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München - Hasan Salihamidzic wischt die Kritik an seiner Person nach dem Ärger um Manuel Neuer gelassen beiseite und sieht die Gespräche auf gutem Weg. Zu Recht?

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Hasan Salihamidzic geht davon aus, "dass der Maulwurf weitergezogen ist".

Für berufs- und hobbymäßige Gärtner im Frühjahr ist das eine gute Nachricht - und es soll auch eine gute Nachricht für den FC Bayern München sein.

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Die Irritationen mit Manuel Neuer sind ausgeräumt, so legt es der Sportdirektor im Gespräch mit der Welt am Sonntag zumindest nahe. Dessen öffentlich bekundeter Ärger, dass Interna aus den Vertragsverhandlungen nach außen gedrungen sind, sei "intern geklärt" worden.

Ob damit aber wirklich alles wieder gut ist zwischen dem Nationaltorhüter und seinem Klub? Da lohnt ein genauerer Blick auf Salihamidzic' jüngste Aussagen und die Geschichte dahinter.

Salihamidzic fühlt sich von Neuer nicht angesprochen

Dass Salihamidzic oder dessen vereinsinternes Umfeld dafür verantwortlich sein könnten, dass die Gesprächsatmosphäre zwischen Neuer und den Bayern untergraben wurde, hatte Neuers Berater Thomas Kroth zumindest das stark angedeutet. Mit dem Hinweis, dass neben Salihamidzic nur der designierte Vorstandschef Oliver Kahn an den Gesprächen teilgenommen hätte - der in dieser Sache als unverdächtig gilt.

Zudem hält das Neuer-Management nach SPORT1-Informationen große Stücke auf Kahn, schätzt dessen Expertise enorm. 

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Diskussionen, ob Neuers Ausbruch damit zum Problem für Salihamidzic werden könnte - der auch treibende Kraft hinter der Verpflichtung des neuen Rivalen Alexander Nübel vom FC Schalke 04 war -, waren die Folge. Die Reaktion des Bosniers? Er fühle sich von Neuers Vorwürfen nicht angesprochen, antwortete er auf die entsprechende Frage.

Aus der Art und Weise, wie Salihamidzic die Sache vom Tisch wischt, spricht Chuzpe. Und das Selbstbewusstsein, dass ihm der Neuer-Ärger nicht so gefährlich wird, wie manche vermuten. Was er sich nach Ansicht von SPORT1-Experte Marcel Reif auch durchaus erlauben kann.

Reif und Daum loben "Brazzo" im Dopa

"Natürlich können wir darüber diskutieren, was bei Neuers Vertragsgesprächen nach außen gedrungen ist. Wer ist dafür zuständig? War das Salihamidzic?", fragte der langjährige Top-Kommentator im CHECK24 Doppelpass.

Aus Reifs Sicht sind die nach der Causa Neuer hochgekochten Debatten über Salihamidzic' internes Standing aber fehl am Platz: "Ich glaube, das die Bayern-Verantwortlichen, als sie Salihamidzic ins Amt geholt haben, es nicht aus Langeweile oder aus Selbstzerstörungslust getan haben."

Reif hat den Eindruck, dass Salihamidzic "gerade nicht mehr so demonstrativ nach außen wirkt, nach dem Motto: Ich muss euch aber zeigen, dass ich ganz wichtig bin". Das spreche für ihn.

Ähnlich ordnete es Trainerlegende Christoph Daum im Dopa ein: "Ich glaube, dass Salihamidzic eine gute Entwicklung durchlaufen hat, weil er nicht mehr sagen muss: 'Aber ich!'" Salihamidzic, Kahn und Trainer Hansi Flick scheinen gut zu kooperieren.

Entscheidendes Detail ungeklärt

Auch Salihamidzic betont im WamS-Interview seine gute Arbeitsbeziehung zu Kahn ("Wir sind beide Teamplayer, haben neun Jahre zusammengespielt und viele Titel gewonnen. Das schweißt zusammen") - und zeigt sich zuversichtlich, Neuer zur Verlängerung bewegen zu können.

"Manuel weiß, dass wir ihn sehr schätzen", sagt Salihamidzic: "Ich habe mit Oliver Kahn gespielt. Ich weiß, wie gut ein Weltklasse-Torwart einer Mannschaft tut. Manuel ist ein Weltklasse-Torwart. Er genießt in unserem Klub große Wertschätzung."

Genau das hatte Neuer mit dem Hinweis auf die durchgesickerten Interna ausdrücklich in Zweifel gezogen. Ob Neuer aber wirklich sicher ist, dass das Gegenteil der Fall ist?

Letztlich muss der 34-Jährige überzeugt sein, dass Salihamidzic und die anderen Bayern-Verantwortlichen ihre Lippenbekenntnisse mit Leben füllen - und dann müssen ja auch noch die strittigen Verhandlungspunkte geklärt werden.

Nach SPORT1-Informationen bietet Bayern Neuer einen Dreijahresvertrag über 12 Millionen Euro pro Jahr. Neuer wünscht sich aber zumindest eine neue Laufzeit über vier Jahre bis 2024.