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München - Mit der Vertragsverlängerung von Hansi Flick schafft der FC Bayern Klarheit. Mit Hasan Salihamidzic und Oliver Kahn bastelt der Trainer am Kader der Zukunft.

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Abstand ist oberstes Gebot in diesen Tagen.

Auch Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic saßen bei der Verkündung von Thomas Müllers Vertragsverlängerung möglichst weit auseinander. Doch trotz der Einschränkungen durch die Coronakrise arbeiten die Bosse des FC Bayern eng zusammen und basteln mit Hansi Flick intensiv am Kader der Zukunft.

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Mit Flicks Verlängerung bis 2023 setzten Trainer und Verein vergangenen Freitag ein entsprechendes Zeichen. "Gerade in der jetzigen Situation weiß man es auch zu schätzen, dass man Arbeitnehmer beim FC Bayern ist. Es ist wichtig, eine gewisse Sicherheit zu haben", sagte Flick. "Ich freue mich mit meinem Trainerteam und mit dieser Mannschaft die Aufgaben in den nächsten drei Jahren anzugehen."

Das betrifft vor allem die Zusammensetzung seines Kaders. "Es ist im Moment keine einfache Situation, auch für die Kaderplanung. Auch weil natürlich viele Unbekannte in dem Spiel dabei sind", ließ Flick durchblicken.

Flick hofft auf Müller-Effekt

Dennoch sind die Bayern in einer Zeit voller Ungewissheiten gerade dabei, Klarheit zu schaffen. Die Unterschrift von Identifikationsfigur Müller unter ein neues Arbeitspapier bis 2023 soll nicht die letzte wichtige Weichenstellung für die nähere Zukunft gewesen sein. "Ich bin froh, dass Thomas verlängert hat. Ich hoffe dass der ein oder andere nachzieht", sagte Flick.

Allen voran Manuel Neuer, dessen Gespräche über einen neuen Vertrag über 2021 hinaus zuletzt ins Stocken geraten waren. "Wir kennen uns schon so lange. Natürlich sprechen wir. Er weiß, was ich von ihm halte, und er weiß, was er an Bayern hat", sagte Flick.

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Kahn intensiv in Gespräche mit Neuer involviert

Nach SPORT1-Informationen ist der Trend bei Neuer, dass auch er seinen Vertrag verlängert. Dass sein neues Arbeitspapier bis 2025 Gültigkeit besitzen wird, ist allerdings unwahrscheinlich. 

Vorstandsmitglied Kahn ist nach SPORT1-Informationen intensiv in die Gespräche mit Neuer involviert. Hierbei hinterlässt er aufgrund seiner Fachkenntnis und Gesprächsführung einen sehr positiven Eindruck.

Neben Neuer plant Flick auch Thiago und den ins Abwehrzentrum versetzten David Alaba als feste Bestandteile für die kommenden Jahre ein. Auch deren Verträge, die jeweils 2021 auslaufen, sollen nach Möglichkeit verlängert werden. "Ich habe ganz deutlich immer wieder gesagt, was ich von Manuel halte und wie ich ihn einschätze. Genau wie Alaba und Thiago. Alle spielen auf einem besonders hohen Niveau", erklärte Flick.

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Sané oder Werner? Flick will offensiv mehr Flexibilität

Darüber hinaus hat Flicks Wort auch bezüglich möglicher Neuverpflichtungen Gewicht. Vor allem in der Offensive will der Bayern-Trainer den Kader breiter aufstellen. "Wir müssen nächste Saison flexibler agieren, um auf taktische Umstellungen der Gegner reagieren zu können. Deswegen ist es wichtig, dass wir Optionen haben und vorne auch mit zwei Spitzen spielen können", betonte Flick.

Er gilt als Befürworter von Timo Werner. Das zuletzt erkaltete Interesse der Bayern am Torjäger von RB Leipzig könnte durch Flicks Vertragsverlängerung nun wieder ein heißes Thema werden. Wie zuerst von SPORT1 Anfang April berichtet, ist auch von Werner-Seite aus ein Bayern-Transfer wieder vorstellbar.

