, Hernández, Alaba und Co.

Klar ist: Boateng hat sich im laufenden Jahr in hervorragender Verfassung präsentiert. Unter Cheftrainer Hansi Flick war er bis zur Bundesliga-Pause durch die Coronakrise in der Abwehrzentrale gesetzt. Er und Flick schätzen sich und pflegen einen guten Austausch.

Allerdings, das weiß auch Boateng, profitierte er zuletzt auch von den Ausfällen von Niklas Süle (Reha nach Kreuzbandriss) und davon, dass Lucas Hernández nach langer Verletzung noch nicht in Topform war. Zwei Spieler, die in der Innenverteidigung eigentlich gesetzt sein sollten.

Darüber hinaus ist David Alaba in Abwesenheit von Süle und Rekordtransfer Hernández von Flick zum Abwehrchef auserkoren wurden. Sollte er verlängern und sich Alphonso Davies als Linksverteidiger weiterhin so rasant entwickeln wie zuletzt, dürfte der Österreicher als Innenverteidiger eine der ersten Optionen bleiben.

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Drei Szenarien für Boatengs Zukunft

All das wird auch Topverdiener Boateng bei seiner Zukunftsplanung berücksichtigen, die letztlich auf drei mögliche Szenarien hinausläuft:

1. Sein Vertrag wird nicht verlängert und er wechselt 2021 ablösefrei.

2. Er verlängert überraschend.

3. Er verlängert nicht und verlässt die Bayern bereits in diesem Sommer, sofern ein für alle Seiten akzeptables Angebot vorliegen sollte.

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An letzterem scheiterte ein Boateng-Wechsel zu Paris Saint-Germain 2018 und 2019 zu Juventus. Sein Marktwert beträgt laut transfermarkt.de 15 Millionen Euro.

Da die Münchner, wie alle anderen Vereine auch, vor unklaren Zeiten stehen und massive Einbußen durch fehlende TV- und Sponsorengelder befürchten müssen, dürften sie möglichen Transfereinnahmen in Millionenhöhe durch einen Boateng-Verkauf nicht abgeneigt sein.