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München - Der FC Bayern tritt der Unruhe entgegen, die Manuel Neuers Vorwürfe ausgelöst haben. Sportdirektor Hasan Salihamidzic soll aus dem Brennpunkt.

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Manuel Neuers deutliches Interview hat eine Lunte gezündet. Der Nationaltorhüter hatte sich am Wochenende deutlich zu den aus seiner Sicht ungewohnt erschwerten Verhandlungen mit dem FC Bayern über eine Vertragsverlängerung zu Wort gemeldet.

Er sei "irritiert", meinte der Keeper und unterstellte seinem Arbeitgeber Indiskretionen. "Das ärgert mich. Das kenne ich so nicht beim FC Bayern." Neuer ist bereits seit 2011 unumstrittene Nummer 1 in München und mittlerweile im 34 Jahre alt. Bei vorherigen Verhandlungen sei "nie etwas nach außen gedrungen".

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Nun aber stünden "ständig Details aus den aktuellen Gesprächen in den Medien, die oft nicht einmal stimmen", meinte Neuer - und beklagte zudem: "Wenn jetzt Sachen offenbar gezielt nach außen getragen werden, ist das auch etwas, das den Bereich 'Wertschätzung' betrifft."

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Rummenigge beschwichtigt in Causa Neuer

Kein Wunder also, dass die Klubbosse nun zügig wie öffentlichkeitswirksam - um im Bild zu bleiben - die Schläuche ausrollten für harmonisierende Löscharbeiten, bevor aus dem Schwelbrand Neuer ein offenes Feuer wird.

"Ich glaube, wir wissen, was beide aneinander haben und ich bin optimistisch, dass wir am Ende eine für beide Seiten glückliche Lösung finden werden – und dass Manuel dann einen neuen Vertrag unterschreiben wird", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge daher am Montag während einer Videoschalte mit der Bild.

Schmusekurs also statt neuen Zündstoffs, weiterer Konfrontationen oder gar Sanktionen gegen Neuer für dessen Vorpreschen - was in der Vergangenheit gerne anders ablief, erinnert man nur die 50.000-Euro-Strafe für Philipp Lahm nach einer zackigen Fehleranalyse in einem SZ-Interview.

Die ausgesandte Botschaft dahinter in die sowieso schon gebeutelte Fan-Welt mitten in der Corona-Krise: Es gibt kein wirklich angeknackste Vertrauensverhältnis zwischen Neuer und den Bayern, die Fronten sind keineswegs so hoffnungslos verhärtet.

Neuer geht Salihamidzic indirekt an

Dafür sind die Bayern offenbar bereit zu übersehen, dass Neuer mit seinen Äußerungen Sportdirektor Hasan Salihamidzic in schlechtem Licht erscheinen lässt.

"Ich bin bei den Gesprächen nicht dabei...", sagte Neuer. "Darum kann und will ich nicht mit dem Finger auf einzelne Personen zeigen. Aber der Personenkreis dort ist ja überschaubar", hatte der Keeper mit Vertrag bis 2021) erwähnt und kolportierte Details über einen angeblich angestrebten neuen Fünf-Jahreskontrakt mit einem üppigen Jahresgehalt von 20 Millionen Euro bestritten. Nach SPORT1-Informationen peilt Neuer eine maximale Vertragslaufzeit bis 2024 an.

Neuers Berater Thomas Kroth hatte zuvor bereitwillig darüber informiert, dass er gemeinsam mit Salihamidzic und Vorstand Oliver Kahn am Verhandlungstisch gesessen habe. Letzterer hatte sich zuletzt mehrfach öffentlich für Neuer ins Zeug gelegt und gilt daher nicht als potenzielles Informationsleck.

Salihamidzic schärft noch immer sein Profil

Um Salihamidzic nicht auf Dauer öffentlichem Gegenwind auszusetzen, brauchte es nun positive Schlagzeilen explizit für ihn. Dass die Bayern am Montag noch die Vertragsverlängerung mit Alphonso Davies bis 2025 verkündeten, war diesbezüglich zielführend.

Eben mit jenem Shootingstar, der bisher der einzig unbestrittene Erfolgstransfer des Sportdirektors zu nennen ist. Der Bosnier hatte den 19 Jahre alten Linksverteidiger vor gut einem Jahr aus Vancouver an die Säbener Straße gelotst. Dass dessen Entwicklung derart rasant verläuft, stützt Salihamidzic nun im Lichte der Neuer-Anwürfe.

Denn: Auch im dritten Jahr in Bayerns Führungsebene ist der Bosnier bemüht, sich zu profilieren und nach der auslaufenden Ära von Uli Hoeneß und Rummenigge zu positionieren zwischen Neuvorstand Kahn und Präsident Herbert Hainer.

Salihamidzic gestützt dank Davies

"Alphonso passt mit seiner Geschwindigkeit, seiner Spielfreude und seiner professionellen Einstellung ideal zu unserer Mannschaft", sagte Salihamidzic - und fügte an: "Auch menschlich ist er ein Gewinn."

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Zur Erinnerung: Im Sommer 2018, als die Bayern auf Werbetour in die USA gereist waren, war der Sportdirektor mit Chefscout Marco Neppe und Vereinsjurist Michael Gerlinger nach Kanada geflogen und hatte den Davies-Transfer festgezurrt.

Die rund zehn Millionen Euro Ablöse an die Vancouver Whitecaps waren viel Geld für einen 17-Jährigen. Doch es hat sich gelohnt - und Davies' Marktwert hat sich inzwischen vervielfacht.

Zu Neuer jedoch dürfte Salihamidzic, der im Sommer zum Sportvorstand befördert werden soll, aktuell wohlweislich weiter schweigen, um die Angelegenheit nicht noch einmal anzufachen.