Leroy Sané gilt hingegen als Wunschspieler des künftigen Sportvorstands Salihamidzic. Flick würde einer Verpflichtung des Nationalspielers von Manchester City zustimmen, sofern sie wirtschaftlich zu vertreten sei. Das berichtet die Sport Bild. Die zuletzt genannte Ablöse von 100 Millionen Euro stellt aber ein nicht unerhebliches Risiko und Hindernis dar.

Bayern bei Havertz noch im Rennen

Auch bei Kai Havertz befinden sich die Bayern weiter im Rennen, entschieden hat sich der Jungnationalspieler von Bayer Leverkusen aber noch nicht. Flick setzt sich jedoch vehement für dessen Transfer ein. 

Mindestens einer der drei genannten Offensivspieler soll kommen. Darauf sollen sich Kahn, Salihamidzic und Flick bereits geeinigt haben.

Und sonst? Bedarf besteht auch in der Defensive, das hat die aktuelle Saison auch wegen der langfristigen Ausfälle von Niklas Süle und Lucas Hernández gezeigt. Gefahndet wird nach einem weiteren Innenverteidiger, nach Möglichkeit ein Rechtsfuß.

Trio um Boateng mit offener Zukunft

Jérôme Boateng, dessen Vertrag noch bis 2021 läuft, würden die Bayern bei einem Wechsel keine Steine in den Weg legen. Gleiches gilt auch für Javi Martínez und Corentin Tolisso.

Im Fall Boateng schloss Flick aber auch einen Verbleib nicht aus, zumal er sich mit dessen jüngster Entwicklung zufrieden zeigte. "Er ist in einem gewissen Alter, in dem er selbst schauen muss, was seine Zukunft betrifft", sagte Flick über den 31-Jährigen und fügte hinzu:. "Er muss entscheiden, wo sein Weg hingeht. Unsere Unterstützung hat er bis jetzt gehabt und wird er auch in Zukunft haben."

Wegen Joshua Kimmichs Versetzung ins defensive Mittelfeld, halten die Bayern auch noch Ausschau nach einem neuen Rechtsverteidiger. Zuletzt soll der 19-jährige Sergino Dest von Ajax Amsterdam dabei in den Fokus gerückt sein. Eine Verpflichtung von Real-Leihgabe Álvaro Odriozola gilt hingegen als unwahrscheinlich. Eine weitere Planstelle ist ein Backup von Linksverteidiger Alphonso Davies.

An Arbeit mangelt es dem neuen Dreigestirn um Kahn, Salihamidzic und Flick in nächster Zeit also nicht. Auch wenn aufgrund der Coronakrise Megatransfers zunächst hintenanstehen, soll vor allem Kahn als Karl-Heinz Rummenigges designierter Nachfolger für die großen Transfers zuständig sein.

Hoeneß lobt Kahn

Auch wenn sich Kahn bislang in der Öffentlichkeit zurückhält, bekam der früherer Torwart-Titan intern ein gutes erstes Zwischenzeugnis ausgestellt.

Ex-Präsident Uli Hoeneß bezeichnete Kahns Arbeit zuletzt als "optimal". "Er hat alle meine Erwartungen zu 100 Prozent erfüllt. Und ich bin sehr optimistisch, dass es die total richtige Entscheidung war, Oliver da einzubauen. Das sieht man schon jetzt", sagte Hoeneß dem kicker.

Sportdirektor Salihamidzic lobte seinen Ex-Mitspieler als "absoluten Teamplayer" und ergänzte: "Oliver gibt viel Input, er ist eine Bereicherung in jeder Diskussion."

Auch für Flick war der gute Austausch mit den Bossen ausschlaggebend für sein Bekenntnis zum Rekordmeister. Die Gespräche "waren einfach gut", betonte der Bayern-Coach und richtete den Blick auf die kommenden Aufgaben: "Die Ausrichtung ist letztlich, dass wir erfolgreiche Jahre haben wollen. Klar ist, dass man immer wieder gucken muss, dass man den Kader optimiert. Das sind Dinge, die wir gemeinsam angehen."