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München - Leroy Sané und Timo Werner sind Kandidaten für einen Wechsel zum FC Bayern München. Doch wer passt besser zum Rekordmeister? SPORT1 macht den Check.

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Werner oder Sané?

Es ist - abgesehen von den Entwicklungen der Coronakrise - eine der spannendsten Fragen, die sich Fans des FC Bayern München stellen dürften. Welcher Spieler passt besser zum Rekordmeister, wen soll Sportdirektor Hasan Salihamidzic verpflichten?

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Viel Gewicht wird dabei das Wort von Trainer Hansi Flick haben. Der 54-Jährige verlängerte am vergangenen Freitag seinen Vertrag bis 2023, er soll ein Mitspracherecht in Sachen Transfers bekommen.

Im vergangenen Sommer hatten sich die Bayern eigentlich schon für Sané entschieden, bevor der Deal durch dessen schwere Verletzung platzte. Nach SPORT1-Informationen gibt es mittlerweile Bedenken, ein Transfer ist seit längerem in weite Ferne gerückt.

Welche Rolle spielt Flick?

Bei Werner hatte Salihamidzic Anfang des Jahres Zweifel geäußert, ob der Stürmer von RB Leipzig ins System der Bayern passe. Ein wichtiger Faktor hinsichtlich der Personalie Werner dürfte nun Flick sein.

Der Bayern-Coach ist ein Befürworter des 24-Jährigen und hat sich nach Informationen von SPORT1 schon als Co-Trainer für einen Transfer Werners ausgesprochen.

Nach SPORT1-Informationen wäre er noch zu einem Wechsel zu den Bayern bereit, falls ihm die Verantwortlichen des Rekordmeisters zeigen, dass sie ihn eben doch wollen. 

Und auch die Kostenfrage ist, gerade in Zeiten von Corona, eine, die vielleicht den Ausschlag geben könnte. Sané, dessen Vertrag bei Manchester City bis 2021 läuft, dürfte unter 60 Millionen Euro wohl kaum zu bekommen sein, bei Werner liegt die Ausstiegsklausel bei 60 Millionen Euro.

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SPORT1-Experte Stefan Effenberg hat einen klaren Favoriten: "Ich habe mich immer für Werner ausgesprochen, weil er eine unglaubliche Entwicklung genommen hat", erklärte er im CHECK24 Doppelpass. Dass Werner nicht ins System von Bayern passe, sei "totaler Quatsch".

Hinsichtlich Sané äußerte er zudem Zweifel: "Ich wäre bei Sané mit so einer Verletzung sehr, sehr vorsichtig." Bedenken, die die Bayern-Verantwortlichen nach Sanés Kreuzbandanriss auch haben.

Patrick Owomoyela hat dagegen keinen klaren Favoriten. "Wenn du nicht beide holen kannst, musst du dich fragen, welchen du dringender brauchst", erklärte der ehemalige Nationalspieler.

Ein wesentlicher Faktor sei dabei der finanzielle Aspekt: "Wenn du es vom Faktor Geld abhängig machst, würde ich mich für Werner entscheiden."

Werner besticht durch Flexibilität

Doch welcher Spieler passt besser ins Bayern-System? Welcher Spieler hilft dem Rekordmeister eher weiter?

In der bestechenden Form, in der sich Werner vor allem in der Hinrunde zeigte, wurde der große Vorteil des Torjägers deutlich: seine Flexibilität. Der Leipziger kann als alleinige Sturmspitze wirbeln und somit Robert Lewandowski vertreten. Er kann zudem auf die Flügel ausweichen, auf denen Sané zu Hause ist, und die Position hinter der Spitze einnehmen - seine Lieblingsposition.

Werner, dem seit 2016/17 in 150 Pflichtspielen 88 Tore gelangen, ist zudem deutlich torgefährlicher als Sané, der in 134 Partien auf 39 Treffer kam (Daten: Opta). Hinzu kommt, dass Werner zwar seltener flankt, seine Zuspiele (Flankengenauigkeit: 17 Prozent) aber öfter den Mitspieler finden als Sanés (12 Prozent). Trotzdem legte der City-Star 2,1 Schüsse pro Spiel auf, Werner nur deren 1,3.

Auch bei den Assists hat Sané (42) die bessere Statistik als Leipzigs derzeitige Lebensversicherung (33). Die Zweikampfquote von 47 Prozent spricht ebenfalls für Sané (Werners liegt bei 41 Prozent).

Welcher Spieler passt mehr ins System?

Eine zentrale Frage ist auch, welcher Spieler besser zum Spielsystem unter Flick passt. Unter dem Kovac-Nachfolger entwickelte das Team in der Vergangenheit zwar mehr Zug zum Tor, das Ballbesitzspiel bleibt aber die Maxime. Sané kennt dieses bereits aus seiner Zeit bei City unter Pep Guardiola. Er weiß, wie er tiefstehende Gegner knacken kann, ist zudem im Eins-gegen-Eins eine echte Waffe.

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Werner dagegen wurde lange nachgesagt, ein klassischer Konterstürmer zu sein. Doch Julian Nagelsmann formte aus den umschaltstarken Leipzigern eine Ballbesitzmannschaft. Und Werner bewies, sich anpassen zu können.

Für ein ordentliches Ballbesitzspiel braucht es auch eine vernünftige Passquote. Und die war in der Saison 2018/19 (Sanés bislang letzter Pflichtspielsaison) mit 85 Prozent beim City-Akteur deutlich besser als bei Werner (76 Prozent).

Bayerns Spiel ist zudem auf Breite angelegt. In der aktuellen Saison nutzt in der Bundesliga nur der BVB mehr Breite des Spielfelds (53,3 Meter) als der FC Bayern (52,6 Meter). Sanés Spielweise ist mehr darauf ausgelegt, die Außenpositionen zu halten und bis zur Grundlinie zu marschieren, während Werner deutlich öfter nach innen zieht.

Beide Spieler haben ihre Vorzüge. Sané wäre allerdings - vorausgesetzt er findet zur alten Form zurück - eher für das klassische Ballbesitzspiel der Münchner prädestiniert, könnte auf seiner Paradeposition agieren. Werner müsste sich anpassen und wohl auch mit den Flügeln Vorlieb nehmen, da das Sturmzentrum mit Lewandowski besetzt ist. Hinter den Spitzen ist Thomas Müller zuletzt neu aufgeblüht.

Beide dürften sich die Bayern wohl kaum leisten können, daher wird es intern heißen: Werner oder Sané? Eine Verpflichtung dürfte auch davon abhängen, ob und wie es mit den Leihspielern Philippe Coutinho und Ivan Perisic weitergeht.

Eines haben Werner und Sané aber auch gemeinsam: Sie haben die Zweifel der Bayern nicht gut aufgenommen. Werner wartet jetzt auf ein Zeichen aus München. Dieses könnte vom gestärkten Hansi Flick bald kommen.